Baschin, O0.: Tiefenkarte der Ozeane in flächentreuer Projektion, 541
des Meeresbodens ausgezeichnet, die meist dicht am Rande von Inselgruppen
auftreten und sich in prägnanter Weise dem pazifischen Küstentypus anpassen,
Schon Supan hat es als höchst wahrscheinlich bezeichnet, daß wir es hier mit
Einbruchserscheinungen großen Stils zu tun haben. Wir kennen nicht weniger
als sechs, meist recht umfangreiche Gebiete, in denen sich der Meeresboden um
mehr als 8000 m hinabsenkt: 1. Östlich der japanischen Inseln, wo die 1874 von
der »Tuscarora« gelotete Tiefe von 8514 m lange Zeit als größte Meerestiefe
überhaupt galt. 2. Im Osten der Südhälfte des Philippinen-Archipels zieht sich
ein sehr schmaler, in gerader Richtung fast nord-südlich verlaufender Graben
entlang, in dem Tiefen von 8500, 8558 und 8900? m eingetragen sind. Im Juni
1912 hat nun das Vermessungsschiff »Planet« in diesem Philippinen-Graben 40 Sm
östlich vom nördlichen. Teil der Insel Mindanao 9780 m gelotet,!) und damit
alle bisher bekannten Tiefen überholt. Doch wurde diese Lotung erst nach der
Fertigstellung der Karte bekannt. 3. Weiter Östlich findet sich in der Nähe der
Palau-Inseln eine Tiefe von 8138 m. 4. Der bogenförmige Graben, der sich im
Südosten der Marianen-Gruppe hinzieht, hat in seinem mittleren Teile bei der
Insel Guam seine größte Tiefe mit 9635 m. Diese Stelle, die 1899 von dem
amerikanischen Vermessungsschiff »Nero« gefunden wurde, galt bis zu der eben
erwähnten neuen Lotung als größte Ozeantiefe, 5. Südlich des Bismarck-
Archipels liegt ein nach Norden konvexer bogenförmiger Graben mit einer
Maximaltiefe von 9140 m. 6. Bei der Nordinsel Neuseelands beginnend, erstreckt
sich im Osten der Kermandec- und der Tonga-Inseln bis fast zur Samoa-Gruppe
hin über mehr als 20 Breitengrade ein Graben mit mehreren sehr tiefen Stellen,
deren tiefste 9427 m beträgt.
Ein weiteres Eingehen auf Einzelheiten würde den Rahmen dieses kurzen
Hinweises auf die für schnelle Orientierung wie für eingehendes Studium gleich
geeignete Veröffentlichung überschreiten. Ein Hauptvorzug der Karten ist die
Einheitlichkeit der Darstellung, die wesentlich dazu beiträgt, daß die neuen
Tiefenkarten so ausgezeichnete, in bezug auf die Zuverlässigkeit allen Anfor-
derungen entsprechende und dabei im Format handliche, klare Übersichten über
den gegenwärtigen Stand unserer Kenntnis vom Relief des Meeresbodens bieten.
Otto Baschin.
Eine astronomische Ortsbestimmung ohne Kimm oder Libelle durch Er-
mittelung der Höhenparallaxe des Mondes.
Von Dr. M. Jaeryer.
Von den anderen Gestirnen unterscheidet sich unser Trabant nicht allein
durch seine rasche Bewegung, die ihn uns in dem Verfahren »Monddistanz«
als Weltuhr benutzen läßt, sondern ebenso stark durch seine geringe Entfer-
nung von der Erde, welcher Umstand bedingt, daß die Horizontalparallaxe
des Mondes mit rund ein Grad die bei weitem größte aller Gestirne ist.
Die Parallaxe tritt in allen nautischen Aufgaben in Gestalt einer als be-
kannt vorausgesetzten Berichtigung auf. Im folgenden dagegen ermitteln wir
aus Distanzmessungen des Mondes mit anderen Gestirnen die Parallaxe
nach Größe und Richtung und berechnen daraus Breite und Länge des
Beobachtungsortes, .
In Fig. 1 stelle die Ebene der Zeichnung die Ebene durch Erdmittel-
punkt E, Beobachtungsort B und Mondmittelpunkt M, also die Ebene des Verti-
kals des Mondes dar. Wir nehmen zunächst an, ein Fixstern S stehe für den
Beobachter im selben Vertikal mit dem Mond und wir ermitteln durch Messung
und Beschickung für Strahlenbrechung sowie Anbringung des Radius aus der
scheinbaren Randdistanz die. Distanz d’ d. h. den Winkel am Auge des Beob-
Vel. »Annalen der. Hydrographie usw.« 1912, 40, Jahrgang, Seite 393