544 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1912,
aus dem Dreieck wahrer Mondort M, scheinbarer Mondort M’ und Himmelspol P
(vgl. Fig. 3) zwei Seiten, die wahre und die scheinbare Poldistanz und der ein-
geschlossene Winkel 4a bekannt sind und das Stück MM’ sowie der parallak-
zische Winkel aus seinem Supplement berechnet werden können,
Damit sind nun aus dem »astronomischen Grunddreieck« drei Stücke
bekannt:
1. die Zenitdistanz aus der Größe der Parallaxe,
2. der parallaktische Winkel aus ihrer Richtung,
3. die Poldistanz aus den Ephemeriden.
In diesem, aus zwei Seiten und dem eingeschlossenen Winkel bekannten
Dreieck kann also weiter das Breitenkomplement sowie gleichzeitig der Stunden-
winkel und damit die Länge des Beob-
achtungsortes gefunden werden. Ver-
[asser hat während der letzten Reise
les Norddeutschen Lloydschulschiffs
»Herzogin Sophie Charlotte« einige
solcher Messungen ausgeführt.
Es empfiehlt sich hierbei, wenn
nur ein Beobachter da ist, abwechselnd
die eine und die andere Distanz zu
messen und hierzu zwei Sextanten zu
Jenutzen, so daß eine Neueinstellung
des Instruments sich erübrigt.
Die genannten Besonderheiten der dargestellten Methode: Unabhängigkeit
von der Sichtbarkeit einer Kimm und von der Kenntnis der Höhe des Beobachters
über der Erdoberfläche, Unabhängigkeit von dem immer noch sehr unbefrie-
digenden Libellensextanten legen den Gedanken nahe, ein solches Verfahren in
der Luftschiffahrt!) zu verwenden. Dem stehen zunächst zwei Bedenken
entgegen:
In unseren Breiten läßt sich bei der selten ausreichenden Höhe des
Mondes häufig keine befriedigende Genauigkeit erzielen. -
Die Rechenarbeit ist zur Zeit eine so umfangreiche, daß durch die
bei der Luftschiffahrt sehr bedeutende und sehr wenig bekannte Ab-
trift nach ihrer Vollendung das Resultat nur noch geringen Wert
besitzt.
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Anders liegt die Frage, wenn wir den Blick weiter in die Zukunft richten
könnten, auf eine Zeit, da unsere Luftschiffe in den Kolonien vielleicht den
Verkehr vermitteln sollten. Es würde dort das erste Bedenken wegfallen und
e8 sich verlohnen, das zweite zu beseitigen, durch Herstellung von Tafeln,
welche die wahren Distanzen des Mondes mit den hellsten Sternen (und dieser
antereinander) nach Art unserer Monddistanztafeln zu entnehmen und ferner
die Berichtigung der gemessenen Distanz auf Strahlenbrechung rasch auszuführen
gestatten könnten.
1) Die Luftschiffahrt benutzt Azimutmessungen, um, was wir hier erstreben, gleichzeitig Breite
and Länge zu bestimmen. Diese Azimntmessungen verlangen einige (jenauigkeit und sind nicht immer
anwendbar, Vgl. hierzu C. Runge, Über die Ortsbestimmung im Ballon, Nachr, d, Göttinger Ges.
d. Wiss., 1909.