accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

414 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1912. 
selbe, um bildlich zu reden, kaum Neigung verspüren, zu weit nach Norden hin 
auszuholen, um den Weg ins Tief zu gewinnen, sondern vielmehr darauf bedacht 
sein, sich möglichst südlich eine neue Gasse zu bahnen. Deshalb möchte ich 
das Gat der sprunghaften Verlegung zum mindesten für verdächtig 
erklären, Der Sprung dürfte sich wahrscheinlich schon in den nächsten Jahren 
vollziehen, wovon jedoch nur der äußere Teil berührt wird, da der Hauptkörper 
eine gewisse Standhaftigkeit verrät, wenngleich auch auf demselben sich ab und 
zu Kolke bilden. Fraglich ist dabei jedoch, wo der abgekeilte Teil bleibt, ob er 
vom Ebbestrom entweder ins Meer zurückgespült wird, um zum Bau der seewärts 
sich hinziehenden Sandbänke Verwendung zu finden, oder ob er auf Umwegen 
am Sylter Weststrand nach Süden hin verfrachtet wird, um dann unter der 
Einwirkung des Flutstromes denselben Weg wieder zu durchmessen. 
2. Die Achse des Vortrapp Tiefs ist am weitesten nach Süden gerichtet 
(SzW). Das Tief wird im Westen durch einen Gürtel von Sandbänken eingeengt, 
während es im Osten von Amrum flankiert wird. Wegen der Kompliziertheit 
der Strömungsverhältnisse dürfte es angebracht erscheinen, sich dieselben vorerst 
zu vergegenwärtigen. Der Eintritt sowohl des Flutstromes, der westlich der 
Südhälfte von Sylt nach Süden und um die Südspitze nach Osten geht, als 
auch der Austritt des Ebbestromes wird durch die Sandbankreihe, die von 
Hörnum nach Süden hin sich erstreckt, sehr erschwert. Zwischen den Bänken 
suchen sie sich mühsam eine Gasse hindurch zu bahnen, was ihnen nur an zwei 
Stellen einigermaßen gelingt: in dem Hörnum und dem mächtigeren Jung- 
namen Loch, dem sich eine ungewöhnlich weit nach Westen hin ausgewellte 
Barre vorlagert, deren Bau in erster Linie dem Ebbestrom zuzuschreiben sein 
wird, Infolge der Streichrichtung nach Osten bzw. nach Westen kommen die 
Gezeitenströme der Sanddrift in die Quere, wodurch ein Teil der Massen sich 
niederschlägt und zur Vergrößerung der Bänke beiträgt, was noch dadurch 
begünstigt wird, daß der Flutstrom nach Eintritt ins Vortrapp Tief eine nörd- 
liche Richtung einzuschlagen gezwungen ist und daß das Ebbewasser, seiner 
Neigung entsprechend, rechtsseitig durch die engen Gaten zwischen den Bänken 
zu entweichen sucht. Das Hauptstaugebiet befindet sich naturgemäß in der 
Mündung des Vortrapp Tiefs, wovon die Mächtigkeit der Barre zeugen dürfte, 
Aus dem Vergleich der Karten 1880 und 1901 geht nun hervor, daß die 
Mündung des Tiefs weit nach Westen hin herumgesprungen ist; 1880 
liegt sie noch östlich von 9° 15’, 1901 eine beträchtliche Entfernung westlich, 
wozu der Ansatz schon 1880 vorhanden ist, von wo ab dann nach und nach 
ein Bankkomplex nach Osten hin abgekeilt wird, der das 1880er Fahrwasser 
stark verunreinigt. 1910 finden wir deshalb vor dem neuen Mündungsmund 
eine besondere Anseglungstonne mit der Bezeichnung: Neu-Vortrapptief, Doch 
macht sich schon 1910 wiederum eine Verengung des neuen Tiefs bemerkbar, 
Von Nordwesten her scheint sich am äußersten Rande ein Bankplateau nach 
Südosten in den Mündungsmund hineinzuschieben, wodurch es denselben bereits 
eine Strecke nach Osten verdrängt, so daß die Anseglungstonne bald etwas nach 
Osten verlegt werden muß (vgl. 1901 und 1910). Auch scheint ein neuer Kanal 
in Vorbereitung zu sein, der in wenigen Jahren zur Hauptmündung avancieren 
dürfte. Es scheint sich hier also ein recht schneller Wechsel zu, voll- 
ziehen. 
3. Rüter Gatt, Schmal Tief und Altes Schmal Tief. Ersteres wird durch 
Seesand und die sich westlich anschließenden Sände vom Schmal Tief, dieses 
durch die Tusch Gründe vom Alten Schmal Tief getrennt. Das Schmal Tief ist 
das bedeutendere Gatt und meistens barrenfrei; jedoch ist seit 1891 auch das 
Alte Schmal Tief betonnt. Das Rüter Gatt ist unbetonnt. 
Das Rüter Gatt legt den äußersten Teil des Mündungsmundes 
von 1880 ab (mit Ausnahme von 1891) beständig nach Süden, im allgemeinen 
auch die sein Ende schützend umlagernde Barre. 
Der 1880 von Norden her vor das Schmal Tief sich erstreckende Bank- 
zipfel ist 1891 abgeschnitten und allem Anscheine nach an die westlich an die 
Tusch Gründe sich anlehnenden Bankmassen südlich vom Sehmal Tief angelandet,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.