Poppen, H.: Die Sandbänke an der Küste der Deutschen Bucht der Nordsee. 411
Steiler Abfall
im S, flacher
Abfall im N
Süder Aue
Lister Tief
Flacher Abfall
m S, steiler
Abfall im N
Rüter .Gatt
Rummel Loch
Steiler Abfall
im S und N
Norder Aue
Land Tief
Vortrapp Tief
Jungnamen- Loch
Hörnum Tief
Hoyer Tief
Lister Ley
Wester Ley
Pander Tief
Römer Tief
Juvrer Tief
Flacher Abfall
im S und N
Hörn um Loch
Eidum Tief
Rantum Lohe
Bemerkungen
N sehr steil, ; stellenweise
auch $ steil.
' Vielfach an beiden Seiten
flach. Oberlauf verwildert.
Unterlauf sehr stark ver-
wildert.. S steiler,
Meist an beiden Seiten. S
\ stärker.
Etwas stärker im N.
Unbedeutendes Gatt.
Stellenweise steil.
Unbedeutendes Gatt,
Unbedeutendes Gatt.
Oberlauf beide Seiten steil.
N steiler,
‚O steiler,
N steiler,
( S im allgemeinen steiler als
\ im N.
Außerdem zeigen die Karten, daß sie dem Flutstrom nicht nur nicht hingeneigt,
sondern geradezu abgeneigt sind. Auf diesen letzten Punkt macht Krümmel‘)
aufmerksam, indem er schreibt: »Die Gaten südlich Sylt öffnen sich fast alle
in einer Richtung konvergierend auf Helgoland zu (Dtsch. Adm-Krt. 70 und 61),
wofür eine Erklärung zu geben ich vorerst außerstande bin.« Diese beiden Ab-
normitäten sind in der Tat auffällig, Ferner ebenfalls, daß die südlichen Gaten
nördlich der Elbe im allgemeinen barrenfrei sind, so daß die trennenden Bänke
gleich freihängenden Fransen sich ins Meer hinein erstrecken, während die andern
unter sehr starker Barrenbildung leiden.
Was kann die Ursache dieser Abnormitäten sein? Wenn wir die an der
Südküste zwischen den ostfriesischen Inseln sich durchzwängenden Gaten darauf-
hin betrachten, so sind auch bei ihnen dieselben Merkmale, wenn auch wegen
der örtlichen Beschränktheit nur in schwächerem Maße, hie und da nicht zu ver-
kennen, Die sowohl an der Ost- als auch an der Südküste anzutreffenden beider-
seitigen Steilabfälle dürften in den Engen, die ihnen zwischen den
Inseln gelassen.werden, und in der großen Wassermasse, die mit großer
Gewalt aus- und einflutet, eine Erklärung, finden; denn je enger das
Bett und je größer die Wassermenge, desto größer die Erosionskraft,
(Siehe S. 293ff.) — Aber woher das regelwidrige Abbiegen der äußersten Öffnung
von der Richtung des Flutstromes ab? Auffälligerweise findet man nun an der
Südküste namentlich westlich vom Mündungsmund der Gaten oft zu Watthöhe
aufgeschichtete bedeutende Bankkomplexe (cf. Admiralitäts-Karte 64), eine Er-
scheinung, die, was die Gezeitenströme anbetrifft, wiederum von der Regel‘ ab-
weicht, nach der die Hauptablagerungsplätze im Osten von den Wasserrinnen
sich befinden müssen. Meines Erachtens läßt sich die Erscheinung. so erklären:
die Sandanhäufungen können nur durch den sedimentreichen Küsten- und Ge-
zeitenstrom herangefrachtet und infolge Zusammentreffens der verschiedenen
Strömungen niedergeschlagen worden sein. Das mögen folgende Skizzen (Fig. 6)
veranschaulichen. Sie zeigen, daß beim Einsetzen des Flutstromes in die Gaten
(Skizze 6a) infolge Begegnung mit dem Ebbe- und Windstrom®), ferner zur Ebbe-
zeit infolge Kreuzung des Ebbe- und Windstromes (Skizze 6b) ein sediment-
) Petermanns Mitteilungen 1889, S. 136. ;
') Vorausgesetzt natürlich. daß zur Zeit westliche Winde wehen.