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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1912.
Die hydrographischen Verhältnisse im Mai.
(Vgl. Tafeln 28 bis 30, Maiprofile.)
I. Die Verhältnisse auf dem südlichen und nördlichen Nordseeplateau
im Mai,
In der Deutschen Bucht zeigt die Abnahme des Salzgehalts und die starke
Temperaturzunahme der oberen Schichten wohl eine erhöhte Beeinflussung durch
das Flußwasser an. Da jedoch trotz der ganz erheblichen Flußwassermengen,
die in den Monaten März bis Mai der Nordsee zugeführt werden, der Salzgehalt
nur in den seltensten Fällen unter den Wert 34,30 %%) herabsinkt, ist für die
Wasserverhältnisse des südlichen Beckens die ozeanische Zufuhr immer
noch in erster Linie maßgebend. Daß jedenfalls, wie im Winter, kein Zu-
sammenhang zwischen Flußwassermenge und Salzgehalt besteht, be-
weist am besten das Maximum des Oberflächensalzgehalts von D. N. 1 im Jahre
1905, mit dem ein solches der Flußwasserzufuhr auffallender Weise verbunden ist,
ebenso wie auch trotz der weit geringeren Flußwasserzufuhr im Jahre 1906 der
Salzgehalt um 1.00 %) geringer ist als im Jahre 1905.!)
Nur noch nach einer ganz heftigen Wellenbewegung zeigt sich eine Kon-
stanz des Salzgehalts durch alle Tiefen hindurch, die auch die Temperatur-
differenzen zwischen Oberfläche und Boden mildert, ohne sie aber gleich Null
zu machen, Die Grenze, bis zu der die Oberflächenerwärmung eindringt, ist
durch einen scharfen Temperatursprung gekennzeichnet, der im Mittel zwischen
15 und 20 m liegt. Unterhalb dieser Sprungtiefe ist die Temperatur weit nie-
driger und, wie der Salzgehalt, bis zum Boden nahezu konstant.
Zur Doggerbank hin nimmt die Temperatur im Mittel um 0.7° ab, der Salz-
gehalt um 0.60 %09 zu, also bedeutend stärker als im Februar. Da aber in
allen Jahren keine Salzgehaltsdifferenzen zwischen Oberfläche und Boden be-
stehen, dringt die Oberflächenerwärmung tiefer ein als in der Deutschen Bucht,
und die Sprünge sind weniger scharf zu verspüren,
Auf dem nördlichen Nordseeplateau lagert, ausgenommen in den engeren
Küstengebieten, in allen Tiefen reines atlantisches Wasser, dessen ÖOber-
fächenbereich im’ Durchschnitt nicht ganz bis zur Großen Fischerbank reicht,
unter Umständen aber noch die Station D. N. 6 beherrscht. Auffallender
Weise aber liegen die höchsten Salzgehalte dieses atlantischen Wassers nicht in
der zentralen Nordsee bei D. N, 4, sondern unmittelbar nördlich der Dogger-
bank bei D. N. 3, wo auch im Mittel der vier Jahreszeiten der Salzgehalt des
Mai am größten ist. Es ist möglich, daß ein Teil des salzreichen winterlichen
Wassers der Großen Fischerbank direkt südwärts weitertriftet und im Mai das
Gebiet nördlich der Doggerbank erreicht hat. Wahrscheinlicher aber ist es, daß
sich die atlantische Strömung im Mai infolge der intensiveren Ausbreitung des
Baltischen Stromes, der in seine Flutzeit einzutreten beginnt, und des Küsten-
wassers längs der norwegischen Küste überhaupt, noch mehr als in den anderen
Jahreszeiten an die englische Küste heranzieht und auch viel weiter südwärts
in östlicher Richtung abbiegt, um vielleicht auch auf die Salzgehaltsverhältnisse
von D. N. 1 einen erhöhten Einfluß auszuüben,
Infolge der steten Erwärmung der oberen Wasserschichten durch die
darüber lagernde Luft entsteht auch auf dem nördlichen Plateau eine warme
Oberschicht, die etwa bis zu 20 m reicht. Darunter ist das Wasser wesentlich
käler.
II. Die hydrographischen Verhältnisse in den Küstengebieten westlich der
norwegischen SW-Küste und im Skagerrak im Mai.
Infolge der intensiveren Entwicklung des Küstenwassers ist das atlan-
tische Wasser aus der Oberflächenschicht der Großen Fischerbank verschwunden:
wir sehen aber aus den hohen Salzgehalten von 35.20 %%) in den Tiefen von
D. N, 6 und der hohen Temperatur dieses Wassers, daß fortgesetzt das atlan-
+ Festgestellt nach Reichard. Vel. Anmerkung S. 516