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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Meyer, H,: Kimmtiefenbeobachtungen, 
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einstimmt. Nur Nr. 22. und 23 geben ‚starke Abweichungen; in diesen Fällen 
zeigte aber schon das verzerrte Blid der untergehenden Sonne, daß ungewöhn- 
liche Luftverhältnisse und deshalb größere Kimmanomalien vorhanden waren. 
Bei den Messungen der Kimmtiefe im Azimut der Sonne spielt die Helligkeit 
der Kimm eine große Rolle. Stand die Sonne niedrig und hinter Wolken und 
war die Kimm unter der Sonne hell erleuchtet, so fand ich die Kimmtiefe fast 
durchweg größer als in anderen Azimuten. Die Unterschiede fielen fort, sobald 
die Kimm gleichmäßig beleuchtet war. Ob diese Differenzen reell oder nur Beob- 
achtungsfehler waren, hervorgerufen durch die manchmal ungleiche Helligkeit 
der beiden Kimmbilder, will ich nicht entscheiden. , Hier wären Messungen von 
anderen Beobachtern sehr erwünscht. Man könnte auch ohne Kimmtiefenmesser 
folgendermaßen zum Ziele kommen: Man nimmt an geeigneten Tagen in der 
Dämmerung mehrere Sterne und berechnet sich daraus den wahrscheinlichsten 
Schiffsort; Die später beobachtete Sonnenhöhe mit der für das astronomische 
Besteck berechneten verglichen, gibt Aufschluß über einen Fehler in der Kimm- 
tiefe. Natürlich darf die Zwischenzeit zwischen beiden Beobachtungen nur klein 
sein, auch ist sorgfältig auf Kurs und Distanz zu achten. Die meteorologischen 
Elemente sind dabei genau zu notieren. 
Die ganzen Untersuchungen über die Veränderlichkeit der Kimmtiefe haben 
für den praktischen Seemann nicht die Bedeutung erlangt, welche man sich zuerst 
von den Koßschen Beobachtungen versprach. Auf offener See ist der Unterschied 
zwischen der Wasser- und Lufttemperatur meist nur klein, die Kimmtiefe dem- 
nach normal. Erst in der Nähe von Land, wo eine größere Genauigkeit des 
Bestecks verlangt werden muß, hat man auf die unregelmäßige Lage der Kimm 
zu achten,*besonders wenn man sich in Gegenden befindet, wo größere Differenzen 
zwischen der Luft- und Wasserwärme zu erwarten sind, Mir sind. da besonders 
die Ostküste von Nordamerika, die La Plata-Mündung sowie die Westküste, von 
Südamerika!) in Erinnerung. In diesen Fällen sollte der Seemann zum Kimm- 
tiefenmesser greifen; damit ist die Ermittlung der Kimmtiefe auch für einen 
weniger geübten Beobachter mühelos und einfach. Von der Berichtigung der 
mittleren Kimmtiefe für den Unterschied zwischen der Luft- und Wasser- 
temperatur halte ich nicht viel, da einmal die genaue Bestimmung der Temperatur 
der Luft nur mit einem Schleuderthermometer möglich ist, und da weiter durch 
einwandfreie Messungen bewiesen ist, daß die beobachtete Kimmtiefe mit der 
berechneten stark differieren kann, 
Bunbury. 
{(Amtlich.) 
Nach Fragebogen Nr. 1336 des Kapt. S. Bohmfalk, S. »Serita«, vom Mai 1900; Nr. 1338 des 
Kapt. A, Schieck, 8. »Oberon«, vom Februar 1900; Nr. 2327 des Kapt, P. Fretwurst, 5. »Duneraig‘« 
vom Juni 1902; Nr. 2462 des Kapt. B. Schumacher, S. »Irene«, vom August 1902; Nr. 3782 
des Kapt. J. Jochimsen,. D. »Carl«, vom Dezember 1905; Nr. 4166 des Kapt. W, Frerichs 
S. »Hanna Heye«, vom August 1906. Ergänzt nach deutschen und englischen Quellen.‘ Brit, Adm- 
Kıt. Nr. 2759b, Australia, southern Portion; Nr. 1034 Cape Naturaliste to King George Sound; 
Nr. 1033, Champion Bay to Cape Naturaliste; Nr. 1472, Plans on the Southwest Coast of Australia, 
Plan: Koombanah Bay. Letzte Veröffentlichung‘ »Ann. d, Hydr. usw.« 1899, 8. 540. 
Bunbury an der Westküste von Australien liegt etwa 80 Sm südlich von 
Fremantle und an der Südwestecke der Koombanah-Bucht. Der Hafen ist 
der bedeutendste des südlichen Distriktes und dient als Ein- und Ausfuhrplatz 
für das Hinterland, in dem Zinn, Kohlen, verschiedene Arten von Nutzhölzern 
und andere landwirtschaftliche Produkte gewonnen werden. Die geographische 
1) In den Salpeterhäfen, wo die Schiffe auf Reede liegen, kann män häufig von Bord aus gute 
Messungen der Kimnmtiefe bekommen, wenn man die beobachtete und die berechnete Sonnenhöhe mit- 
sinander vergleicht.
	        
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