100 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1912,
Nordsee nach Südosteuropa verlaufende Rinne tiefen Drucks getrennt, die am
ersten Tage bei östlichen Winden vielfach Gewitter und ziemlich starke Nieder-
schläge im Gefolge hatte. Während sich nun die Rinne ausfüllte, traten die
beiden Hochdruckgebiete am 9. miteinander in Verbindung und bedeckten fast
den ganzen Kontinent. Ein nach Nordwestdeutschland reichender Depressions-
Ausläufer hatte auch an diesem Tage vielfach Gewitter an der Nordseeküste im
Gefolge. Er vertiefte sich und entwickelte sich zu einem Teilminimum, das
schnell. nach der östlichen Ostsee vordrang und das kontinentale Hochdruck-
gebiet in zwei Teile spaltete, deren östlicher nach Südrußland abzog, wogegen
der westliche über Westeuropa liegen blieb und nun dem genannten Teilminimum
folgte, auf dessen Rückseite an der östlichen Ostseeküste steife nordwestliche
Winde auftraten.
Bis zum 17. stand dann die deutsche Küste fast andauernd unter dem
Einfluß von west-ostwärts fortschreitenden Depressionen, die jedoch bis zum
14. bemerkenswert geringe Niederschläge im Gefolge hatten. Hervorzuhebem ist
während dieser Periode besonders der 13. und 14., wo eine ostwärts abziehende
Depression auf ihrer Rückseite stürmische nordwestliche Winde an der ganzen
Ostseeküste mit sich brachte. Ein am folgenden Tage, dem 15., von der Biscayasee
vordringender Tiefdruckausläufer war mit Ausnahme der östlichen Ostseeküste
von starken Niederschlägen begleitet. Er brachte der Nordseeküste am 16. viel-
fach Gewitter,
Am 17. drang ein Hochdruckgebiet von Westeuropa nach dem Kontinent
vor und hatte bis zum 19. meist trockenes Wetter im Gefolge.
Am 20. rückte das Hochdruckgebiet ostwärts weiter, während Depressions-
ausläufer von Westfrankreich her nachfolgten; diese brachten Regenfälle und
stellenweise Gewitter, nur der äußerste Osten behielt noch heiteres Wetter. An
den meisten Stationen der Nordsee- und westlichen Ostseeküste trat an diesem
Tage infolge der kontinentalen Erwärmung durch die zunächst noch ziemlich
ungehinderte Sonnenstrahlung die höchste Monatstemperatur mit etwa 19 Grad ein.
Bis zum Schluß des Monats lag nun das deutsche Küstengebiet fast ohne
Unterbrechung im Bereich von Depressionen; nur vorübergehend wurden Teile
der Küste von Hochdruckkeilen bedeckt. Hierbei befand sich vom 21, bis 23.
hoher Luftdruck über Ost- und Nordwesteuropa, dazwischen lagen Tiefdruckgebiete;
vom 24, ab wich das östliche Hochdruckgebiet zurück, während ein Hochdruck-
gebiet vom Ozean vorrückte; das Tiefdruckgebiet nahm an Umfang ab, erhielt
sich aber bis Ende des Monats über Nordosteuropa und Skandinavien und brachte
fast täglich ausgebreitete Niederschläge an der ganzen Küste, Besonders be-
merkenswert erscheint während dieser Zeit nur zunächst der 25., wo im äußersten
Osten bei kontinentalem Winde mit 28.1 Grad die höchste Temperatur des Monats
und der ganzen Küste erreicht wurde, und ferner der 28, wo an der Nordsee-
küste auf der Rückseite eines Tiefdruckgebiets bei hohem Druck über den Briti-
schen Inseln vielfach steife meist nordwestliche Winde eintraten.
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