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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

‚Keller, H.: Die hydrographischen Verhältnisse der Nordsee usw. 517 
wassers zusammenhängt, In unserem engeren Untersuchungsgebiet ist sein mitt- 
lerer Wirkungsbereich jahraus jahrein das Wasser über der Großen Fischerbank. 
Die höchsten Temperaturen dieses atlantischen Wassers liegen nicht im 
Bereiche der eigentlichen Stromachse bei D. N. 5, sondern in der zentralen Nord- 
see bei D. N. 4, also dort, wohin wegen der größeren Entfernung von der Küste 
der Einfluß der kalten Landluft am wenigsten vordringen kann. 
Während Salzgehalt und Temperatur auf den Plateaus von Station zu 
Station. beträchtlich schwanken, bleiben beide in vertikaler Richtung zumeist 
konstant. Die Gleichmäßigkeit des Salzgehalts ist die primäre Erscheinung, die 
der Temperatur die sekundäre, An der Oberfläche erfolgt eine ständige Wärme- 
abgabe an die darüber liegende kältere Luft; die oberen Schichten werden da- 
durch kälter und schwerer, sinken unter und machen aufsteigendem wärmeren 
Tiefenwasser Platz. Dieser schon im Herbst eingeleitete Prozeß wiederholt sich 
solange, bis die ganze Schicht eine gleichmäßige Temperatur erreicht hat. Durch 
eine heftige Wellenbewegung, die eine schnellere Durchdringung der Wasser- 
massen fördert und damit die Salzgehaltsunterschiede mildert, wird die thermische 
Konvektion begünstigt, im andern Falle gehemmt. Nur an der Oberfläche breitet 
sich im Februar ein etwas wärmeres oder kälteres Wasser aus. Im ersteren 
Falle dringt fortwährend warmes Wasser von außen her in die Nordsee ein, im 
letzteren überwiegt die Wärmeabgabe an die kältere Luft, was dann auch meist 
durch einen etwas höheren Salzgehalt angezeigt wird. 
II. Die hydrographischen Verhältnisse in den Küstengebieten westlich der 
norwegischen SW-Küste und im Skagerrak im Februar. ; 
Das Nordseewasser, das noch im Herbst im Profil S II eine breite horizontale 
Ausdehnung inne hat, wird bei der zunehmenden Mächtigkeit der atlantischen 
Oberflächenströmung gegen die Küste und, da es an der Oberfläche keinen Aus- 
weg findet, in die Tiefe gedrängt. Damit hängt wohl die typische Erscheinung 
einer schmalen und tiefen Randfurche im Winter zusammen. Begünstigt 
wird dieses stete Vorwärtsdringen des ozeanischen Wassers zur norwegischen 
Küste hin durch das Nachlassen seiner Gegenwirkung, des Baltischen Stromes. 
Dieser ist in seine Ebbe-, jenes in seine Flutzeit eingetreten. 
Horizontale und vertikale Ausdehnung der Randfurche scheinen in ur- 
sächlichem Zusammenhang zu stehen. Je weiter das Nordseewasser sich im 
Herbst in die Nordsee erstreckt und je geringer sein Salzgehalt ist, desto weiter 
bleibt im Winter das atlantische Wasser von der Küste entfernt, desto größer 
ist ferner die Mächtigkeit der Nordseewasserschicht in der Randfurche, Der 
Keil des Küstenwassers wird dann breiter und tiefer. Umgekehrt scheint die 
größere Küstennähe des atlantischen Wassers im Winter hervorgerufen zu werden 
durch eine geringere horizontale Ausdehnung des Nordseewassers im Herbst, 
zugleich verbunden mit einem höheren Salzgehalt. Die Randfurche wird dann 
schmaler und weniger tief. 
In den oberen Schichten dieser Randfurche stimmen Isothermen- 
und Isohalinenverlauf ganz getreu überein. Die 34.00 %/g Isohaline gibt 
die Grenze des Wassers unter 5.0°, des kältesten Wassers im Profil S II über- 
haupt, an. Dabei ist manchmal eine typische Vertikalzirkulation in den oberen 
Schichten des engeren Küstenbereiches zu verspüren. Kälteres und salz- 
ärmeres Wasser fließt an der Oberfläche seewärts ab, wärmeres und 
salzreicheres steigt empor. Salzgehalt und Temperatur der oberen Schichten 
von D. N. 7 sind dann nicht unwesentlich geringer als von D. N. 8, der der Küste 
näher gelegenen Station, 
[n den tieferen Schichten der Randfurche aber und in den Tiefen der 
Norwegischen Rinne ist kein Zusammenhang zwischen Isothermen- und 
Isohalinenverlauf wahrnehmbar, Im Gegensatz zum Verhalten. der Wasser- 
massen im zentralen Nordseebecken zeigen sich ganz erhebliche Differenzen von 
Schicht zu Schicht, die durch einen Hügel ‚verhältnismäßig warmen Wassers, der 
aus den mittleren Tiefen der Norwegischen Rinne emporragt, noch auffallender 
werden.
	        
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