Keller, H.: Die hydrographischen Verhältnisse der Nordsee usw, 595
in dem anderen Jahre die aus der Nordsee kommende Strömung, Darum schwanken
namentlich die Differenzen zwischen den Salzgehalten von D. N. 11 und D, N. 12,
sowie auch diejenigen. von D. N. 12 selbst, von Jahr zu Jahr beträchtlich, Im
Sommer 1903 z. B. betrug der Salzgehalt von D. N. 11 und D. N. 12 nur 29,31 %/09
und 29.69 %/og 1904 aber 31.53 9/9 und 33.84 %/op.
Betrachten wir nunmehr die Verhältnisse in den tieferen Schichten, so
bemerken wir. eine auffallende Veränderung der Randfurche gegen den Mai
und Februar. ;
Im Profil S II strömt das atlantische Wasser entlang dem östlichen Abfall
der Großen Fischerbank in die Norwegische Rinne ein und beherrscht die Tiefen
derselben schon von 100 m ab. Darunter nimmt der Salzgehalt bis zum Boden
zu, ist. am westlichen Rande der Rinne höher als am östlichen, erreicht aber
nicht einmal am Boden den Wert, den es in der. Tiefe von D. N. 6 inne hat.
Die Randfurche hat in horizontaler Ausdehnung zu-, in vertikaler
abgenommen, Im Winter und Frühling ist die Mächtigkeit der Nordsee-
wasserschicht am größten, zum Sommer hin nimmt sie mehr und mehr
ab.‘ Umgekehrt verhält sich die atlantische Tiefenströmung in der
Norwegischen Rinne. Sie war im Februar und Mai am schwächsten
entwickelt und beginnt nun mehr und mehr zuzunehmen. Und auch in
den oberen Schichten der Randfurche selbst haben sich die Verhältnisse ent-
sprechend geändert. Während die Isohalinen unter 35.00 %,) in den vorauf-
gegangenen Jahreszeiten von der Oberfläche zur Küste hin manchmal in fast
vertikaler Richtung in die Tiefen hinabstiegen, durchlaufen sie nunmehr in nahezu
horizontaler Richtung das: Profil und senken sich erst in größerer Küstennähe
auf etwas tiefere Niveaus herab. Ebenso wie sich aber die Grenzen der Wasser-
arten, die westlich der Küste als baltisches, Bank-, Nordsee- und atlantisches
Wasser in breiter Fläche nebeneinander liegen, von Jahr zu Jahr beträchtlich
verschieben, mehr noch als in den anderen Jahreszeiten, so wechselt auch be-
ständig der Wirkungsbereich derselben Wasserarten in der Norwegischen Rinne,
wo. sie untereinander liegen, und die Verhältnisse werden dadurch noch ver-
wickelter, N
Die Isothermen drängen sich in dem einen Jahre nach Überschreiten der
Großen Fischerbank schon in mäßiger Tiefe auf einen engen Raum zusammen,
in dem anderen treten sie auf einen weiteren Tiefenraum auseinander und nähern
sich erst wieder im engeren Küstenbereiche. Diese Verschiedenartigkeit wird in
erster Linie durch das unter der Oberfläche wirkende Nordseewasser hervor-
gerufen, dessen Temperatur bald niedriger, bald höher als die des atlantischen
Tiefenwassers ist,
Im Mittel ist das Nordseewasser bei D.N.7 von 30 m, bei D. N. 8 von
40 m ab vorherrschend, und abgesehen vom Salzgehalt zeigt sich diese obere
Grenze auch durch einen Sprung der Temperatur von einem höheren zu einem
niedrigeren. Wert an. ‚Sein Einfluß auf die warme Oberschicht ist sogar noch
weit größer als derjenige des Tiefenwassers der zentralen Nordsee. Die Differenzen
zwischen der Temperatur der Oberfläche und 20 m nehmen vom zentralen Becken
aus schnell zu und erreichen ihren größten Wert bei D.N.7 (vgl. Tabelle V).
Die letztere Tatsache stimmt vollkommen überein mit einem Temperaturminimum
in den oberen Schichten der Station D. N. 7 zwischen weit höheren Werten bei
D. N. 6 und D. N. 8.
Tabelle V.
Differenzen der Temperatur zwischen Oberfläche und 20 m an den Stationen D. N. 4 bis D. N. 8 (C°).
DN4 | DNS | DN6 | DNT7?7 ' DN.8
Im höchsten Falle. . . . .
Im Mittel. 0. WO
2.01 | 3.18 88 | 6.06 | 4.67
0.40 1.75 2.41 . 3.72 2.41
Etwas ‚anders liegen die Verhältnisse in den tieferen Schichten des
Skagerrak, wenigstens was Salzgehalt und Wirkungsbereich des atlantischen
Tiefenwassers angeht.