Plassmann, J.: Beobachtung der neutralen Punkte der atmosphärischen Polarisation, 483
Als Muster für die Art der Mitteilung kann vielleicht die nachstehende
kleine Zahlenreihe auf S, 484 und 485 dienen, die unserer eigenen kleinen Ver-
öffentlichung (Münster 1912) entlehnt ist. ‚Die Beobachtungsstelle hat 4 = 7° 38’;
9 — 51° 58' und die Seehöhe 76 m. Überhaupt muß bei Beobachtungen an Land
auch die Höhenlage angegeben werden,
Gehören nun die polariskopischen Beobachtungen des Tageslichtes, obgleich
doch schon seit mehr als hundert Jahren angestellt, immer noch zu den seltener
gemachten meteorologischen Beobachtungen überhaupt, so ist vollends was jetzt
zum Schlusse erwähnt werden soll, noch fast ganz jungfräulicher Boden. Schön
länger hatten die bekannteren Beobachter festgestellt, daß sich das Spiel zwischen
Neutralität und starker Polarisation nicht auf den blauen Himmel beschränkt,
sondern auch auf dem Erdboden fortsetzt. In Fig. 3 denken wir uns den
Fie. 3 Vertikalkreis der tiefstehenden Sonne im Zenit auf-
a geschnitten und dann sowohl seine solare als auch
seine antisolare Hälfte auf die Horizontalebene
niedergestreckt. Gehen wir dann in der Figur von
unten nach oben, d. h. am Himmel vom Zenit über
die Sonne und ihren Fußpunkt in der wagerechten
Ebene zum Beobachter, entsprechend aufwärts über
die Gegensonne zum Zenit, so zeigt sich folgender
Wechsel der Bilder: vom Zenit bis zu jedem der
neutralen Punkte ist das Licht positiv, d. h. im Sonnen-
vertikal polarisiert. In jedem dieser Punkte setzt
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Fig. 4.
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Neutrale Punkte im Gelände,
Neutrale Punkte im Gelände.
die Polarisation um, und unter ihnen ist sie negativ, wie man daran erkennt,
daß ein weißer Streifen die Mitte des Feldes einnimmt. Dieses Streifenbild
setzt sich nun auch ins Terrain fort, jedoch nur bis zu einem gewissen Abstande
vom Beobachter; aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft erhält er wieder positiv
polarisiertes Licht. Die Umkehrpunkte sind die neutralen Punkte im Terrain.
Ihre Lage hängt natürlich von der Art der reflektierenden irdischen Flächen
(Wald, Heide, Dächer) ab. Da ihre Höhe negativ ist, so ließe sie sich mit dem
Apparat wohl nach einigen. Umstellungen beobachten, die aber ziemlich lästig
wären und auch die Justierung verdürben. Wir haben uns in der Weise ge-
holfen, daß wir den Apparat mit der Rechten faßten und ihn etwas vom Auge
entfernt so hielten, daß sich der Nadelkopf auf den Draht projizierte, Das
Polariskop wurde frei mit der Linken gehalten, Das Verfahren ist allerdings
lästig, auch weil die Feststellung des Winkels jetzt besondere Sorgfalt erfordert.
Wie sich nun über großen bestrahlten Wasserflächen, die für die
Beobachtung an Bord zunächst in Betracht kommen, die Sache ändert, hat Jensen
im Jahre 1909 durch Versuche im Nord- und Ostseegebiet ermittelt. In Fig. 4
ist der Durchschnitt der Vertikalebene der Sonne mit der Erdoberfläche als mit
dem Uferrande zusammenfallend zu denken, und ‘die beiden Hälften des Vertikals
sind wieder auf die Erdoberfläche herabgeschlagen. Es zeigt sich dann: erstens
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