Keller, H.: Die hydrographischen Verhältnisse der Nordsee usw.
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der Oberfläche zum Boden nur um wenige Hundertstel %/,, und hält sich in den
meisten Fällen über 34.00 %/09-
Auf der Doggerbank liegen die Verhältnisse ganz anders. Die Temperatur
fällt von D.N.1 nach D.N.2 im Mittel um 1.6°%, der Salzgehalt steigt noch
bedeutender als in den voraufgegangenen Jahreszeiten. Dem Eindringen der
Oberflächentemperatur wird schon in 20 m Tiefe eine scharfe Grenze gesetzt.
Zwischen 20 und 30 m erfolgt eine schnelle Abnahme um mehrere Grade, mit
der auffallenderweise eine ebensolche des Salzgehalts verbunden ist. Die Fak-
toren, die im südlichen Becken die Temperatur- und Salzgehaltsverhältnisse der
tieferen Schichten regeln, dringen also mit ihrem Einfluß nicht bis zur Dogger-
bank. Diese gehorcht vielmehr den auf dem nördlichen Pläteau vorherrschenden
Verhältnissen,
Hier nimmt die Dicke der warmen Deckschicht weiter ab, behauptet bei
D. N. 4 nur noch. die oberen 15 m und ist auf der Großen Fischerbank noch
dünner, Zugleich ist das atlantische Wasser aus den Oberschichten von D, N. 3
und D. N. 5 ganz verdrängt, und der Salzgehalt erreicht auch bei D. N, 4 im
Mittel nicht mehr den Wert 35.00 %/,0.
Das hydrologische Bild wechselt ganz beträchtlich von Jahr zu
Jahr, namentlich was den Salzgehalt angeht, und besonders je nachdem eine
intensivere Entwicklung atlantischen Wassers entweder vorherrscht oder aussetzt.
Schon im ersteren Falle wechselt der Bereich dieses Wassers ganz
wesentlich und ist in hohem Grade von den Küstenverhältnissen abhängig. So
lagerte z. B. im Jahre 1902 das atlantische Wasser mit recht hohen
Werten fast bis an den Südrand der Doggerbank, ohne aber auf die Ver-
hältnisse über der Großen Fischerbank irgendeinen Einfluß auszuüben. Im
Jahre 1904 war der Einfluß auf die Wassermassen der Doggerbank
wesentlich geringer; dagegen breitete sich nunmehr das atlantische Wasser,
begünstigt durch eine schwächere Entwicklung des Baltischen Stromes, bis über
die Große Fischerbank aus. Noch interessanter sind die Verhältnisse des
Sommers 1906. ;
Bei D, N. 3, wo sich 1902 und 1904 reines atlantisches Wasser befand, liegt
jetzt ein Bankwasser von nahezu 34.00 %/,4 und während der Oberflächen-
salzgehalt von D. N. 3 im Mittel der vier Jahre 1902 bis 1905 nur um
0.002 %/, geringer ist als bei D.N.4, ist er im Jahre 1906 um 0.89 %/g
geringer, was um so bemerkenswerter ist, als beide Stationen gleich weit von
der Küste entfernt liegen, nur D. N. 4 nördlicher als D. N. 3. Daraus folgt, daß
in den Jahren, wo eine erhebliche Verminderung der Einfuhr atlan-
tischen Wassers erfolgt, sofort ein erhöhter Einfluß von der Küste
her einsetzt, zugleich mit einer ungleich höheren Bedeutung für D. N. 3
als für D. N. 4.
Während ferner der Salzgehalt der Oberfläche von D. N. 3 im Mittel der
vier Jahre 1902 bis 1905 um 0.16 % höher ist als von D. N. 2, ist er im Jahre 1906
um 0,62 % 9 geringer. Es folgt daraus weiter, daß in Jahren schwacher
Entwicklung atlantischen Wassers in die Nordsee hinein die Wasser-
zirkulation des nördlichen Beckens auf dasselbe beschränkt bleibt
und auf die Verhältnisse über der Doggerbank keinen entscheidenden
Einfluß ausübt.
Sobald wir die Grenze überschritten haben, bis zu der die Oberflächen-
wärme eingedrungen ist, nehmen die Temperaturen des nördlichen Beckens, wie
auf der Doggerbank, erst schneller, dann langsamer ab und fallen am Boden der
zentralen Nordsee bis unter 6.5°, manchmal sogar noch weit unter 6.0°. Doch
ist von einer bestimmten Tiefe ab, die von Station zu Station wechselt, die Tem-
peratur bis zum Boden nahezu konstant. Es ist eine Schichtung, die sich schon
im Mai vorzubereiten begann; aber die Salzgehaltsverhältnisse sind namentlich
im zentralen Becken gegen den Mai ganz andere geworden,
Das atlantische Wasser behauptet über der Großen Fischerbank nur noch
die Tiefen von 30 m ab, und an seiner oberen Grenze finden wir schon eine
Temperatur von 7.999, die niedrigste in dieser Tiefe überhaupt.
Ann. d. Hyvdr. usw. 1912. Heft XI