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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

vv. Hasenkamp, H.: F. Ahlborns Untersuchungen etc. des hydrodynamischen Widerstandes. 509 
der Hauptstrom die Vorderseite. Bei seinem Auftreffen auf die Mitte d der 
Tafel bewirkt er eine Druckerhöhung, die sich in der pinselförmigen Divergenz 
der Stromlinien zu erkennen gibt. Der Strom erleidet hierdurch eine Ver- 
zögerung und teilt sich wieder in zwei sich seitwärts wendende Äste, die in 
kreisähnlicher Bahn der saugenden Wirkung des Minimums im Seitenstrom 
folgen. In der Nähe des Tafelrandes verschmelzen sie mit dem Seitenstrom, 
dessen Geschwindigkeit sie gleichzeitig annehmen, Die ganze Schleppe befindet 
sich in Rotationsbewegung, die rechte Hälfte kreist im Sinne des Uhrzeigers, 
die linke entgegengesetzt; durch den ihnen gemeinsamen Nachlauf ziehen sie 
die Flüssigkeit in die Depression hinter der Tafel hinein, Da die Wirbel ihren 
Antrieb vom Seitenstrom erhalten, so haben sie ihre Maximalgeschwindigkeit 
und ihren Minimaldruck mit ihm gemeinsam bei b. Die. Kurve des Druck- 
minimums im Seitenstrom gibt daher nach innen verlängert auch in den Strom- 
fäden des Wirbels die Lage dieses Minimums und erreicht ihr Ende in dem 
absoluten Druckminimum des ganzen Systems, in der Wirbelachse. 
Aus dem Verlauf der Stromlinien läßt sich weiter ersehen, daß in der 
Mittellinie bei c am hinteren Schleppenende ein Teilmaximum liegt, von dem 
sich die Hochdrucklinien ce seitwärts und nach hinten ziehen, aber auch nach 
vorn bis zu den Mittelpunkten der Wirbel gehen, so daß hier das Maximum 
des Druckes mit dem absoluten Minimum zusammenfällt. Dicht vor dem Ende 
der Schleppe konvergieren die Wirbelfäden und deuten auf ein Druckgefälle 
des Nachlaufs gegen die Tafel hin. Da die Anstauung des Nachlaufs in der 
Mitte der Tafel die Bewegung der Fäden beider Wirbel verzögert, so ergibt 
sich eine Fortsetzung des Druckmazimums von dieser Stelle aus nach beiden 
Seiten in einer halbkreisförmigen oder elliptischen Linie, die wieder in die 
Wirbelzentren ausläuft, Die Linien der Druckmaxima im Gebiete der 
Depression bilden eine Art Schleife. 
Es erhebt sich nun die Frage, in welcher Weise das eben ge- 
schilderte Strömungssystem auf die Versuchstafel wirkt, oder wie 
sich der Kraftaufwand im einzelnen nach Form und Größe gestaltet, 
mit dem die bewegte Tafel diese Bewegungen des Mediums ver- 
ursacht und unterhält. 
Aus der geradlinigen Bewegung der Tafel ergibt sich, daß die von den 
einzelnen Punkten ihrer Oberfläche ausgehenden Einzelkräfte anfänglich in die 
Richtung dieser Bewegung fallen müssen. Es entspricht dies der konventionellen 
Vorstellung der gleich großen und gleich gerichteten, von den Oberflächen- 
teilchen ausgehenden Elementarkräfte, die in ihrer ganzen Erstreckung in die 
allgemeine Bewegungsrichtung fallen. Diese Vorstellung entspricht aber, wie 
wir gesehen haben, durchaus nicht den Tatsachen; vielmehr hat uns der Verlauf 
der Strömungslinien gezeigt, daß die Widerstandskräfte der Platte eine Stauung 
und seitliche Ablenkung hervorrufen. Hieraus ergibt sich, daß die Linien, 
in denen die Druckkräfte wirken, mehr oder weniger transversal gegen die 
Stromlinien gerichtet sein müssen. 
Von dieser Überlegung ausgehend, erhalten . wir ein Kraftliniensystem, 
wie es in Fig. 4 dargestellt ist. Von der vorderen Tafelfläche aus entspringen 
Drucklinien von parabelartiger Gestalt, die um so mehr seitlich gerichtet sind, 
je näher dem Tafelrande sie beginnen. Geradlinig nach vorn in der allgemeinen 
Bewegungsrichtung geht nur die innerste Drucklinie, die in der Tafelmitte 
entspringt und deren Wirkung ausschließlich eine Hemmung oder Stauung‘ ist, 
Die hemmende Wirkung der seitlichen Drucklinien nimmt ab mit dem 
Kosinus ihres Neigungswinkels gegen die Stromrichtung, während die ablenkende 
Wirkung mit dem Sinus dieses Winkels wächst. Die äußerste, in der Nähe des 
Randes entspringende Drucklinie trifft alle Wasserfäden senkrecht und wirkt 
also nur ablenkend, 
Die Durchschnitte dieser Linie mit den Strömungslinien geben zugleich 
die Wendepunkte der letzteren, in denen die gegen die Mittellinie konvexe 
Bahn der Wasserteilchen übergeht in eine konkave Krümmung. ; 
_ Eine von den Rändern der Tafel aus gezogene orthogonale Trajectorie 
der Kraftlinien gibt die Lage der Bugwelle W, die bei konstanter Geschwindig- 
keit der Platte unveränderlich voraufgeht, ohne die vorüberziehenden Fäden 
zu beeinflussen.
	        
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