540 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1912.
werden. Große Teile, z. B. das Gebiet zwischen 40° und 47° Nord und 24° bis
32° West konnten überhaupt nur durch weitgehende Benutzung von mehr als
50 Jahre alten Lotungsreihen dargestellt werden. Im Text wird die Zuverlässig-
keit solcher alten Lotungen eingehend diskutiert, und ausführlich werden die
Tiefenverhältnisse der einzelnen Meeresteile besprochen und Abweichungen von
der bisherigen Art der Darstellung begründet. Es würde zu weit führen, auch
nur einzelne große Züge im Relief des Meeresbodens, von denen im Atlantischen
Ozean z. B. die sich von Island bis zum Südpolarmeere hinziehende mittelatlan-
tische Schwelle eines der interessantesten, bisher noch nicht gelösten Probleme
darstellt, hier näher zu erörtern. Nur die tiefsten Stellen, die mehr als 7000 m
weit hinabreichen, mögen hier kurz gekennzeichnet werden. Im Atlantischen
Ozean sehen wir zwei solcher tiefen Einsenkungen. Am Außenrande des Antillen-
bogens, im Norden der Insel Puertorico, finden sich als tiefste Stellen eines lang-
gestreckten Beckens Lotungen von 8341 und 8525? eingetragen, Geringer ist
die 1882 von dem französischen Kriegsschiff »La Romanche« in 0° 11’ Süd und
18° 15’ West gelotete Tiefe von 7370 m, die vielfach angezweifelt und meist
ignoriert wurde, weil sie ganz vereinzelt war, bis es Anfang Oktober 1901 der
Deutschen Südpolar-Expedition auf der »Gauß« unter Leitung von Professor
v. Drygalski gelang, in dieser Gegend 6220 und gleich darauf 7230 m zu loten.
Es handelt sich hier offenbar um einen trichterförmigen Einbruch des Meeres-
bodens mit ungewöhnlich steilen Wänden. Die »Romanche«-Tiefe ist bei weitem
die tiefste Stelle, die wir in der Nähe des Äquators überhaupt kennen.
Der Indische Ozean ist in Lamberts flächentreuer Azimutalprojektion
dargestellt und hat seinen Projektionsmittelpunkt in 20° Süd und 80° Ost. Im
Süden reicht der Kartenrahmen weit über den Pol hinaus, so daß er die gesamte
Südpolarzone in sich begreift. Genauer bekannt sind die Tiefenverhältnisse
eigentlich nur im Roten und Arabischen Meer, im bengalischen Meerbusen und
in der Nachbarschaft der Inseln und des Festlandes. Durch den offenen Ozean
ziehen sich nur wenige Lotungsprofile. An der Außenseite des von den Sunda-
Inseln gebildeten Bogens tritt das Bestreben des Bearbeiters hervor, die Formen
des Festlandes auch auf die benachbarten Gebiete des Meeres zu übertragen, ein
Vorgehen, das Dr. Groll selbst als »vielleicht etwas weitgehend« bezeichnet,
dem man jedoch seine Zustimmung kaum wird versagen können, Die im Jahre
1912 ausgeführten Lotungen der australischen Südpolar - Expedition unter
Mawson konnten leider nicht mehr berücksichtigt werden. Im ganzen Indischen
Ozean ist bisher nur an einer vereinzelten Stelle südlich von Java von S. M. 8.
»Planet« eine‘ Tiefe von 7000 m erlotet worden. Der weitaus größte Teil weist
Tiefen auf, die sich nur wenig von der Tiefenstufe 4000 bis 5000 m entfernen.
Der Stille Ozean wurde ebenfalls in Lamberts flächentreuer Azimutal-
projektion entworfen, die für Längenmessungen die günstigste Zahl meßbarer
Linien bietet und auch sonst für Darstellungen einer ganzen Halbkugel die ge-
ringsten Verzerrungen aufweist. Der Projektionsmittelpunkt ist auf dem Aquator
in 160° West angenommen, so daß das Gradnetz symmetrisch zu dem gradlinig
verlaufenden Aquator wird. Um noch ganz Indonesien mit aufnehmen zu können,
gelangen nach Westen hin 115 Äquatorgrade zur Darstellung, während nach
Osten hin 95 genügen. Nach Norden und Süden ist das Kartenbild bis zu den
Polen ausgedehnt, so daß im ganzen etwas mehr als eine Erdhalbkugel abgebildet
wird, Das Verjüngungsverhältnis 1:40000 000 gilt hier wie beim Indischen
Ozean eigentlich nur für die Umgebung des Projektionsmittelpunkts, während
für radiale Messungen ein Maßstab benutzt werden muß, der eine allmählich
kleiner werdende Kilometerteilung trägt.
Der größte Teil des Stillen Ozeans ist noch ganz unerforscht. Von Pro-
filen mit dichtgestellten Lotungen durchziehen ihn nur zwei, nämlich auf den
Routen San Franzisko--Hawaii—Guam und Vancouver—Fanning-Insel—Fidschi-
Inseln, Noch stärker als beim Indischen Ozean tritt hier eine südöstliche Streich-
richtung der Bodenformen im mittleren Teil des Ozeans hervor, die freilich nur
als subjektive Auffassung des Bearbeiters angedeutet wird. Mehr als alle andern
Ozeane ist der Pazifische durch außerordentlich tiefe, grabenartige Einsenkungen