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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Ann. d. Hydr. usw., XXXX. Jahrg. (1912), Heft XI. 
777 
Ortsbestimmung durch Standlinien nach der Höhenmethode 
aus Nebenmeridianhöhen. 
Von Albrecht Mühleisen, Bremen. 
In den beiden letzten Jahrzehnten hat die Höhenmethode immer mehr :an 
Bedeutung gewonnen und ist auch häufig in den »Ann. d. Hydr. usw.« ent- 
sprechend gewürdigt worden. Der Umstand, daß die Berechnung einer Höhe 
unbequemer ist als die Berechnung einer Chronometerlänge oder einer Neben- 
mittagsbreite, hat jedoch einer schnelleren Verbreitung der Höhenmethode noch 
immer etwas im Wege gestanden. Daher auch das Bestreben, die Berechnung 
der Höhe durch Tafelwerke zu erleichtern, deren neuestes das von Frederick 
Ball ist.!) Der große Umfang und der entsprechend hohe Preis dieses Tafel- 
werkes werden aber manchen Seemann an dessen Anschaffung verhindern. 
Eine Besprechung der Vorzüge und Nachteile dieses Werkes und anderer 
ähnlicher ist nicht beabsichtigt; sondern es soll hier eine Lösung vorgeführt 
werden, die für einen begrenzten Fall, nämlich für die Nähe des Meridians, die 
Bestimmung von Standlinien gestattet und damit auch die Bestimmung des Schiffs- 
ortes, wenn auch nicht verkannt wird, daß eine begrenzte Tabulierung dem 
eigentlichen Wesen der Höhenmethode nicht ganz entspricht. Hat man nur eine 
einzige Beobachtung zur Verfügung, so ist als zweite Standlinie der durch die 
gegebene .Länge bestimmte Meridian anzunehmen. . 
Auf dem Wege zu dem durch die Überschrift angegebenen Ziele ergibt 
sich dann auch eine neue Methode für die Nebenmittagsbreite, die man zur Zeit 
noch nicht als abgetan betrachten darf, da sie noch immer sowohl in der 
praktischen Navigation als auch bei den Prüfungen eine selbständige Rolle spielt 
und. dementsprechend auch in den vier maßgebenden deutschen Lehrbüchern der 
Navigation, wenn auch nach verschiedenen Methoden, behandelt wird. 
Es ist also nicht zu vermeiden, zunächst auf den Begriff »Nebenmeridian« 
einzugehen und später auf »Nebenmeridianbreite«, . 
Raper definiert: The term »near the Meridian« implies a meridian distance 
limited according to the latitude, the deelination, and also the degree of precision 
with which the time is known. The limits are given in Table 47. 
In der Erklärung zu dieser Tafel 47 findet man die Angabe: When the 
time from noon, of observation, exceeds the limits set down, the error of Reduction, 
caused by 1" error in time, will exceed 2’ in the same portion .... Dann ferner: 
The time in the Table is that hour angle, nearly, at which the number of minutes 
of time is equal to the number of minutes in the Reduction. 
Auch Breusing kommt durch Ableitung von Formeln zu dem erst in der 
fünften Auflage seiner Steuermannskunst mitgeteilten Ergebnis, »daß für den 
Fall, wo die Anzahl Bogenminuten der Ergänzung nicht größer ist als die Anzahl 
Zeitminuten im Stundenwinkel, der Fehler in der Breitenbestimmung für jede 
Zeitminute Fehler im Stundenwinkel auch nicht mehr als zwei Bogenminuten be- 
tragen wirde, 
Die Grenzen für die Nebenmeridianhöhe sind keine natürlichen und können 
also nur künstliche oder willkürliche sein. Daher auch die verschiedenen Regeln, 
In den »Ann., d. Hydr. usw.« 1908, S, 371, spricht sich S. Mars folgendermaßen aus: 
»Die bekannte Näherungsregel für die Anwendbarkeit der Nebenmeridianbreiten- 
berechnung nach Einzelhöhen ist, daß die Anzahl der Zeitminuten des Stunden- 
winkels kleiner oder gleich sein muß der Anzahl Grade der Zenitdistanz des 
Gestirns«. > 
Ähnlich ist auch die Erklärung von Norie: The term »near the Meridian« 
has a specific signification; and speaking in general terms, the number of minutes 
in the time from noon should not exceed the number of degrees in the Suns 
1) Besprochen in den »Ann. d, Hydr. usw.« 1907, S. 568, von J. Krauss, und ebenda 1909, 
S. 464 von Dr. Möller, 
Ann. d. Hydr. usw. 1912, Heft XI.
	        
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