Capelle: Die radiotelegraphischen Zeitsignale der Funkenstation Norddeich. 427
ordnung in Gruppen und durch‘ ihre reinere Klangfarbe überlegen. Das Ab-
hören des Pariser Zeitsignals wurde im Observatorium häufiger durch atmo-
sphärische Störungen oder durch andere Funksprüche sehr erschwert‘ oder gar
unmöglich gemacht. Es ist daher mehrfach nicht gelungen, auch nur einen
Punkt einwandfrei zu hören, während beim Norddeicher Signal nur ausnahms-
weise die eine oder die andere Gruppe verloren ging.
Auf Grund dieser praktischen Erfahrungen kann die Benutzung der draht-
losen Zeitsignale allen mit funkentelegraphischen Einrichtungen versehenen
Schiffen nur warm empfohlen werden; sie lassen eine mühelose, ständige Kontrolle
der an Bord vorhandenen Chronometer zu. Jeder Beobachter, der sich an die
Art ihrer Abgabe gewöhnt hat, wird sie nur schwer wieder vermissen wollen,
da sie einen unschätzbaren Vorteil den früheren Verhältnissen gegenüber dar-
stellen und überall da zu ihrer Ausnutzung greifen, wo sie nur immer zu er-
reichen sind,
Auch in dieser Beziehung hat uns die jüngste Zeit bedeutende Fortschritte
gebracht, wie aus der beigefügten Tafel 22 leicht zu ersehen ist. In ihr ist die
Reichweite der Norddeicher Station während des Tages und während der Nacht
eingetragen worden, Sie umfaßt unter normalen Verhältnissen 1800 km bei
Tage und 4 bis 5000 km bei Nacht. Demnach ist man imstande bei richtiger
Ausnutzung der Signale auf weite Strecken hin von ihnen Gebrauch zu machen
und auf diese Weise lange Zeit hindurch mit der Heimat in steter Verbindung
zu bleiben.
Punkt- Nomogramme zur astronomischen Ortsbestimmung im Ballon.
Von Dr. A, Leick, Berlin.
(Hierzu Tafel 23.)
Seit dem Erscheinen des grundlegenden Werkes »Traite@ de Nomo-
graphie« von Maurice d’Ocagne!) sind nomographische Darstellungen zum
Ersatz von Tabellen oder zur Lösung von Gleichungen auf den verschiedensten
Gebieten häufig mit Vorteil verwendet worden. Im IV. Hefte dieses Jahrganges
der »Ann. d. Hydr. usw.« hat Dr. Brehmer®) gezeigt, wie man die im »Nautischen
Jahrbuch« enthaltenen Tabellen zur Bestimmung des Azimuts und der Breite aus
Höhenmessungen des Polarsterns durch »Punktnomogramme« ersetzen kann. An
einer früheren Stelle dieser Zeitschrift?) habe ich ein »Verfahren zur astrono-
mischen Ortsbestimmung im Ballon bei Nacht« beschrieben, das sich auf eine
nomographische Lösung des Cosinussatzes
sinh == sin g sin d -}- cos g cos ö cos t
gründete. Die damals mitgeteilte Tafel enthielt ein sogenanntes »Liniennomo-
gramm mit Kurvenkreuzung«. Da die Anwendung der nomographischen Methoden
gerade für die Zwecke der Aeronautik recht vielversprechend erscheint, so
möchte ich im folgenden etwas näher auf die mathematischen Grundlagen solcher
Darstellungen eingehen, Freilich sind diese ja von d’Ocagne in dem angeführten
Werke in breiter Ausführlichkeit und in mustergültiger Weise gegeben worden,
Hier handelt es sich nur um die Anwendung der dort entwickelten Methoden
auf das besondere Problem der astronomischen Ortsbestimmung aus Sternhöhen.
Doch erscheint mir ein Eingehen auf die Grundlagen notwendig, wenn dem Leser
nicht nur die Anwendung, sondern auch die Entstehung der Tafeln verständlich
werden soll. ;
Den Ausgangspunkt unserer Betrachtungen bildet die Gleichung
sinh = sin g sin d + cos g cos ö cos (4 — a).
1) Gauthier-Villars, Paris 1899.
?) Dr. phil. Brehmer: Graphische Rechentafeln zur Bestimmung von Azimut und Breite mit
Hilfe des Polarsterns. »Ann, d, Hydr, usw.« 1912, S. 192.
3) »Ann. d. Hydr. usw.« 1911, S. 321.