Capelle: Die radiotelegraphischen Zeitsignale der Funkenstation Norddeich, 425
für jede Minute, während welcher sie mit dem Gangpendel in Verbindung ge-
bracht werden, den Stand der Uhr um eine Sekunde verändern; ohne alle
Schwierigkeiten auf Zehntel Sekunden genau. Denn jeder Zehntel Sekunde
Standänderung entspricht die Herstellung der Verbindung für sechs Sekunden
d. h. für einen Zeitraum, der mit vollkommen ausreichender Schärfe innegehalten
werden kann.
Weiter ist diese Uhr mit Kontakten versehen, die genau um 11% 0m 0s
M.E.Z. V. und 11:0m0s M.E.Z. N. in Tätigkeit treten und automatisch eine in
Norddeich aufgestellte Pendeluhr, welche Einrichtungen zur Sselbsttätigen Ab-
gabe der drahtlosen Zeitsignale besitzt, mit der Wilhelmshavener in Überein-
stimmung bringt. .
Für diese Übermittlung, welche auf elektrischem Wege erfolgt, wird die
zwischen Wilhelmshaven und Norddeich vorhandene Öffentliche Telegraphen-
leitung benutzt. Um nun sicher zu gehen, daß im Augenblicke der Zeitüber-
mittlung keine Störung durch Aufgabe‘ von Telegrammen usw, eintritt, ist
folgende Einrichtung getroffen,
Auf dem Kaiserlichen Postamte in Wilhelmshaven ist eine zweite Uhr auf-
gestellt worden, bei der in der Zeit von 10h 55m bis 115m M.E.Z. V. und von 10h 55m
bis 11h 5m M, E. Z. N. automatisch ein Kontakt betätigt wird, dessen Wirkung dahin
geht, daß die Leitung nach dem für den Öffentlichen Telegraphenverkehr nach
Norddeich bestimmten Apparatentisch im Telegraphensaal unterbrochen und
dafür die Verbindung zwischen dem Observatorium, dem Postamt in Wilhelms-
haven und der Großstation in Norddeich hergestellt wird.
Die verhältnismäßig große Spanne Zeit von zehn Minuten vom Beginn
der Unterbrechung bis zur Freigabe der öffentlichen Telegraphenleitung ist ge-
wählt worden, um zu vermeiden, daß im Postamte eine Präzisionsuhr aufgestellt
werden mußte, deren Unterbringung auf Schwierigkeiten stieß, Dahingegen ent-
spricht die im Observatorium aufgestellte Uhr den Anforderungen, die gegen-
wärtig an erstklassige Präzisionsuhren gestellt werden, namentlich in bezug auf
das Innehalten geringer Gangänderungen, Diese Bedingung mußte um deswillen
erfüllt werden, weil zwischen der Zeit, zu der die Kontrolle der Uhr vorge-
nommen wird, dem Augenblicke, in dem das Kontrollsignal nach Norddeich ge-
geben wird, und dem Augenblicke der Abgabe der drahtlosen Zeitsignale Stunden
liegen, die ohne Einfluß auf den Stand der Uhr bleiben müssen,
Von dieser Uhr werden somit große Leistungen gefordert, auf deren
Innehaltung nur dann gerechnet werden kann, wenn ihre Behandlung eine
durchaus zweckentspechende ist und alle Eingriffe in die Uhr auf das geringste
Maß beschränkt werden,
Deshalb war es auch nicht zulässig, den elektrischen Strom in der Stärke,
wie er für die Übermittlung des Zeitsignals von Wilhelmshaven nach Norddeich be-
nötigt wird, durch die Uhr hindurchgehen zu lassen, Es war vielmehr notwendig,
vor der Uhr ein Relais einzuschalten, dem die Aufgabe einer entsprechenden
Abschwächung zufällt. Ebenso mußte es vermieden werden, bei der täglichen
Prüfung der Leitungen zwischen Observatorium, Postamt Wilhelmshaven und
Norddeich auf Brauchbarkeit und Zuverlässigkeit die Uhr jedesmal in Mitleiden-
schaft zu ziehen. Hier ist eine Einrichtung geschaffen, die das Ausschalten der
Uhr während dieser Prüfung zuläßt. Um jedoch von Störungen, die innerhalb
der Uhr auftreten können, rechtzeitig in Kenntnis gesetzt zu werden, ist das
Relais mit einem optischen Signal ausgerüstet worden, welches jedesmal dann in
Tätigkeit tritt, wenn um 11®M.E.Z. V. und um 11"M.E.Z. N. das Zeitsignal
erfolgt. ;
Die für die Bedienung der Einrichtung erforderlichen täglichen Arbeiten
spielen sich hiernach in folgender Weise ab:
Um 9h V, Ausschalten der Uhr im Observatorium. Prüfen der Norddeicher
Leitung auf Brauchbarkeit.
10h V, Vergleich der Wilhelmshavener Signaluhr mit der astronomischen
Präzisionsuhr des Institutes. Gegebenenfalls Verbesserung des Standes der
Signaluhr.