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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1912,
Seglerreise von Valparaiso nach Sydney im November und Dezember 1911.
Nach Bericht von Kapitän D, Ballehr, Schulschiff »Herzogin Sophie Charlotte«,
Am 1, November 1911 verließ das Schulschiff »Herzogin Sophie Char-
lotte« die Bucht von Valparaiso, um in Ballast nach Sydney zu segeln.
Frischer Südwind brachte es bald von der Küste frei. Es wurde recht-
weisend N55°W gesteuert, um bald in den Passat zu kommen und der Anweisung
der Deutschen Seewarte entsprechend mit diesem zwischen 19° und 20° S-Br. west-
wärts bis zu den Paumotu-Inseln zu segeln. Der Wind holte drei Tage nach der
Abfahrt auf 28° S-Br. nach SO und hiermit hatte wohl der Passat eingesetzt, denn
das Barometer zeigte auch die entsprechende Kurve, Leider hielt der Passat
nicht lange an; nach vier Tagen stellte sich auf 23'!/,° S-Br. und 85° W-Lg. eine
Störung durch flaue westliche Winde und hohe südwestliche Dünung ein. Das
Barometer war sehr unruhig und etwas gefallen. Wir arbeiteten uns langsam
nördlich, bis der Passat am 10. November auf 21° S-Br. wieder einsetzte, Zwischen
19° und 20° $S-Br. segelten wir nun mit diesem bei mäßiger Brise westwärts nach
108° W-Lg. Hier holte der Wind langsam durch N und NW bis SW, blieb aber
flau und hielt so zwei Tage an. Auf 21° S-Br. und 111° W-Lg. setzte am 22, No-
vember wieder Passat ein und brachte uns bis 118° W-Lg. Hier hatten wir
wieder eine Passatstörung, die jedoch bei steifem, nördlichem Winde mit stür-
mischen Böen ein gutes Etmal von 253 Sm brachte. Der Wind holte dann nach
W und SW, und flaute nach einigen Stunden ab, so daß wir an den folgenden
Tagen nur langsam vorwärts kamen.
Am 30. November V, nachdem in der Nacht vorher der Wind wieder in
einer Bö von O nach NNW gesprungen und dann nach einigen Stunden durch
W und S wieder nach O0 gegangen war, passierten wir die Insel Piteairn in 16 Sm
Abstand. Damit war fast die Hälfte des Weges zurückgelegt. Der SO-Passat,
dessen polare Grenze um diese Jahreszeit weit südlich liegt und von uns so weit
nach Norden hin überschritten worden war, daß wir auf kräftige Brise gerechnet
hatten, war zu flau und so oft unterbrochen, daß wir für die 3700 Sm lange
Strecke 29 Tage gebraucht haben, während im vorigen Jahre der Weg von Callao
bis hierher in 18 Tagen zurückgelegt wurde.
Beim Passieren der Insel Pitcairn kamen trotz der weiten Entfernung zwei
Boote zum Schiff gerudert, Man hatte auf der Insel das Schulschiff schon bei
Tagesanbruch gesichtet und versucht, durch große Feuer unsere Aufmerksamkeit
auf sich zu lenken. Da es flau war, so hielten wir auf die Boote zu und drehten
dann bei, um die Leute an Bord kommen zu lassen. Diese hatten reichlich
Früchte mitgebracht und tauschten sie für Hartbrot, Salzfleisch, altes Zeug usw.
ein. Nach zweistündigem Aufenthalt setzten wir die Reise fort.
Es dürfte sich wohl für Schiffe auf diesem Wege empfehlen, die Insel
anzulaufen, um sich mit billigen Früchten zu versorgen. Die Leute hatten auch
süße Kartoffeln (batatas) und einige Hühner mitgebracht. Nach ihrer Aussage
sei die nähere Umgebung der Insel frei von Untiefen, so daß man ruhig auf
1 bis 2 Sm herangehen könne. Die Insulaner sprechen englisch,
Wenn es das Wetter erlaubt, so kommen sie bei Tage oder bei Nacht mit
ihren Booten zu den vorbeifahrenden Segelschiffen gerudert, da sie hauptsäch-
lich durch diese mit der Welt in Verbindung stehen. Einmal im Jahre kommt
ein englisches Kriegsschiff hin und etwa zweimal ein Küstenschuner. Import
oder Export hat die Insel mit ihren 150 Bewohnern fast gar nicht, aber Trink-
wasser ist von der Insel zu erhalten.
Die Insulaner führen ein Buch, in das sich die Kapitäne eintragen. Dar-
aus habe ich die folgenden Angaben über Reisedauer entnommen, der Monat gibt
die Zeit des Passierens von Pitcairn:
November 1910 28 Tage von Valparaiso
1910 921 x Callao