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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

.K eller, H.: -Die hydrographischen Verhältnisse der Nordsee usw. 523 
Zur Tiefe hin wird in den Küstengebieten durch einen scharfen Sprung 
von einer großen zu einer geringen Amplitude die eigentliche. untere 
Grenze des Bereiches angegeben, in dem noch die Verhältnisse der Oberfläche 
ihren Einfluß ausüben. Diese Sprungschicht liegt an den einzelnen Stationen in 
verschiedener Tiefe, ist aber überall deutlich ausgeprägt. 
Auffallend ist die manchmal nicht unwesentliche Zunahme der Salz- 
gehaltsschwankungen am Boden, die namentlich in den Tiefen der Nor- 
wegischen Rinne zu verspüren ist. Es hängt das damit zusammen, daß von einer 
Stelle gleichmäßigeren Salzgehalts ab die Zunahme des letzteren bald schneller, 
bald langsamer erfolgt, unter Umständen sogar der Salzgehalt konstant bleibt. 
Durch eine wesentliche Abnahme der Temperaturschwankungen von 
einer bestimmten Tiefe ab wird die Grenze angezeigt, bis zu welcher der Wechsel 
der Oberflächenerwärmung zu verspüren ist. Doch ist dieselbe keineswegs an 
allen Stationen gleich derjenigen der Salzgehaltsschwankungen. Eine wesentliche 
Abnahme gegen diejenige der Oberfläche tritt im Skagerrak schon von 10m, in 
der offenen Nordsee erst von 20 m ab ein. Von dem mannigfachen Wechsel 
der Oberflächenerwärmung des Skagerrak wird also nur eine sehr 
dünne Schicht betroffen, 
In einer Tiefe von 20 m ist an einigen Stationen, wie auf der Doggerbank, 
auf der Großen Fischerbank und bei D. N. 11 wieder eine Zunahme der Tem- 
peraturschwankungen gegen die 10 m Tiefe zu beobachten; denn an dieser Stelle 
übt einmal noch das Oberflächenwasser, einmal schon das Tiefenwasser seinen 
Einfluß aus. Sonst aber nehmen die Schwankungen mit zunehmender Tiefe ab, 
mehr in der offenen Nordsee, weniger in den Randgebieten der Norwegischen 
Rinne bei D. N. 8 bis D. N. 9 und in der Deutschen Bucht. In dem letzteren 
Gebiete zeigen die hohen Schwankungen die Verschiedenartigkeit der Temperatur 
der tieferen Schichten an, indem sie infolge schnellerer Vermischung der einzelnen 
Wassermassen schon durch die OÖberflächenerwärmung beeinflußt oder, wenn 
keine intensive Wellenbewegung vorhanden, noch mit den Wintertemperaturen 
behaftet sind, 
Es ist ferner bemerkenswert, daß in den Tiefen der Station D.N.7 
von 10m ab die Schwankungen wie im Februar weit geringer sind als 
bei D. N. 6 und bei D.N.8, was in den oberen Schichten auch für den Salz- 
gehalt zu konstatieren ist. 
Wie beim Salzgehalt, so nehmen auch die Schwankungen der Tem- 
peratur in der Bodenschicht wieder wesentlich zu, sowohl in der zen- 
iralen Nordsee bis auf die Doggerbank als auch in den Tiefen der Norwegischen 
Rinne, wo sie bei D.N. 7, D.N. 8 und D.N.10 Werte von über 1.0° erreichen, 
Für die. zentrale Nordsee ist diese Erscheinung so zu deuten, daß von einer 
gleichmäßiger erwärmten Tiefe ab die Temperatur des Wassers bald schneller, 
bald langsamer abnimmt, je nach der Strenge des voraufgegangenen Winters, 
In den Tiefen der Norwegischen Rinne nehmen ebenfalls von einer Schicht gleich- 
mäßigerer Wärme ab die Temperaturen einmal zu, einmal ab. Im ersteren Falle 
lagern am Boden noch die hohen winterlichen Wärmegrade, im zweiten hat schon 
kälteres, in der Richtung der atlantischen Stromachse vorgedrungenes Wasser von 
den Tiefen Besitz genommen. 
IV. Mittlere Abweichungen des Salzgehalts und der Temperatur im Mai. 
(Vgl. Tabelle IV.) 
Wenn man die Abweichungen der einzelnen Messungen jeder Tiefe von 
dem berechneten mittleren Wert dieser Tiefe ohne Rücksicht auf das Vorzeichen 
addiert und durch die Anzahl. der Beobachtungsjahre dividiert, so erhält man 
für jede Tiefe einer Station den Wert, um den die Messungen im Durchschnitt 
von dem Mittel abweichen.) 
1) Mittlere Abweichungen des Februar wegen der bloß zweijährigen Messungen gleich der 
Hälfte der unperiodischen Schwankungen,
	        
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