Poppen, H.: Die Sandbänke an der Küste der Deutschen Bucht der Nordsee, 419
Erscheinen der gleichsam durch Zauberhand geschaffenen grünen Insel das
größte Erstaunen hervorrief, so noch mehr die am Westrand der Insel durch
starken Sandflug auftauchende Düne, deren größte Höhe am 16. August 1894
4,90 m betrug (jetzt 5.6 m über gewöhnlichem Hochwasser).‘) Die Stürme von
1894 und 1895 haben dann die höchste Höhe von 4.90 m auf 4.72 m über
Cuxhavener ordinärer Flut herabgedrückt. Die durch Anpflanzung von Sand-
hafer, Strandweizen und Sandriedgras begünstigte gewaltige Höhenzunahme
von 1.43 m auf 4.90 m, also um 3.47 m, in der kurzen Zeit von acht Jahren
(1886 bis 1894) läßt einen Schluß zu auf die Menge des an den Strand ge-
spülten Sandes. Haben doch die Stürme vom 238. und 29. Dezember 1894 und
am 24. März 1895 neben gleichzeitiger Veränderung des Wattsockels so gewaltige
Sandmassen zugeführt, das der darauf einsetzende Sandflug die in Kultur be-
findlichen Weideländereien überschüttete, so daß der Pächter beim Fiskus um
vorzeitige Entlassung aus dem Pachtverhältnis bat?). — Vor dem Trischen hat
sich ein gewaltiger Sandbankkomplex, der Busch-Sand, aufgetürmt,.
So wie hier, so steht die ganze Küstenstrecke unter dem Zeichen
starker Versandung. So meint Traeger®) beispielsweise, daß die Halbinsel
Eiderstedt nahe am Ende ihrer Ausdehnungsmöglichkeit nach Westen zu an-
gelangt sei, wogegen die südlicheren Marschen ihre Grenzen noch bis zu der
Linie Eiderstedt (= St. Peter) —Blauort— Trischen vorzuschieben vermöchten,
wenn ihnen der Mensch behilflich sei, einer Grenzlinie, deren Überschreitung
nach Westen auf Jahrhunderte hinaus nicht ratsam erscheine, da jenseits der-
selben die durch schwere Stürme emporgewirbelten Sandmassen für mehr als
absehbare Zeit die Herrschaft behaupten würden. Denn während der leichtere
Detritus vielleicht in ruhigerer Bucht auf höher gelegenem Wattgebiet mit
menschlicher Hilfe zur Seßhaftigkeit gezwungen wird, türmt die See den
schwereren Detritus, deli Sand, zu Außensänden, zu Sandbänken auf, und zwar
manchmal zu solcher Höhe, daß der Wind die obere Lage auf den Tanz bringt
und sie nach Osten hin auf fruchtbare Wattgebiete niederschlägt, weshalb diese
zur Eindeichung wenig begehrenswert erscheinen, ja, ansehnliche Flächen seien,
wie Traeger*) schreibt, schon jetzt für immer künftiger Ackerwirtschaft
entzogen. — —
Das Endergebnis unserer Untersuchungen ist also folgendes:
An der Südküste vollzieht sich die Sandbankwanderung in östlicher Richtung
durch die Elbe hindurch, an der Ostküste nach Süden. Die Umgegend der Norder
und Süder Piep ist die Grenzzone beider Sanddrifte. Jedoch machen alle jene
Sände und Inseln, so gewaltigen Umfang sie auch annehmen mögen, dennoch nur
einen verschwindend geringen Bruchteil all der Massen aus, die hier im Laufe von
Jahrtausenden von zwei entgegengesetzten Seiten zusammengefrachtet worden sind.
Wo ist der Rest geblieben? Die Seekarten zeigen zwischen Helgoland und diesen
Küstengebieten weder eine allgemeine Erhöhung des Meeresgrundes noch größere
Sandbankkomplexe. Es kann da nur die eine Erklärung geben, daß der Überschuß
von der Ebbeströmung ins Meer zurückgeführt wird, Ob die Flut die Massen wieder
zurücktransportiert, zu welcher Küste, ob auf direktem Wege oder auf Um-
wegen, ob die an der N- und NW-Küste Jütlands sich zeigenden Dünenbildungen
hiermit in kausaler Beziehung stehen, darüber liegen meines Wissens noch keinerlei
Untersuchungsergebnisse vor, die eine Diagnose nach irgendeiner Richtung hin
zulassen ®), — —
1 Segelhandbuch 1906.
2) Gustav Frenssen schildert in »den drei Getreuen« eine Insel Flakkeholm, wobei ihm
Trischen vorgeschwebt haben soll; er verlebte hier nämlich einige Wochen bei seinem Bruder Theodor,
der Pächter der Insel war. (Petermanns Mitteilungen 1905, S. 73.) Ü
3) E. D. Traeger, Die Rettung der Halligen, 1900, S. 39.
4) E. D. Traeger, Die Halligen der Nordsee. In »Forschungen der dtsch. Landes- und
Volkskunde« von A. Kirchhoff, Bd. 6, 1892, S. 304.
5} Vel. O0. Krümmel, Die Deutschen Meere. Veröfftl. d. Inst. f. Meeresk., Heft 6. 1904.