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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Plassmann, J.: Beobachtung der neutralen Punkte der atmosphärischen Polarisation. 479 
oder, wie in der Figur, das Polariskop. Es ist auch noch zu erkennen, daß der 
Messingrahmen, je nach dem Bedarf des Beobachters, auf vier verschiedene 
Halter geschoben werden kann, 
Hat man das Lochvisier aufgesetzt, so dient der Quadrant zum Messen 
der Höhen von allerlei Objekten, z. B. Wolken, Nordlichtstrahlen, dem Dämmerungs- 
bogen, irdischen Fixpunkten, auch von Sternen, Da der Halbmesser des Limbus 
dort, wo ihn die Alhidadenmarke berührt, 220 mm ausmacht, ist 1°=3,84 mm. 
Es lassen sich also Zehntelgrade noch ziemlich gut abschätzen; natürlich will 
es gelernt sein, den Quadranten vertikal zu halten, wobei offenbar das etwaige 
Klappern der Alhidade als Fingerzeig dienen kann, dann nach dem Anvisieren 
vorsichtig mit der freien Hand die Alhidade anzudrücken und nun bei schräger 
Haltung den Höhenwinkel abzulesen, ohne daß man ein inzwischen eingetretenes 
Ausrutschen der Alhidade befürchten müßte. Es läßt sich der Fall denken, daß 
der Sextant oder Prismenkreis schwer beschädigt ist und der Pendelquadrant eine 
Zeitlang zur roheren Messung von Höhenwinkeln gebraucht werden muß, 
Hauptsächlich wird man aber ab und zu Gestirnshöhen nehmen müssen, um 
sich zu überzeugen, ob der Quadrant noch richtig zeigt. Hierzu eignen sich 
natürlich besonders Sterne, die auch in heller Dämmerung gut sichtbar sind, 
wie die lichtstarken Planeten und von Fixsternen die roten und gelben der 
ersten Größe. Man nimmt eine solche Eichung am besten an Land vor, wo man 
die Breite und die Zeit genau kennt und die Gestirnshöhe also berechnen kann, 
— Man kann mit dem Quadranten auch negative Höhen nehmen, z. B, vom 
Ballon aus, indem man mit der anderen Hand hält und von der Nadel zum 
Draht hin visiert. Daß der Apparat, von seiner wissenschaftlichen Verwendung 
abgesehen, auch ein gutes Lehrmittel darstellt, hat sich der Leser wohl schon 
gesagt. . Unser Exemplar wiegt 471 Gramm, und es zeigt sich auch bei längerem 
Beobachten keine Ermüdung des Armes. 
Das Polariskop nach Savart bestelıt aus zwei in bestimmter Weise zurecht- 
geschnittenen Bergkristallstücken und einem vor diese Kombination gesetzten 
Turmalin. Es läßt auch die schwächsten Spuren polarisierten Lichtes rasch er- 
kennen, indem sich beim Durchsehen ein System von bunten Parallelstreifen 
zeigt, das Ergebnis einer Anzahl übereinandergelagerter Interferenz - Spektra 
verschiedener Ordnung. Die Kristalle sind in der Fassung so angebracht, daß 
beim richtigen Halten des Quadranten die Streifen vertikal stehen; sie sind also 
parallel zu dem Fusse, womit in der Figur das Polariskop auf .den Quadranten 
gesetzt ist. Man sieht diese Streifen immer, wenn man durch den Apparat 
polarisiertes Licht betrachtet, am einfachsten das von irgendeiner glatten Fläche, 
wie von Glas, poliertem Holz oder Metall zurückgeworfene Licht aus irgend- 
einer Quelle, 
Daß das Sonnenlicht durch die Zurückwerfung in den Teilen der irdischen 
Lufthülle polarisiert wird, hat Arago im Jahre 1809 entdeckt. Richtet man das 
Polariskop auf den tiefblanen Himmel, am besten in einem um 90° von dem 
der Sonne verschiedenen Azimut, so erblickt man das Streifen-Phänomen in 
größter Pracht. Die Intensität zeigt sich aber, wenn man nunmehr nach und 
nach alle Azimute und Höhen absucht, als sehr verschieden, und es ist wieder das 
Verdienst von Arago, zuerst einen neutralen Punkt aufgefunden zu haben, 
d. h. einen Punkt, der uns unpolarisiertes Licht zusendet. In diesem Punkte 
wechselt die Polarisation das Zeichen. Das Streifenbild fällt nämlich je nach der Lage 
der Polarisationsebene verschieden aus, In einem Teile des Himmels hat es einen 
dunkeln, in einem andern Teile einen hellen Mittelstreifen, Das Tageslicht ist 
durch die Reflexionen teilweise polarisiert, d. h. die Ätherteilchen in einem uns 
zukommenden Strahle schwingen. nicht ausschließlich, sondern vorwiegend nach 
einer Ebene. Je mehr wir uns dem neutralen Punkte nähern, desto schwächer 
wird das Streifengebilde, da das Licht jetzt nach den beiden aufeinander senk- 
rechten Hauptebenen nahezu gleich und zuletzt völlig gleich ausgebildet ist. 
Wir verstehen nun das zweite Bild. Der Mittelstreifen ist überhaupt der 
kräftigste: oberhalb des n. P. (neutralen Punktes) ist es ein schwarzer, darunter
	        
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