604 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1912.
als bei D. N. 7, reichen in den beiden Jahren 1904 und 1905 die Isohalinen von
34.00, 34.50 und 35.00 %g an ersterer Station weit höher hinauf. Es hat den
Anschein, daß die Achse des atlantischen Unterstromes im November mannig-
fachen Verschiebungen unterworfen ist, wobei eine solche nach Norden hin die
bevorzugtere zu sein scheint. Würde das salzreichste atlantische Wasser ähnlich
wie im Sommer entlang dem Abfall der Großen Fischerbank dahinziehen und
von hier aus erst in die Tiefen der Norwegischen Rinne eindringen, so könnten
offenbar zwischen den Salzgehaltswerten der Tiefen von D. N. 6 und D. N. 7 nicht
solche Unterschiede auftreten, wie wir sie in einzelnen Jahren beobachten. Nur
in einem einzigen Jahre sind die Werte gleich, in allen anderen ist der Salz-
gehalt der Tiefen von D. N. 7 ungleich höher als von D. N. 6.
Damit steht auch wohl die Tatsache in Zusammenhang, daß der Salzgehalt
der Tiefen von D. N. 6 im November geringer ist als im Sommer, daß das atlan-
tische Wasser aus den Tiefen der Großen Fischerbank vollends verschwunden und
auch der Einfluß der atlantischen Strömung auf die Salzgehaltsverhältnisse im
nördlichen Nordseeplateau nicht einmal so groß ist wie im Sommer.
In den Verhältnissen der mittleren Schichten von D. N. 9 und D. N. 10 ist
diese große Mannigfaltigkeit der Salzgehaltslage schon nicht mehr zu verspüren,
Noch weniger als in den anderen Jahreszeiten wechselt der Verlauf der Grenze
zwischen dem atlantischen und dem Nordseewasser.
Wir finden also die Annahme Petterssons, die schon in den Verhältnissen
des Kanalstroms eine weitere, wichtige Stütze fand, nicht in dem höchsten Niveau
des atlantischen Wassers bestätigt. Dagegen ergibt sich ein ganz anderes Bild,
wenn wir von dem Salzgehaltswert des November an der oberen Grenze
des atlantischen Wassers ausgehen. Dieser ist an den Stationen D. N. 7
und D. N. 8 wesentlich höher als in den anderen Jahreszeiten, nur bei
D. N. 9 und D. N. 10 erreicht der Salzyehalt sein Maximum im August. Nicht
minder vermögen wir aus dem Vergleich der Salzgehalte in einer Tiefe
von 150 m die Anuschwellung im atlantischen Unterstrom des November
zu erkennen, und auch bei D. N. 10 sind in dieser Tiefe die Unterschiede zwischen
Summer und Herbst verschwunden. Noch auffallender tritt sie in dem Salz-
gehalt der Bodenschicht von 150 m ab zutage. An den Stationen D. N.8
und D. N. 9 ist diese Schicht am salzreichsten im November, bei D, N. 7 viel
salzreicher und bei D. N. 10 nicht weniger salzreich als im August.
Mit der einzigen Ausnahme von D. N. 10 können wir also für das
Tiefenwasser der Norwegischen Rinne recht wohl eine Zunahme des
Salzgehalts im Herbst ableiten. Doch zeitigt diese herbstliche Anschwellung
ihren Einfluß noch nicht in den Verhältnissen des Wassers unmittelbar über dem
Boden. Von 250 m ab sind die Salzgehalte bei D. N. 7, von 300 m ab bei D. N. 8
und von 400 m ab bei D. N. 9 im Februar größer als im November, und für die
beiden letzten Stationen erreichen sie im Februar das Maximum aller vier Jahres-
zeiten überhaupt. Zugleich ist bei D. N. 7 von 250 m, bei D. N. 8 schon von 200
und bei D. N. 9 von 300 m die Temperatur dieses Bodenwassers im Winter er-
heblich höher als im Herbst und noch mehr als im Frühling und Sommer. Das
salzreiche, warme Wasser des November dringt also bis zum Winter
allmählich zum Boden hin vor.
Da dieser Prozeß entsprechend der größeren oder geringeren Beeinflussung
durch das warme atlantische Wasser schneller oder langsamer vonstatten geht,
ist in den Bodentemperaturen der Norwegischen Rinne keine Gesetzmäßigkeit
zu verspüren. Sie sind in dem einen Jahre höher, in dem anderen sogar
niedriger als im Sommer; nur bei D. N. 10 ist das Bodenwasser meistens höher
temmpDeriert als im August.