Meyer, H.: Wasser- und Lufttemperaturen usw. auf d. Atlant. u. d. südl. Stillen Ozean. 5925
Psychrometer (Nr. 2699/70 der »Deutschen Seewarte«); die Korrektionen dieses
Instrumentes betrugen im Maximum nur 0.04° (bei einer Temperatur von 0°),
sie konnten deshalb vernachlässigt werden.!) Die zur Bestimmung der Wasser-
temperatur gebrauchten Thermometer waren vor Beginn der Reise von der
»Deutschen Seewarte« untersucht worden; sie wurden auch an Bord mit einem
mehrfach geprüften »Normalthermometer« verglichen.
Gleichzeitig mit den Psychrometerbeobachtungen wurde ein Luftthermo-
meter abgelesen, das in einem Holzkasten untergebracht war, Die Unterschiede
zwischen dem »Kastenthermometer« und den Angaben des Psychrometers ver-
dienen aus dem Grunde ein Interesse, weil auf den meisten Schiffen dem Beob-
achter kein Aspirationsthermometer zur Verfügung steht und zu der Ermittelung
der Luftwärme das Kastenthermometer benutzt wird,
Regelmäßig wurde am Morgen der in den letzten 24 Stunden gefallene
Niederschlag gemessen. Die Aufstellung des Hellmannschen Regenmessers war
auf dieser zweiten Reise keine ganz einwandfreie. Der beste Platz für dieses
Instrument an Bord eines Segelschiffes liegt hinter dem Ruderkasten, voraus-
gesetzt, daß der Besansbaum die Reeling nicht überragt, Auf der »Sophie
Charlotte« grenzt aber der Ruderkasten hart an die Reeling, der Apparat wurde
deshalb an B-B.-Seite achtern an der Reeling in kardanischer Aufhängung an-
gebracht. Man muß darum mit der Möglichkeit rechnen, daß der gemessene
Niederschlag an einzelnen Tagen durch Tropfwasser vom Besan zu groß ge-
worden ist. In dem schlechten Wetter bei Kap Horn wurde der Regenmesser
abgenommen, da das Schiff auch achtern Wasser nahm, |
Da der Beobachter durch Berufspflichten stark gebunden war, fallen die
Beobachtungstermine nicht gleichmäßig auf den Tag verteilt. Es fehlen häufig
die Nachtbeobachtungen, wohingegen die Messungen um Mittag herum gedrängt
liegen. Das Maximum der Luft- und der Wassertemperatur läßt sich deshalb
mit Sicherheit ableiten; aber auch für die Amplitude kann man brauchbare
Werte finden, da sich die Temperaturen in der Nacht nur wenig ändern.
Die Tabelle I, Seite 526 bis 529, enthält in den Spalten 2 und 3 für den
Mittag des angegebenen Datums die Position des Schiffsortes; die Kolumnen
5 bis 7 geben für die letzten 24 Studen, der Tag wird hier von Mittag bis
Mittag gezählt, die Mittelwerte der Wassertemperatur, des Unterschiedes zwischen
der Wasser- und Lufttemperatur, sowie der Mittel aus den beobachteten Feuchtig-
keiten. Spalte 9 zeigt die am Morgen gemessene Niederschlagsmenge. Es be-
deutet hier ein Strich, daß kein Niederschlag gefallen war, 0.0 dagegen eine
Regenmenge kleiner als 0.05 mm.
In der letzten Reihe findet sich der beobachtete Wind in zeitlicher Auf-
einanderfolge nach Richtung und Stärke (Beaufort-Skala 0 bis 12). Es bedeutet
NO5/7/4: der Wind war NO, zuerst von der Stärke 5, er frischte später bis 7
auf und flaute wieder bis zur Stärke 4 ab. Die eingeschlagene Reiseroute sowie
die Positionen lassen sich aus Tafel 31 u. 32 ersehen, ;
I. Beobachtungen der Temperatur der Luft.
Wie schon erwähnt, wurde auch auf dieser Reise gleichzeitig mit dem
Aspirations-Psychrometer ein in einem Holzkasten untergebrachtes Thermometer
abgelesen. Der Kasten hatte die an Bord der Schiffe übliche Form, er war aus
Teakholz, lackiert und hatte an den Seiten und vorn Jalousiewände. Die Auf-
hängung an der Rückwand des Niederganges zur Kajüte muß für Bordverhält-
nisse als eine gute angesehen werden. Trotzdem zeigen die Unterschiede zwischen
dem Kastenthermometer und dem Aspirationsthermometer häufig erhebliche
Werte. Die Differenz ist am kleinsten, wenn der Kasten selbst trocken ist,
wenn er sich im Schatten befindet und wenn der Wind in der Nähe des Kastens
so stark ist, daß sich die Luft in demselben nicht stauen kann, Positive Werte
für (K—A) fanden sich meist am Tage, besonders bei Windstille, bei wolkenlosem
1) Über den Ort der Temperaturmessung siehe auf dieser Seite unten.