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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Capelle: Die radiotelegraphischen Zeitsignale der Funkenstation Norddeich, 4921 
die bisher bei der Kontrolle der Chronometer an Bord, deren Angaben für die 
Ortsbestimmungen auf See unerläßlich sind, vorhanden war. Diese besteht darin, 
das es vor Einführung der drahtlosen Telegraphie nicht möglich war, an Bord 
eines Schiffes mit geringer Mühe Zeitbestimmungen auszuführen, deren Ge- 
nauigkeit den Anforderungen entspricht, welche die Chronometerkontrolle ver- 
Jangt., Daß dies ein fühlbarer Mangel war, werden alle die empfunden haben, 
denen die Führung eines Schiffes anvertraut ist und die bei der Lösung der 
ihnen gestellten Aufgaben die praktische Erfahrung haben machen müssen, daß trotz 
aller Sorgfalt die Chronometer an Bord Abweichungen aufweisen, deren Größe 
mit der Zeit zunimmt und. deren Betrag erst dann zu unserer Kenntnis gelangt, 
wenn das Schiff einen Hafen bereits erreicht hat, in dem die Möglichkeit zur 
Ausführung einer neuen Standbestimmung vorhanden ist. In diesem Augenblicke 
ist aber die Gefahr, die einer Schiffsführung aus einer vorhandenen größeren 
Abweichung der Chronometer, deren Betrag sich unserer Kenntnis entzieht, 
erwächst, überstanden und die nachträgliche, genaue Feststellung der Abweichung 
besitzt nur den bedingten Wert, daß sie mehr oder weniger zutreffende Schlüsse 
auf das weitere Verhalten der Chronometer zuläßt. 
Wesentlich günstiger liegen dagegen die Verhältnisse, wenn uns eine Ein- 
richtung zur Verfügung steht, die uns täglich gestattet, die Abweichung unserer 
Chronometer von der für die Ortsbestimmungen auf See maßgebenden mittleren 
Greenwicher Zeit einwandfrei festzustellen. 
So trägt denn auch in diesem Falle wie in so vielen anderen die draht- 
Jose Telegraphie dazu bei, die Sicherheit der Schiffsführung nicht unwesentlich 
zu erhöhen und die Möglichkeit, mit ihrer. Hilfe auf weite Entfernungen den 
Schiffen regelmäßige Zeitsignale zugänglich zu machen, weist mit zwingender 
Notwendigkeit darauf hin, einmal die Zahl der Landstationen, deren Einrichtung 
die Abgabe derartiger Zeitsignale zuläßt, so zu erhöhen, daß sie die ganze Erde 
umspannen, und anderseits darauf hinzuwirken, daß die Zahl der Seeschiffe, die 
keine Einrichtungen für drahtlose Telegraphie an Bord haben, immer geringer wird. 
Als man der Verwirklichung des Gedankens, die drahtlose Telegraphie 
für die Übermittlung von Zeitsignalen auf See auszunutzen, näher trat, handelte 
es sich zunächst um die Beantwortung der Frage, ob die maschinellen Einrich- 
tungen der Funkenstation Norddeich so zuverlässig arbeiteten, daß man mit 
einer Abgabe der Signale auf Zehntel Sekunden genau rechnen konnte und ob 
weiter durch die Übermittlung der Signale nach entfernten Orten kein Zeit- 
verlust verursacht wurde, Zu diesem Zwecke wurden umfangreiche Versuche 
angestellt, die so angeordnet waren, daß unter Benutzung eines Chronometers, 
dessen Stand genau bekannt war, zu vorher verabredeten Zeiten in Norddeich 
Zeitsignale abgegeben wurden, die von einer Reihe von Beobachtern mit Hilfe 
weiterer Chronometer in Wilhelmshaven zur Aufnahme gelangten. Das Ergebnis 
dieser Versuche war ein positives, d. h. es stellte sich sehr bald heraus, daß die 
maschinellen Einrichtungen in Norddeich die erforderliche Exaktheit hatten und 
daß die Fortpflanzung der Signale ohne meßbaren Zeitverlust vor sich ging. 
An diese erste Frage reihte sich die zweite, welche darin bestand, zu er- 
mitteln, welche Zusammensetzung am zweckmäßigsten für die Zeitsignale zu 
wählen sei, um ihre Aufnahme für die Beobachter an Bord nach Möglichkeit zu 
erleichtern, 
Zwei Gesichtspunkte waren es, die hierbei Berücksichtigung finden mußten, 
Einmal mußten die Zeitsignale, wenn sie nicht für einen großen Teil der 
Schiffe dadurch verloren gehen sollten, daß sie durch gleichzeitig abgegebene 
zufällige. Funksprüche zwischen zwei Schiffen oder einer Bord- und einer Land- 
station übertönt wurden, mit der zulässigen größten Wellenlänge von 2000 m 
abgegeben werden und zum anderen mußten sie so ausgewählt sein, daß sie ohne 
Schwierigkeit von dem an Bord vorhandenen funkentelegraphischen Personal als 
Zeitsignal erkannt wurden und wenn ein oder mehrere Zeichen später für den 
nautischen Beobachter verloren gingen, immerhin noch die Sicherheit einer zu- 
verlässigen Zeitbestimmung vorhanden war. Daraus ergab sich die Einteilung
	        
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