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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1912.
Die hydrographischen Verhältnisse des Februar.
(Vgl, Tafeln 28 bis 30, Februarprofile.)
I. Die Verhältnisse auf dem südlichen und nördlichen Nordseeplateau
im Februar.
Im südlichen Nordseebecken ist aus den recht großen Schwankungen der
Temperatur und des Salzgehalts von Jahr zu Jahr die Verschiedenartigkeit der
Faktoren zu erkennen, welche hier die hydrographische Zusammensetzung der
Wassermassen bedingen. In Jahren unperiodischer ozeanischer Anschwellung
triftet atlantisches Wasser weit hinüber nach Osten in die Deutsche Bucht hinein
und beherrscht hier ausschließlich die Verhältnisse. So waren zum Beispiel im
Jahre 1903 alle Tiefen der Station D. N. 1 mit reinem atlantischen
Wasser ausgefüllt, dessen Salzgehalt am Boden sogar den Wert 35.34 % 4
erreichte, In anderen Jahren ist der atlantische Einfluß nahezu gänzlich ver-
schwunden, und es breitet sich ein Wasser aus, dessen Salzgehalt manchmal bis
auf 34.00%,, an der Oberfläche herabsteigen kann; die größere Beeinflussung
durch das Küstenwasser zeigt sich dann auch in einer viel niedrigeren Temperatur.
Um entscheiden zu können, ob die Wasserzufuhr seitens der Elbe auf die
Salzgehaltsverhältnisse von D. N. 1 einen nennenswerten Einfluß ausübt, habe ich
die von der Elbe in den Beobachtungsjahren der Nordsee zugeführten Wasser-
mengen berücksichtigt,
Monatliche Wassermengen in Millionen Kubikmetern nach Reichard,!)
1903 1904 1905 1906
Januar .... 3330 1591 1650 2505
Fobmör_ 2. 106 108 293 965.
Mittel 2623 1788 1823 2250
Salzgehalt in 0 m von D.N.1 35.19 34.60 34.09 34,54 00
Unter Berücksichtigung der Wassermengen des Februar allein kann der
ganz anomal hohe Salzgehalt des Jahres 1903 in der gegen die anderen Jahre
nahezu unwesentlich geringeren Zufuhr von Flußwasser nicht begründet liegen,
ebenso wie auch die Gleichmäßigkeit der Zufuhr in den Jahren 1904 bis 1906
mit der Verschiedenartigkeit der Salzgehalte dieser Jahre in Widerspruch steht.
Legen wir die mittlere Wassermenge von Januar und Februar zugrunde, so
zeigt sich sogar, daß trotz der größten Zufuhr im Jahre 1903 der Salzgehalt sein
Maximum erreicht, und bei der geringen Wassermenge des Jahres 1905 ist das
Salzgehaltsminimum in diesem Jahre ebenso bemerkenswert. Wassermenge
und Salzgehalt sind also im Winter unabhängig voneinander.
Zur Doggerbank hin nehmen die Werte der hydrographischen Elemente
bald schneller, bald langsamer zu, je nach der größeren oder geringeren Be-
einflussung durch die Wasserzirkulation des nördlichen Nordseebeckens.
Hier wird durch eine Furche höchsten Salzgehalts von über 35.20 %,
die eigentliche atlantische Stromachse des Winters angezeigt, die in einem
mächtigen, von der Oberfläche bis zum Boden reichenden Strom das nördliche
Becken überbrückt und dasselbe bis an den nördlichen Abfall der Doggerbank
mit atlantischem Wasser ausfüllt, Ostwärts zieht diese Stromachse entlang dem
östlichen Abfall des Nordseeplateaus zum Skagerrak hin, auf welchem Wege sie
infolge der Vermischung mit dem salzärmeren Skagerrakwasser schnell von ihrem
hohen Salzgehalt einbüßt, manchmal aber noch mit einem Salzgehalt von über
35.15 °% über die Station D. N. 11 hinweg ins Skagerrak eindringt.
Das Bett, in dem sich das atlantische Wasser mit seinem höchsten Salz-
gehalt durch das Nordseebecken fortbewegt, ist von Jahr zu Jahr beträchtlichen
Schwankungen unterworfen, sowohl zur norwegischen wie auch zur englischen
Küste hin, was wohl mit der größeren oder geringeren Intensität des Küsten-
') A.C, Reichard, Hydrographische Beobachtungen bei Helgoland in den Jahren 1893 bis 1908,
Arbeiten der deutschen wissenschaftlichen Kommission für die internationale Meeresforschung. B. Aus
der Biologischen Anstalt auf Helgoland. Nr. 16.