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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

454 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1912, 
noch für Telegramme zwischen den beiden Zentralstellen 100 / zu rechnen 
sein, so daß die gesamten Telegrammkosten den Betrag von 13000 ./ erreichten. 
Unter Hinzunahme der durchschnittlichen 30 Gewittertage, deren Niederschläge 
durch eine zweckmäßige Erweiterung der Beobachterinstruktion den Zentral- 
stellen des Luftfahrerwarnungsdienstes in genügender Vollständigkeit zur Kenntnis 
gebracht werden könnten, würde es auf diese Weise möglich sein, in Anlehnung 
an den Warnungsdienst für Luftfahrer dem.größten Problem der landwirtschaft- 
lichen Wetterprognose um einen beträchtlichen Schritt näherzukommen. 
Bei der Veranschlagung der Kosten wurden nur die Gebühren für Tele- 
gramme berücksichtigt, und die stillschweigende Voraussetzung gemacht, daß die 
Vorsteher der mitwirkenden Postämter die neue nicht unerhebliche Mehrbelastung 
ohne Gegenleistung auf ihre Schultern nehmen werden, Die Erfahrungen mit 
dem Gewittermeldedienst berechtigen allerdings zu dieser Annahme, insofern, 
als die Beobachtungen und Meldungen mit verschwindenden Ausnahmen in einer 
über jedes Lob erhabenen selbstlosen und diensteifrigen Weise ausgeführt werden; 
allerdings dürfte es gewagt sein, von dem Interesse des Telegraphenbeamten an 
der ihm »kongenialen« Elektrizität auf ein gleiches an den so viel nüchterneren 
Niederschlägen zu schließen! Da man in Anbetracht ihrer sozialen Stellung den 
Vorstehern Kaiserlicher Postämter eine geringfügige Remuneration für ihre 
außerdienstliche Tätigkeit nicht anbieten dürfte, und für eine solche auch 
schwerlich die Zustimmung des Reichspostamtes zu erlangen wäre, müßte man 
vielleicht versuchen, eine Gegenleistung intellektueller Art zu gewähren. Jeden- 
Falls kann bei der Größe des Multiplikationsfaktors 600 eine erhebliche Auf- 
wendung für den Einzelnen nicht wohl in Frage kommen, 
Ebenso würde bei der Vornahme eines Versuches die Voraussetzung er- 
füllt werden müssen, daß bei den Zentralstellen und den Wetterdienststellen 
weder persönliche noch sachliche Kosten erheblicheren Betrages hinzukommen. 
Zum Zwecke eingehenderen Studiums der Regenzonen dürfte es sich 
empfehlen, daß die Wetterdienststellen, wie das bisher schon vielfach geschieht, 
außerdem Postkartennachrichten in größerem Umfange aus ihrem Dienstbezirke 
beziehen, um teils eine Kontrolle über die Vollständigkeit und Zuverlässigkeit 
der telegraphischen Meldungen, teils eine genauere Festlegung der »Isohyeten« 
zu ermöglichen. 
Dr. Aßmann, Lindenberg. 
Windbeobachtungen in den höheren Luftschichten des Atlantischen 
und südlichen Stillen Ozeans 
Pilotballonaufstiegen von Dr. Harry Meyer, 1909 bis 1911. 
Bearbeitet von Dr. P. Perlewitz, 
(Hierzu Tafeln 24 bis 27.) 
nach 
Y. Die Pilotballonaufstiege. 
Die Ergebnisse von 65 früheren Pilotballonaufstiegen, die 1906 bis 1908 
von Kapitänen auf deutschen Handelsdampfern zwischen dem Kanal und dem 
La Plata zur Erforschung der Windverhältnisse in den höheren Schichten der 
Atmosphäre über den Ozeanen im Auftrage der Deutschen Seewarte veranstaltet 
wurden, sind bereits in dieser Zeitschrift bearbeitet.!‘) Während der folgenden 
drei Jahre machte Dr. H. Meyer als Navigationslehrer auf Schulschiffen des 
Norddeutschen Lloyds verschiedene größere Seereisen über den Atlantischen 
und Stillen Ozean, während deren er in dankenswerter Weise auf Wunsch der 
Seewarte Pilotballone aufließ, ihre Azimute und Höhenwinkel mittels geeigneter 
Bordinstrumente ständig beobachtete und daraus die Bahnkurven der Ballone in 
\ W. Köppen, »Ann. d. Hvydr. usw.« 1910, S, 201.
	        
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