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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Poppen, H.: Die Sandbänke an der Küste der Deutschen Bucht der Nordsee. 407 
richtung verdrängt zu werden, sondern geht vertikal auf die Insel Sylt zu, wo 
nach Holzhauer etwa 4 Sm vor der Küste die erwähnte Gabelung sich vollzieht, 
Die nach Süden laufende Welle setzt nun als selbständiger Arm um die Südspitze 
von Sylt herum. Die nach Norden gerichtete Flutwelle scheint sich jedoch wieder 
zu teilen: ein Seitenarm dringt um das Nordende nach Osten, während der 
Hauptarm sich nördlich fortsetzt und neben Jütland die Nord-—Süd gerichtete 
Gezeitenströmung hervorruft. 
Ferner lehrt uns die Tabelle, daß die Ebbe- und Flutströmungen nach 
Norden zu an Intensität abnehmen. Dies sieht man zunächst am Tidenhub.l) 
Derselbe beträgt noch an der Elbe 3.1 m, an der Hever im Mittel 3.0 m, am Alten 
Schmaltief 2,8 m, am Lister Tief 1.6 m,’) um dann an der jütischen Küste von 
1.6’m bei Blaavands Huk auf 0.3 bei Hanstholm zusammenzuschrumpfen. — Ein 
weiteres Zeichen der Schwäche im nördlichen Teile ist, daß dort nicht selten die 
durch die Winde erregten Ströme das Übergewicht haben über die Gezeiten- 
ströme, was namentlich bei westlichen Winden der Fall ist. So können Ebbe und 
Flut in der Mitte der jütischen Halbinsel zwischen Thyborön-Kanal und Thors- 
minde nicht einmal den von einer »steifen Brise« erregten Strom überwinden, 
sondern nur verringern.) — 
Wir sehen also, daß die Flutströmung bei dem für uns in Betracht 
kommenden deutschen Anteil unter einem spitzen Winkel in der Richtung 
aus Nordwest die Küste trifft und daß der Tidenhub nach Süden hin 
zunimmt. — . 
Welche Richtung haben 2. die überwiegenden Winde? Die untenstehende 
Windtabelle (S. 45) zeigt auf den ersten Blick das gewaltige Übergewicht der 
westlichen Winde, sowohl was Häufigkeit als auch Stärke anbetrifft. Nach 
Tabelle I stehen an erster Stelle die NW-, an 2. die SW- und an 3. die W-Winde, 
nach Tabelle II an 1. die SW-, an 2. die NW- und an 3. die W-Winde. Ihr Ein- 
fluß wird sich, zumal wegen der großen Überlegenheit des NW-Windes, dahin 
geltend. machen, daß sie den Flutstrom beschleunigen und den Ebbestrom 
hemmen, daneben aber an der Küste einen Wasserstau hervorrufen. Das be- 
weisen die Angaben des Segelhandbuchs. Von Horns Riff heißt es: W- und NW- 
Winde verursachen längere und stärkere Flut und höheren Wasserstand; bei 
anhaltenden Ostwinden ist es umgekehrt. Von dem Hörnumer Loch und dem 
Lister Tief wird gesagt: W-Winde, namentlich NW-Winde, bewirken Aufstauen 
und Erhöhung des Wasserspiegels, östliche Senkung. — Diese westlichen und 
nordwestlichen Winde rufen auch meistens die höchsten Werte in bezug auf die 
Wellenbewegung hervor. So berichtet das Segelhandbuch (1906), daß bei 
starken W- und NW-Winden zur Ebbezeit vor dem Lister Tief hohe Dünung 
steht, ferner, daß bei diesen Stürmen auf den Sänden im SW von Eiderstedt 
hohe Brandung wütet, aus welchem Grunde die am weitesten vorgeschobene 
Fliegen Plate die gefährlichste ist, endlich, daß auf der Barre der Eider zur 
Ebbezeit bei W-Winden sehr kurze hohe See und bei W- und NW-Stürmen ge- 
fährliche Brandung steht. — Ebenso darf wegen der enormen Überlegenheit der 
aus den westlichen Quadranten kommenden, auflandigen Winde.mit einem sehr 
starken Sandtransport aus See an die Küste gerechnet werden, — 
Für unsere Untersuchung ist es nun von höchster Bedeutung, in welcher 
Richtung sich die Sandverfrachtung, für die ja die Gezeitenströme 
und Winde in Frage kommen, vollzieht. Von letzteren sind nur die NNW-, 
NW-, WNW- und N-Winde einerseits, die WSW-, SW-, SSW- und S-Winde ander- 
seits ausschlaggebend. Erstere haben dabei nach Tabelle I ein Mehr von 8, nach 
Tabelle II eins von 0.3 Einheiten, wonach sich also das Übergewicht der Sand- 
wanderung nach Süden hinneigt. — Schwieriger gestaltet sich die Erörterung 
bezüglich der Gezeitenströme. An der Südküste haben wir festgestellt, daß die 
Sandumlagerung seitens dieser Ströme nach — von der Richtung des Flutstromes 
1) Vgl. »Atlas der Gezeiten usw.«, herausgegeben von der Deutschen Seewarte, S.'2 des 
Vorwortes, 
2) 
3} 
Das Segelhandbuch gibt 2.0 m an, 
Segelhandbuch 1906, I, 3, S. 57.
	        
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