accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Baschin, O.: Tiefenkarte der Ozeane in flächentreuer Projektion. .. 5839 
hebt Dr. Groll in dem erläuternden Text hervor, wie erschreckend wenig wir 
vom Bodenrelief der Ozeane wissen, eine Feststellung, die von ihm erst kürzlich 
an anderer Stelle!) eindringlich betont und‘ in interessanter Weise beleuchtet 
worden ist, während einer seiner Schüler eine überaus lehrreiche kartographische 
Darstellung über den Genauigkeitsgrad unserer Kenntnis von den Tiefenverhält- 
nissen des Meeres gegeben hat.?) In jedem Ozean existieren viele Hunderte 
von Eingradfeldern, innerhalb deren nicht eine einzige Lotung ausgeführt worden 
ist. Daher können auch die konstruierten Tiefenlinien nicht etwa eine An- 
näherung an die tatsächlichen Verhältnisse geben, sondern nur ein Bild der 
persönlichen Anschauung, die der Bearbeiter von dem Relief des Meeresbodens 
hat. Nur gelegentlich ist es möglich, diese Ansicht noch durch die ermittelten 
Tiefentemperaturen zu unterstützen, eine Methode, die besonders durch G. Schott 
häufig mit Vorteil angewandt worden ist. Im offenen Ozean wurden die Tiefen- 
zahlen’ soweit es möglich war, vollständig eingetragen, vor allem die Serien der 
letzten großen Tiefsee-Expeditionen, Jedenfalls aber sind charakteristische Werte 
immer besonders berücksichtigt worden, also z. B. die Extreme der Höhen und 
Tiefen. Im allgemeinen jedoch war eine Beschränkung in der Einzeichnung der 
Zahlenwerte geboten, und nur ausnahmsweise konnte mehr als eine Lotungszahl 
für ein Eingradfeld aufgenommen werden. Die Zahl der benutzten Lotungen 
ist daher, was eine genaue Betrachtung der Karten ohne weiteres ergibt, viel 
größer wie die auf ihnen eingeschriebenen Tiefenzahlen. Dies gilt namentlich 
für die Küstengebiete, in denen der Verlauf der Isobathen durch eine sehr große 
Anzahl von Tiefenangaben gesichert ist, so daß dieselben als feste Linien aus- 
gezogen werden konnten. Bei steilen Böschungen des Meeresbodens war es nicht 
immer möglich, die nötige Anzahl von Tiefenlinien auf dem schmalen zur Ver- 
fügung stehenden Raum zusammenzudrängen, so daß manche von ihnen aus- 
fallen mußten. Wo ein Gebiet weniger gut bekannt ist, sind die Isobathen mit 
langgestrichelten Linien angegeben, Selbstverständlich bietet das Relief des 
Meeresbodens noch ein ausgiebiges Feld für Analogieschlüsse, aber überall, wo 
solche in unbekannten Gebieten zu unsicher werden, sind die Tiefenlinien ganz 
fortgelassen worden, und die einzelnen Schichten sind nur durch die Farben- 
stufen voneinander abgegrenzt, eine Darstellung, die namentlich in den Polar- 
gebieten durchgeführt werden mußte, Wo es sich ermöglichen ließ, wurden noch 
Isobathen von 500 zu 500 m als Hilfslinien eingeschaltet. Lotungen, deren 
Betrag unsicher ist, oder deren Herkunft sich nicht ermitteln ließ, sind durch 
ein ? gekennzeichnet. 
Der Atlantische Ozean ist mit allen Nebenmeeren, einschließlich des Nord- 
polarmeeres, dargestellt und erstreckt sich demnach vom äußersten, noch un- 
bekannten Süden des Weddellmeeres in etwa 80° Süd über den Nordpol hinaus 
bis zur Beringstraße. Bei der Wahl der Projektion ergab sich eine so große, 
durch zwei Kartenskizzen im Text überzeugend illustrierte Überlegenheit der 
Lambertschen flächentreuen Zylinderprojektion über die flächentreue azimutale 
Projektion, daß der ersteren der Vorzug gegeben wurde. Als Mittelmeridian ist 
30° West gewählt und der Kartenrahmen als Rechteck mit dieser Mittellinie 
ausgezogen. Da nur der Mittelmeridian längentreu ist, so bezieht sich die Maß- 
stabsangabe 1:40 000000 streng genommen nur auf diesen allein. Je weiter 
man sich von ihm entfernt, um so kleiner wird das Verjüngungsverhältnis, so 
daß dem gleichbleibenden, für den 30. westlichen Meridian geltenden Kilometer- 
maßstab noch ein zweiter hinzugefügt wurde, der unter Berücksichtigung der 
nach den seitlichen Kartenrändern zu eintretenden Verkürzungen geteilt ist. 
Da der Atlantische Ozean das Gebiet der ersten, nach unzuverlässigen 
Methoden ausgeführten Tieflotungen ist, so mußte bei ihm auf die kritische 
Untersuchung der Zuverlässigkeit von Tiefenangahen besonderes Gewicht gelegt 
1) M. Groli: Unterseeische Gebirge, Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 
Jahrgang 1911, Seite 116 bis 124. Mit 3 Kartenskizzen, 
2) Ludwig Carriere: Unsere Kenntnis der Erde. (Versuch einer Darstellung über Grenzen 
and Genauigkeit unserer heutigen Kenntnis vom Relief der Erdoberfläche, mit Karte.) Petermanns 
Mitteilungen, Gotha, 1911; Jahrgang 57, II. Halbband, Seite 347 bis 351. Mit Karte 1:93 000 000.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.