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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Beiträge zur Küstenkunde von West-Spitzbergen, 
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Allgemeines. Den Zugang zur Recherche-Bucht bildet der Glocken-Sund. 
Derselbe ist an seiner Einfahrt etwa 8 Sm breit und reicht über 30 Sm tief in 
das Land hinein. Durch die Partition-Huk, ein hohes Land 12 Sm innerhalb 
seiner Einfahrt, wird er in zwei Arme geteilt, die Van Mijen-Bucht im Norden 
und die Van Keulen-Bucht im Süden. Westlich von der Van Keulen-Bucht ist die 
Einfahrt zur Recherche-Bucht. Diese etwa 3!/, Sm lange und 21!/, Sm breite 
Bucht führt ihren Namen nach der französischen Korvette »La Recherche«, die 
im Jahre 1838 die Bucht aufgesucht hatte. Früher bildete die Bucht den Haupt- 
sammelplatz der Walfischfängerflotte; auch jetzt ist sie. noch einer der am 
meisten besuchten Plätze von West-Spitzbergen.: Sie ist durch die hohen, sie 
umgebenden Berge, gegen alle Winde geschützt; nur bei Nordwestwinden kommt 
einige See auf. Die Bucht ist auch im allgemeinen frei von Gefahren, aus- 
genommen bei der Renntier-Huk, der östlichen Einfahrtshuk der Bucht, von der 
sich Klippen und Untiefen etwa !/, Sm weit in nördlicher und westlicher Richtung 
erstrecken. Im innersten Ende der Bucht erhebt sich der 579 m hohe Obser- 
vatorium-Berg, auf dem die Offiziere der »Recherche« im Sommer des Jahres 
1838 ihr Observatorium errichtet hatten. Die Berge an beiden Seiten der Bucht 
sind etwa 600 m hoch. Zwei große Gletscher, der Ost- und der Fox-Gletscher, 
reichen in die Bucht hinein und bilden einen Teil ihrer Seiten. Der Ost-Gletscher 
entspringt anscheinend auf der Eisdecke im Innern und ist wahrscheinlich 80 Sm 
lang. An der Vorderseite ist er etwa 1'/, Sm breit, 30 m hoch über Wasser und 
37 m unter Wasser. Nahe an der Oberfläche des Meeres erstreckt sich weit in 
den Gletscher hinein eine 1.8 bis 2.4 m breite und 6 m hohe Höhle. Der Gletscher 
reichte einst vermutlich 1 Sm weiter in die Bucht hinein als jetzt. In 3 Kblg 
Abstand von dem Gletscher sind 55 m Wasser und in 3, Kblg Abstand von ihm 
35 m Wasser mit weichem, schwarzem Schlickgrund. Der Fox-Gletscher ist an 
seiner Front fast ebenso breit wie der Ost-Gletscher, aber verhältnismäßig kurz, 
da er in den Bergen an der Westseite der Bucht seinen Ursprung hat. 
Landmarken. Für von Norwegen kommende Schiffe dient bei klarem 
Wetter die Bären-Insel als erste Landmarke, die nahe beim Südende der Spitz- 
bergen-Bank liegt. Der südliche Teil der Insel ist ziemlich hoch und steigt in 
dem Berge Humbergs zu 424 m Höhe an. (Siehe Tafel 18. Ansicht Nr.1.) An 
der Ostseite der Insel erreicht Mount Misery 536 m Höhe. Der nördliche ‚Teil 
der Insel ist niedrig. Von dem englischen Schulgeschwader, das im Sommer 1895 
Spitzbergen besuchte, wurde die Bären-Insel bei sehr klarem Wetter deutlich 
ausgemacht, namentlich der mit Schnee bedeckte Berg Misery. Nähert man sich 
Spitzbergen so zeigt das hohe Land im allgemeinen eine Reihe steiler Berg- 
spitzen von 800 bis 1000 m Höhe, und darüber, die größtenteils mit ewigem 
Schnee bedeckt sind. | Viele von ihnen sind jedoch so steil, daß kein Schnee auf 
ihnen liegen bleibt. Diese Gipfel, die durch Gletscher voneinander getrennt 
werden, sind bei klarem Wetter schon auf weite Entfernungen auszumachen, 
jedoch lassen sich ihre Entfernungen nicht immer‘ leicht schätzen, da das Land 
infolge der Strahlenbrechung viel näher zu sein scheint, als es in Wirklichkeit 
ist. Als erstes Land wird man bei der Annäherung an das Süd-Kap bei klarem 
Wetter den Horn Sunds Tinder-Höhenrücken ausmachen, der in dem Berge 
Hornsund (Muscovy Mount), dem auffälligsten: Berge des Höhenrückens, zu 1390 m 
Höhe ansteigt. Dieser Berg wurde von Kapt. Vollrath schon aus 90 Sm Ab- 
stand gesichtet. Das Süd-Kap selbst ist eine Insel, die niedriger ist, als das 
Land nördlich von ihr. Nähert man sich dem Glocken-Sund auf östlichen Kursen, 
so bildet seine Einfahrt eine sehr auffällige Erscheinung. Es scheint nämlich, 
wenn man sich noch in größerem Abstand von ihr befindet, als ob der .Sund 
zwischen hohem Lande tief in das Land einschneide. Beim Näherkommen jedoch 
bemerkt man, daß sich vom Fußpunkte der nördlich und südlich von der Ein- 
fahrt gelegenen Gebirge auf eine ziemliche Strecke flaches Land bis zu den 
Einfahrtshuken erstreckt. Eine gute Landmarke bildet der Glockenberg, der 
südlich vom Kap Lyell an der Südseite des Glocken-Sundes liegt. Zu bemerken 
ist noch, daß die großen Fjorde an der Westküste von West-Spitzbergen im 
Sommer eine Oberflächenschicht von etwas süßerem Wasser bis ins Meer hinaus-
	        
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