452 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1912,
südwestlichen Windes ziemlich weit nördlich, erfolgte. Hohe westliche und süd-
westliche Dünung lief noch bis 176° O-Lg., dann setzte östliche Dünung ein, und
flaue bis mäßige südöstliche bis nordöstliche Winde brachten das Schiff am
6. Januar nach 32° S-Br. und 155° O-Lg. Hier setzte ein NO-Sturm ein, der in
einer schweren Gewitterbö bald nach NW sprang, nach einigen Stunden weiter
bis SW und S holte und zu frischem Winde abnehmend aus dieser Richtung wehte,
Am 8. Januar erreichten wir Sydney.
Trotzdem nach den deutschen Segelanweisungen sowie nach den Angaben
der amerikanischen Pilot charts gesegelt wurde, ist die Reise von 67 Tagen und
15 Stunden im Vergleich zu der vorjährigen, die nur 48 Tage beansprucht hat,
wohl als sehr ungünstig zu bezeichnen.
Bemerken möchte ich noch, daß fast täglich vormittags Venushöhen zu
Breitenbestimmungen genommen wurden und daß nach Pressemeldungen das
Barometer am 21. und 22. Dezember in Suva, während wir 500 Sm weiter süd-
lich einen vollen Orkan hatten, bei unruhigem stürmischem Wetter auf 747 mm
gefallen ist. Der Dampfer »Talune« hat am 23. Dezember auf der Reise von
Aukland nach Sydney außergewöhnlich schweres Wetter bei einem niedrigsten
Luftdruck von 724 mm gehabt.
Zur Vorhersage der Niederschläge.
Der interessante Artikel von Dr. A, Mey über dieses Thema in Heft VII
der »Annalen der Hydrographie usw.« 1912 enthält auf S. 369 einen Vorschlag,
der mir schon seit jener Zeit nahegelegen hat, als ich im Interesse des »War-
nungsdienstes für Luftfahrer« ein ausgebreitetes Netz von Gewittermeldestationen
einrichtete, Ausgehend von der Notwendigkeit, Gewittermeldungen so schnell
zu erhalten, daß sie die betreffenden Gewitterzüge tunlichst weit überholen, vor
denen die Luftfahrer gewarnt werden sollen, übertrug ich die Beobachtungen
und telegraphischen Meldungen an Stelle der im Vorjahre mitwirkenden meteoro-
logischen Stationen an mittlere und kleine Postämter mit Morsebetrieb. Bei
diesen fallen einerseits alle die Schwierigkeiten fort, welche aus der Entfernung
der Beobachtungsstation vom nächsten Telegraphenamte sowie aus der persön-
lichen Belastung der Beobachter gerade bei dem Ausbruche von Gewittern ent-
springen, anderseits verraten die in den Telegraphen- und Fernsprechleitungen
auftretenden kurzen Störungen, die sich durch das »Anziehen des Ankers« am
Morseapparat anzeigen, das Vorhandensein von Gewittern schon auf weite Ent-
fernungen hin, so daß sie die Aufmerksamkeit der Postbeamten schon zu einer
Zeit auf sich ziehen, in der sie auf andere Weise noch nicht wahrgenommen
werden können, Die Beschränkung auf »Morse-Postämter« erklärt sich durch die
Ausschaltung der Fernsprecher bei Gewittern, die auch das »Zusprechen« der
Telegramme nach dem Postamt verhindert, Der Fernsprecher hat aber trotzdem
eine Bedeutung für den Meldedienst, insofern als seine Ausschaltung die Post-
ämter auf Gewitter in der weiteren Umgebung aufmerksam macht. Hierzu tritt
noch der Vorteil, daß bei allen den Postämtern, die auch während der Dienst-
pausen »Dienstbereitschaft« haben, Meldungen erfolgen können, während der
Schalter für das Publikum geschlossen ist; auch während der Nachtzeit ist, da
die meisten Vorsteher kleinerer Postämter in ihrem Dienstgebäude wohnen, bei
gutem Willen derselben die Möglichkeit gegeben, Meldungen zu erstatten. Durch
alle diese Vorteile wird es erreicht, daß in vielen Fällen selbst aus weit ent-
fernten Gegenden Gewitter schon 10 bis 15 Minuten nach ihrem Ausbruch in
Lindenberg gemeldet werden, wozu allerdings die direkte Verbindung des Aero-
nautischen Observatoriums mit dem Berliner Haupttelegraphenamt erheblich
beiträgt. Dank dem weitgehenden Entgegenkommen des Reichspostamtes sowie
der analogen Behörde im Königreich Bayern haben sich 600 Postämter bereit-
finden lassen, den Gewittermeldedienst als freiwillige Leistung zu übernehmen.