Kleinere Mitteilungen,
505
als es heute schon der Fall ist. Aber was für die meisten anderen Prüfungs-
gegenstände zutrifft, das gilt natürlich auch für die Meteorologie, nämlich, daß
mindestens alle 5 bis 6 Jahre eine Revision der Aufgaben des betreffenden Faches
stattfindet und diese mit den neuesten Ergebnissen der Wissenschaft in Einklang
gebracht und den neuen Erfahrungen und Erfordernissen der Praxis angepaßt
werden. j
Die Vorbedingungen für den meteorologischen Unterricht sind übrigens
in allen Klassen so günstig wie für kein anderes Fach, Durch ihren Beruf an
aufmerksame Beobachtung der Vorgänge in der Atmosphäre gewöhnt, werden
die Schüler für diese Wissenschaft meist ein Interesse mitbringen, das sicher
den Unterrichtserfolgen zugute kommen wird, Dazu kommt, daß die Seewarte
durch ihre Veröffentlichungen dem Unterrichte ein vorzügliches. Anschauungs-
material zur Verfügung stellt, So vor allem z. B. auch in den Monatskarten
für den Nordatlantischen Ozean, deren Rückseiten oft ganz ausgezeichnete, der
Gegenwart und der Praxis entnommene Beispiele besonders interessanter mefteoro-
logischer und ozeanographischer Verhältnisse zeigen. Eine kurze tägliche Be-
sprechung der synoptischen Wetterkarten wird den Unterricht nicht nur beleben,
sondern die Schüler auch mit den wichtigsten Gesetzen der Wetterprognose be-
kannt machen. Dabei wird es nicht besonders schwer fallen, die Schüler während
des Kursus zur Führung eines einfachen meteorologischen Tagebuches anzuhalten,
für das die Beobachtungstermine ruhig so gelegt werden können, daß die Be-
obachtungen von den Schülern in den Pausen des Unterrichtes oder vor und
nachher selbst ausgeführt werden können. Und dieses einfache Tagebuch wird
dann selbst wieder reichliches Material zur Besprechung im Unterrichte liefern
und Gelegenheit bieten, die Schüler vielleicht zu exakten Beobachtern auszubilden,
Nachdem der vierte Deutsche Seeschiffahrtstag .die Kommissionsbeschlüsse,
betreffend die Änderungen der nautischen Prüfungen, angenommen und ‚befür-
wortend der Reichsregierung zur Verfügung gestellt hat, ist zu erwarten, daß
die Regierung eine gesetzliche. Neuregelung dieser Vorschriften in die Wege
leiten wird. Die vorstehenden Zeilen sind ein weiterer Beweis für die Notwendig-
keit und Dringlichkeit dieser Neuregelung und unterbreiten außerdem positive
Vorschläge für das spezielle Fach der Meteorologie den zuständigen Stellen zur
sachdienlichen Kritik. : Joseph Krauß-Lübeck.
5. Schwerer Sturm in IXquique. Bericht des Kapt. F. Külsen vom
S. »Hans«. Am 22. Juni 1911 um 11% 10m abends wurde im Hafen von Iquique
ein ziemlich starkes Erdbeben verspürt; 5 Minuten später. setzte plötzlich ein
orkanartiger Sturm aus NO bis ONO ein, der in wenigen Sekunden sämtliche
Schiffe von ihren Murings riß und durcheinander trieb. Das Barometer zeigte
28.63” engl., das Thermometer in freier Luft 30,5° C.
Die Luft mit Staub und Sand vermengt, war erstickend heiß und der-
maßen unsichtig, daß das eigene Ankerlicht kaum zu sehen war, »Hans«, der
sich im Treiben quer zur Windrichtung legte, hatte 1800 Tons Ballast im Boden-
raum, holte aber trotzdem durch den ungeheuren Winddruck auf Schiff, Topp
und Takel 171/,° nach Steuerbord über, ein Zeichen der Gewalt des herrschenden
Sturmes, welcher von mir auf Stärke 11 bis 12 geschätzt wurde.
Das Schiff, vor beiden Ankern mit je 90 Faden Kette, geriet in unmittel-
bare Strandungsgefahr, indem es bis auf keine 10 m Entfernung von den um
Iquique lagernden Klippen getrieben war. Durch Segelmanöver und Hilfe des
chilenischen Kriegsschiffes »Esmeralda«, welches unser Schiff beständig durch
Scheinwerfer beleuchtete, so daß ich alle Anordnungen selbst übersehen konnte,
gelang es. mir, das Schiff vor der sicheren. Strandung und Totalverlust zu
bewahren,
Um 2% 15m V flaute es dann plötzlich ab, die Luft wurde ‚klarer und
kühler, das Barometer stieg schnell auf 28.98” engl, der Wind drehte durch
Süd auf SW bei leichter Brise.
Am nächsten Tage regnete es andauernd heftig, . das Schiff ist mit Sand
und Staub bedeckt, selbst in den Laderäumen. liegt fingerdicker roter Staub.