Keller, H.: Die hydrographischen Verhälinisse der Nordsee usw. 597
Küstengebiet vorwiegend dem Einfluß. des ersteren unterliegt. Aus demselben
Grunde sind im Skagerrak die Salzgehaltsschwankungen än den Rändern
höher als in der Mitte.
Vergleicht man die Temperaturschwankungen der Oberfläche mit
denen des Mai, so tritt an allen Stationen mit Ausnahme derjenigen des Skagerrak
die gewaltige Zunahme derselben im Sommer hervor. Im nördlichen Becken
sind sie am größten über Untiefen und Bänken, umgekehrt wie im Mai. In der
Deutschen Bucht erreichen sie ihr Maximum, bei D. N. 11 an. der nördlichen
Skagerrakküste sind sie noch geringer als. im zentralen Becken, WO
Zur Tiefe zu behalten die Schwankungen des Salzgehalts nur in
der Deutschen Bucht den wenig modifizierten Oberflächenwert. Sonst ist an
allen Stationen wie im Mai wieder eine Sprungschicht zu verspüren, in der
die Schwankung von einem höheren auf einen geringeren Betrag herabfällt.
Diese Grenze liegt bei D. N. 2 und D. N. 4 schon in 10 m, bei D. N. 3 erst in
30 m. Größere Veränderungen im Oberflächenwasser breiten sich also
in der zentralen Nordsee und auf der Doggerbank. nur über einen
schmalen Tiefenraum aus, während sich in dem Gebiete nördlich der
Doggerbank der Einfluß der Oberflächenverhältnisse bis in größere
Tiefen erstreckt.
Im Wasser vor der norwegischen SW-Küste und im Skagerrak müssen wir
unterscheiden zwischen einer Sprungschicht, welche die untere Grenze der Ober-
flächenbeeinflussung angibt, und einer zweiten, die meist durch die Tiefe angezeigt
wird, in der die Vermischung des Nordseewassers mit dem atlartischen Wasser
am wenigsten fortgeschritten ist. Auf der Großen Fischerbank fallen beide zu-
sammen, Bei D. N. 6 liegt die erstere tiefer als zur Küste hin und an. den
Skagerrakrändern höher als in der Mitte. Während wir aber bei D. N, 7 und
D.N. 8 in 50 m noch verhältnismäßig‘ hohe Schwankungen von über 1.00 %/9
antreffen, wird bei D. N. 9 durch einen scharfen Sprung von 1.51 %g in 30 m
auf 0.40 % 4 in 40 m, bei D. N. 10 und D. N. 11 durch noch schärfere von 2,22
bzw. 2.41 99 in 20 m auf 0.55 bzw. 0.70%, in 30 m schon die obere Grenze des
Bereiches angegeben, bis zu dem das atlantische Tiefenwasser die Schwankungen
im Nordseewasser mildert, und bis zu 200 m hinab bleiben die Schwankungen
in den Tiefen des Skagerrak kleiner als in der Norwegischen Rinne westlich der
Küste. Im Mai war es gerade umgekehrt,
Die Temperaturschwankungen nehmen bis zu einer gewissen Tiefe
erst ab, dann aber wieder im Bereiche der Sprungschicht ganz wesentlich zu,
weil an dieser Stelle die Verhältnisse in dem einen Falle noch durch das Ober-
flächenwasser, in dem anderen schon durch kaltes Tiefenwasser bestimmt werden,
Die Tiefe, bis zu der die Oberflächenerwärmung. vorzudringen imstande
ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Bei heftiger Wellenbewegung wird
die Durchmischung der oberen Wasserschichten begünstigt, bei ruhiger gehemmt.
Bei starkem Winde befördert die Verdunstung schneller als sonst das’ Hinab-
gleiten des schwerer gewordenen Oberflächenwassers in die Tiefe, In den
Küstengebieten entscheidet daneben noch die größere oder geringere Mächtigkeit
der Oberflächenströmung. Auch die Wirkung der Sonnenstrahlung spielt eine Rolle.
Es läßt sich nur von Fall zu Fall entscheiden, worauf die Tiefe. der
Sprungschicht in erster Linie basiert. Daß sie jedenfalls in den verschiedenen
Jahren in verschiedener Tiefe liegt und bei dem Zustandekommen des Temperatur-
grades in ihrem Bereiche von Jahr zu Jahr die verschiedensten Faktoren maß-
gebend sind, erkennen wir an den ganz beträchtlichen Schwankungen. Ampli-
tuden von über 6.0° in einer Tiefe von 20 m der Stationen D, N. 7 und
D. N. 10 und von nahezu 6.0° in gleicher Tiefe von D. N. 5 zeigen so recht,
daß in dem einen Jahre ein Faktor einsetzt, der im anderen nicht wirksam war,
daß, wo in diesem Sommer noch die Temperatur der Oberfläche lagert, im
nächsten eine um viele‘ Grade geringerere Temperatur herrschem kann.
. Während nun aber über der Norwegischen Rinne und namentlich bei
D. N. 9. die Schwankungen der Temperatur bis in größere Tiefen :hinein einen