Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1912,
Kimmtiefenbeobachtungen.
Von Dr. Harry Meyer.
Die im folgenden mitgeteilte Beobachtungsreihe habe ich an Bord des
Schulschiffes »Herzogin Cecilie« auf einer Reise von Leith nach Honolulu an-
gestellt. Sie bildet eine Fortsetzung der in den »Ann. d. Hydr, usw.« 1906,
S. 438 bis 448 veröffentlichten Messungen,
Berechnet man die Hebung der Kimm nach der Gleichung a-4t+ b, wo
At der Unterschied zwischen der Luft- und Wassertemperatur, die Lufttemperatur
in Augeshöhe gemessen, ist, so lieferte die Ausgleichung der Fehlergleichungen
folgende Werte:
Augeshöhe a
6.14 20,20
6.25 18.15
9.00 17.647
Legt man wie Koß der Rechnung 4t, (Lufttemperatur in H = 1 m) zu-
grunde, so würde a im Mittel gleich 20” werden, also um mehr als 1” kleiner
sein als das von Koß angegebene Resultat.
Dieses war für mich ein Grund mit, die Beobachtungen fortzusetzen. Eine
weitere Veranlassung dazu lag in der Untersuchung eines mir von der Firma
Zeiss in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellten Kimmtiefenmessers, Es
war ein Apparat vom Modell A mit einer Keilskala als Ablesungsvorrichtung.
Das Instrument hat sich in den drei Jahren, in welchen ich es an Bord hatte,
tadellos bewährt. Die zuerst gehegte Befürchtung, daß der Silberbelag der
Spiegel mit der Zeit gelb werden würde, hat sich nicht bestätigt. Ich möchte
diesem Modell gegenüber dem mit der Mikrometervorrichtung den Vorzug geben;
es ist immer schwer, zwei Bilder von der gleichen geradlinigen Gestalt mit der
bei diesen Beobachtungen erforderlichen Genauigkeit zur Deckung zu bringen.
Man müßte sie schon um ein gleich großes Stück nach beiden Seiten hin ver-
schrauben und aus beiden Ablesungen das Mittel nehmen.
Die Messungen der Kimmtiefe wurden in drei verschiedenen Augeshöhen
angestellt: auf der Brücke des Regelkompasses (H == 9.0 m), auf Achterdeck
{H = 6.5 m) und auf Vordeck (H = 4.0 m). Die Temperatur der Luft wurde
mit einem Schleuderthermometer in H=— 6.5m bestimmt. Ich habe auch die
Irüheren Versuche fortgesetzt, die Lufttemperatur in einer Augeshöhe von
H= 1m zu ermitteln, ohne aber brauchbare Resultate erhalten zu haben. Ein
Schwingen des Thermometers dicht über dem Wasser ist ausgeschlossen, der
Beobachter hat auf den Seegang und auf die Bewegungen des Schiffes zu achten,
damit das Thermometer nicht an der Bordwand zerschlägt.
Das Azimut der Beobachtungsrichtung wurde von Nord aus rechts herum
von 0 bis 32»tr. gezählt, ebenso das Azimut der Sonne, Auf Vor- und Achterdeck
war die Richtung der Messung meist querschiffs; auf der Brücke des Regel-
kompasses wurde das Azimut durch die Stellung des Untersegels bedingt.
Jede Beobachtung besteht aus zwei Ablesungen; zwischen beiden wurde
das Instrument um die Fernrohrachse als Drehungsachse um 180° herumgedreht,
um eine Kontrolle für die richtige Stellung der Spiegel zu haben, Auch wurden
die Angaben des Kimmtiefenmessers wiederholt mit denen eines Vollkreises ver-
glichen. Großer Wert mußte auf die gleiche Helligkeit der beiden Bilder gelegt
werden; leider ließ sich diese Forderung bei Beobachtungen im Azimut der
Sonne nicht immer vollständig erreichen. Der Grad und die Form der Be-
wölkung sind in der üblichen Form notiert worden, dabei ist die vorherrschende
Form zuerst gegeben. In der mit »Güte« bezeichneten Kolumne bedeutet 1: klare
Bilder, 3: gerade noch einstellbar.
Für die Berechnung der Werte a und b habe ich einmal die Beobachtungen
ausgeschlossen, welche im Azimut der Sonne bei nicht bedecktem Himmel gemacht
wurden, sowie diejenigen, bei denen die Windstärke geringer als 2 war. Es sind
dieses die 60 Messungen des zweiten Teiles der folgenden Zusammenstellung.