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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Carrizal Bajo. 
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tiefe vermurt. Der Ankergrund ist hier gut, und die Schiffe liegen geschützt 
gegen südwestliche Winde. Bei nordwestlichen Winden jedoch wird durch Dünung 
das Löschen der Ladung unmöglich, Diese Winde wehen aber selten. 
Ein englischer Kapitän berichtet: »Schiffe von 90 bis 120. m Länge 
können innerhalb (südöstlich) der Arequipa-Bank auf 12,8 bis 14.6 m Wassertiefe 
ankern, von wo aus die Ostkante der Carrizal-Insel rw. 193° (mw. S) peilt. Für 
über 120 m lange Schiffe ist es empfehlenswert, außerhalb (nordöstlich) der 
Bank zu ankern. Der Ankergrund ist in der Bucht überall schlecht; er ist felsig 
und sehr uneben. Schiffe, die längere Zeit im Hafen zu liegen beabsichtigen, 
müssen mit zwei Bug- und einem Heckanker vermuren. Große Vorsicht ist beim 
Ankern in dieser Bucht zu beobachten, namentlich nach steifen Süd- oder Süd- 
weststürmen, wo die heftige See ein Halten der Anker unmöglich macht. Die 
vorherrschenden Südwestwinde wehen in den Sommermonaten am Nachmittag so 
stark, daß Löschen der Ladung unmöglich ist.« 
Kapt. W. Straube schreibt: »Das erste Schiff murt mit dem Kopf nach 
Westen zwischen dem Nordende der Carrizal-Insel und dem Wrack »Harleigh 
Castle«, das östlich von dieser Insel liegt. Vorn werden die beiden Buganker 
mit 110 und 128 m Kettenlänge ausgebracht, der St-B.-Anker gut nach NW. 
Hinten ist ein guter Heckanker mit 137 m Kettenlänge notwendig. Das erste 
Schiff lege diesen Anker südlich klar vom Wrack, Während des Vertäuens 
mache man eine Leine an das Wrack fest, Das zweite und dritte Schiff murt 
nördlich vom ersten, immer in angemessenem Abstand voneinander.,« ; 
Hafenanlagen. Zwei Ladebrücken sind vorhanden, an denen die Leichter 
mittels Schütten mit Erz beladen werden. An jeder Brücke können täglich un- 
gefähr 200 t verschifft werden. Außerdem ist eine 300 m lange Kaianlage vor- 
handen. An dieser löschen die Leichter Kohlen und Koks. Auf den Ladebrücken 
und dem Kai befindet sich ein Dampfkran. Die Hafenanlagen verfallen immer 
mehr, da sie nicht ausgebessert werden. Das Löschen und Laden der Schiffe 
geschieht auf dem Ankerplatze mittels Leichter, von denen 13 in brauchbarem 
Zustande vorhanden sind. Eigenes Schiffsgeschirr wird hierzu benutzt. Man tut 
gut, bei starkem Südwinde eine dünne Leine an der Ladebrücke festzumachen, 
an der sich die Leichter zurückholen können. Das Schleppen der Leichter mit 
dem Boot erfordert mehr Arbeit. Kosten und Risiko für die Ladung in den 
Leichtern trägt der Empfänger oder der Ablader. Das Löschen und Laden wird 
gelegentlich durch Wind und Dünung beeinträchtigt; an den Jandesüblichen 
Feiertagen kann man arbeiten, wenn man es wünscht. Segelschiffskapitäne müssen 
beim Löschen insofern vorsichtig sein, als der Empfänger, wenn er Dampfer zu 
entlöschen hat, zuweilen mit Hilfe des Hafenkapitäns aus brauchbaren Tagen 
unbrauchbare macht und dann verlangt, daß die Segler an anderen Tagen das 
Doppelte löschen, ohne daß der Empfänger sich an den dadurch entstandenen 
Unkosten beteiligt. Schiffsboote landen an einer der Landungsanlagen. 
Hafenordnung ist die allgemein in chilenischen Häfen gebräuchliche Ein 
gedrucktes Exemplar derselben. wird den Schiffen an Bord gebracht, 
Dockanlagen sind nicht vorhanden, Kleinere Reparaturen können von 
der Werkstätte der Eisenbahn gemacht werden, sie sind aber teuer und kosten 
etwa 5mal so viel als in Hamburg. . 
Hafenunkosten. Leuchtfeuerabgaben betragen 60 c Gold für Dampfer, 
40 c Gold für Segler per R-T. Hospitalabgaben belaufen sich auf 10 c Gold 
per R-T. Diese beiden Abgaben brauchen nur einmal im Jahr bezahlt werden. 
Ankergebühren werden 5 c per R-T. erhoben. Ausklarieren beim Zollamt 
und Abfertigung kostet 150 $, Für außergewöhnlich schnelle Beförderung des 
Schiffes werden 20 £ verlangt. Doktorkosten werden vereinbart. 
Die Stadt Carrizal befindet sich im Verfall. Die Einwohnerzahl beträgt 
nur noch etwa 440 Köpfe. Die Schmelzwerke sind eingegangen. Man sagt, daß 
wertvolle Minen in der Umgebung vorhanden seien, aber die hohe Eisenbahn- 
{racht und der hohe Arbeitslohn sowie der Wassermangel deren Ausbeutung zur 
Zeit unrentabel machen. Man hofft aber, daß sich Kapitalisten und Fachkenner 
noch einmal der Sache annehmen. werden.
	        
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