5370 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1912.
1911 auf einem Kabeldampfer im tropischen Atlantischen Ozean gearbeitet, Auch
sind schon vor Jahren, wie ich erst später erfahren habe, von Professor Mohn-
Christiania Versuche gemacht, aber der Öffentlichkeit wenig bekannt geworden,
Es ist jedoch — abgesehen von den obigen Ergänzungen und Detailunter-
suchungen — noch Näheres über die Fehlerquellen zu ermitteln, wobei zu be-
rücksichtigen ist, daß auf Dampfern die Einflüsse des Windes, der sich als
Hauptfaktor für die Verdunstung erwiesen hat, ganz andere sind.
Zur Ergänzung sei noch erwähnt, daß in West-Indien ein Aufenthalt ge-
plant ist, um besonders in der Republik Haiti mit Unterstützung der Geo-
graphischen Gesellschaft in Hamburg wirtschafts-geographische Studien zu treiben.
Dr. Rud, Lütgens-Hambure.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Meereskunde. Sammlung volkstümlicher Vorträge zum Verständnis der nationalen
Bedeutung von Meer und Seewesen, Jährlich 12 Hefte. V. Jahrgang, Heft 12,
VI. Jahrgang, Heft 1 bis 6. Berlin 1912. E. S. Mittler & Sohn.
Professor Dr. Albrecht Penck: Tsingtau.
Christian Reuter: Ostsechandel und Landwirtschaft im 16. und 17. Jahr-
hundert.
Dr. Joachim Graf von Pfeil: Marokko, wirtschaftliche Möglichkeiten
und Aussichten.
Dr. G. Herbert Fowler: Das schwimmende Leben der Hochsee.
Dr, R, Hennig: Die deutsche Seekabelpolitik, zur Befreiung vom
englischen Weltmonopol.
H,. Lübbert: Die GroBßbritannische Hochseefischerei.
Dr.Paul Hambruch: Die Schiffahrt auf den Karolinen- und Marshallinseln.
Es liegen wieder eine Reihe Hefte der bekannten Sammlung »Meereskunde« zur Prüfung vor.
Sie reihen sich vollwertig den früheren an, und es ist deshalb nur geboten, kurz über den Inhalt zu
berichten,
Der Direktor des Instituts für Meereskunde schildert Tsingtau. wie es war und wie und was
es geworden ist. Ausgehend von den Prophezeiungen Richthofens aus dem ‚Jahre 1852 über die
Zukunft der Kiautschoubucht wird die geographische Lage und ihre Bedeutung gewürdigt und dann
das heutige Tsingtau als Handelsplatz und Hafen sowie seine Umwelt beschrieben.
Der Ostseehandel und die Ostseepolitik der beteiligten Staaten beeinflußte nachhaltig die Land-
wirtschaft in ihrer Entwicklung und Blüte und auch Niedergang. Die interessanten Zusammenhänge
nicht nur für das 16. und 17. Jahrhundert, sondern auch für die Zeiten vorher und nachher werden
von Reuter dargelegt.
Der Vortrag des Grafen v, Pfeil über Marokko hat schr wenig mit der Meereskunde zu tun,
Er gibt aber ein lchrreiches Bild des heutigen Marokkos von einem guten Kenner und in speziellem
Hinblick auf das Marokko-Kamerunabkommen, das ungünstig beurteilt wird.
Fowler schildert das Leben, weniger der kleinsten als der verhältnismäßig größeren Tiere der
Hochsee, besonders im Golf von Biscaya. Hauptsächlich wird auf die Verbreitung und die Ursachen
der Unterschicde der Verbreitung eingegangen, und zwar unter Hervorhebung der eigenen Beobachtungen.
Der Titel des Heftes von Henning charakterisiert den Inhalt kurz und treffend, Auf jeder
Seite bildet der nationale Gedanke den Grundton und macht die Lektüre des Heftes besonders in den
heutigen Zeitverhältnissen zu einer anregenden und erfreulichen.
Lübbert hat bereits früher die Deutsche Hochsee-Segelfischerei behandelt. Das neue Heft ist die
Fortsetzung, die uns einen äußerst lehrreichen, für uns Deutsche aber nicht eben erfreulichen Einblick
in die englische Fischerei gibt, 1908 war der Wert der britischen Fänge fast 220 Millionen Mark.
Davon gingen für 40 Millionen Mark nach Deutschland, so daß Deutschland aus England noch für
10 Millionen Mark mehr bezog, als seine eigene Fischerei einbrachte.
Das letzte Heft führt wieder in die Ferne. Hambruch hat als Mitglied der anthropologischen
Hamburger Südsee-Expedition sich auch eingehend mit der Art und den Hilfsmitteln der Navigierung
der Eingeborenen beschäftigt, Auf Grund seiner Studien, sowie auch der Sarferts können wir den
großartigen Leistungen und Methoden der »Wilden« unsere Hochachtung und sogar Bewunderung
nicht versagen, Der Vortrag verspricht viel für die späteren größeren Veröffentlichungen der Expedition.
R. Lützens.