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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Keller, H.: Die hydrographischen Verhältnisse der Nordsee usw, 521

tische Wasser in einem Unterstrome entlang dem Abfall des nördlichen
Nordseebeckens vorwärts dringt und, wie im Winter, den Weg gegen die
Station D. N. 11 hin einschlägt, wo es in den Tiefen von mehr als 30 m das
Jahresmaximum des Salzgehalts dieser Station von über 35.00 % gg hervorruft.
Den Weg dieses warmen Wassers nach Nordosten in die Tiefen der Norwegischen
Rinne des Profils SII hinein kann man ganz deutlich aus den Temperaturen
von über 6.0° erkennen, die den westlichen Teil der Norwegischen Rinne bis
zum Boden ununterbrochen beherrschen und manchmal auch noch ein Temperaturmaximum
 zwischen kälteren Wassern in den Tiefen von D. N. 8 hervorrufen.
Vergleichen wir die Randfurche des Mai mit der des Februar, so fällt
auf, daß die Tiefe dieselbe geblieben ist, ihre horizontale Ausdehnung
aber infolge der intensiveren Entwicklung des ‚baltischen Wassers
ganz beträchtlich zugenommen hat. Doch ist, wie schon oben gesagt, die
horizontale Ausdehnung im Gegensatz zur vertikalen, die meist nur wenig
schwankt, von Jahr zu Jahr erheblichen Schwankungen unterworfen. Im Jahre
1903 z. B. reichte die Randfurche fast bis an die Station D. N. 4, im Jahre 1905
nicht einmal bis nach D. N. 6 hin.
Die Temperaturverteilung in diesem Randgebiet der norwegischen
SW-Küste zeigt eine ganz eigentümliche Erscheinung. Ein vertikal weit ausgedehntes
 Temperaturminimum schiebt sich an der Küste in das Profil
ein, und der Verlauf der 35.00 %/,9 Isohaline zeichnet sich ganz getreu ab durch
den der 5.0° Isotherme. Es ist also Nordseewasser, das mit den kalten Oberflächentemperaturen
 des Winters in die Norwegische Rinne eingedrungen ist,
um dieselben nordwärts abzuführen.
Im Skagerrak haben sich die - Verhältnisse seit dem Winter noch weit
mehr verändert als an der norwegischen SW-Küste. In einem breiten und tiefen
Keil, mit seiner Spitze unweit der Station D. N. 11, schiebt sich der Baltische
Strom durch das Profil hindurch westwärts weiter. Nicht nur sein Salzgehalt
wechselt, wie wir aus den Amplituden erkennen werden, von Jahr zu Jahr ganz
beträchtlich, auch seine Ausdehnung in horizontaler und vertikaler Richtung ist
außerordentlichen Schwankungen unterworfen. Im Jahre 1905 z. B. beherrschte
er mit einem Salzgehalt von 30.93 %/, und von 31.42 °/.9 noch die Oberflächen
der Stationen D. N. 11 und D. N. 12, hatte also die Wirkung des atlantischen
Wassers in den oberen Schichten der Station D. N. 11 vollständig ausgelöst,
trotzdem in der Tiefe der Station schon von 30m ab ein Salzgehalt von
35.07 9/9 lagerte. Im Jahre 1903 dagegen breitete er sich nur bis zur Station
D. N. 10 aus, und nördlich von D.N.11 .war schon ein Wasser von über
34.00 %/, vorhanden.
Es fließen also Strömungen mit verschiedenem Salzgehalt und natürlich
auch verschiedener Temperatur nebeneinander her. Von Osten kommt der Baltische
 Strom, ihm bewegt sich entgegen die entlang dem östlichen Abfall .des
nördlichen Beckens ostwärts weiterziehende atlantische Strömung mit ihrem
Hauptwirkungsbereich bei D. N. 11, an der jütischen Küste dringt jene Strömung
ein, die, von der Doggerbank und aus dem südlichen Becken kommend, den Weg
nach Norden nimmt. Je nach dem verschiedenen Grade der Mächtigkeit dieser
Strömungen ist auch das hydrologische Bild der oberen Schichten recht verschieden.
 Im Mittel nimmt der Salzgehalt von 26.08 %,g bei D. N. 9 auf 33.5290
bei D. N. 12 zu, differiert zwischen D. N. 9 und D. N. 10 etwa um 4.00, zwischen
D. N. 10 und D. N. 11 um denselben Betrag und zwischen D. N. 11 und D. N. 12
um 0,20 9%. Manchmal jedoch ist der Salzgehalt bei D. N. 10 um 7.00,
manchmal nur um 1.00% höher als bei D. N, 9. Je nachdem, ob in den
oberen Schichten von D. N. 11 das westliche ozeanische oder das Östliche baltische
 Wasser die Oberhand hat, ergeben sich zwischen den Oberflächenwerten
von D. N. 10 und D. N. 11 noch weit höhere Differenzen. Im Jahre 1904 betrug
 die Differenz nur 1.40, im Jahre 1905 8.40 %/,,; im ersteren Falle
ist der Salzgehalt von D.N.11 geringer, im zweiten größer als von
D. N. 12.
            
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