Mey, A.: Die Vorhersage der Niederschläge.
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die dort dann oft zunächst liegen bleiben. und starken Formen- und Intensitäts-
veränderungen unterliegen, bevor sie nordostwärts ziehen oder aber ostwärts in
den Kontinent eindringen, haben in bezug auf die Regenprognose eine besondere
Bedeutung und sollen in einer späteren Abhandlung eingehender untersucht
werden.
Wesentlich größere Schwierigkeiten bereiten der Prognose die ganz flachen
Ausläufer und Teildepressionen im gleichmäßigen Isobarenfelde, die auf der
allgemeinen Wetterkarte von Europa oft schwer oder gar nicht zu erkennen
sind und doch gerade im Sommer gern Träger wesentlicher Niederschläge, oft
verbunden mit Gewittern, sind. Die schwere Erkennbarkeit und auch die rasche
Veränderlichkeit sind es gerade, die Less veranlaßt haben, auf die Regengebiete
selbst zurückzugreifen und deren Eigenschaften zu erforschen. Die von Less
und Gagelmann gefundenen Sätze und die Erfolge, die Less mit ihnen erzielt
hat, lassen es zurzeit als die praktisch brauchbarste, Methode erscheinen, daß
man aus den westlicher gelegenen Gebieten möglichst zahlreiche Niederschlags-
meldungen zu erhalten sucht, um so ein Bild von etwa vorhandenen Regen-
gebieten zu bekommen. Für die mittel- und ostdeutschen Prognosengebiete
würde sich dies leicht erreichen lassen mit Hilfe des Beobachtungsnetzes des
preußischen und der übrigen deutschen meteorologischen Landesinstitute, indem
den einzelnen Wetterdienststellen Meldekarten regelmäßig zugesandt werden oder
aber auch, indem ein Regenmeldedienst nach ähnlichen Grundsätzen geschaffen
wird wie der neuerdings versuchsweise vom Königlich Preußischen Aäronautischen
Institute in Lindenberg begonnene, den Interessen der Luftschiffahrt dienende
Gewittermeldedienst. Es würden dann einem Zentralinstitut die telegraphischen
Meldungen über Zeit, Art und Dichte des Regens von den einzelnen Beobachtungs-
stellen zugehen, sie würden dort verarbeitet und das Ergebnis als kurze Kenn-
zeichnung der Regengebiete den Prognosenstellen telegraphisch zugesandt. Für
die westdeutschen Gebiete müßte die Gagelmannsche Forderung erwogen werden,
von den Zentralinstituten der westeuropäischen Länder Meldungen über Regen-
gebiete zu erlangen.
Fragt man nach anderen Hilfsmitteln, um die für den Eintritt von Nieder-
schlägen vielfach charakteristischen geringen Unregelmäßigkeiten in der Luft-
druckverteilung besser erkennen und verfolgen zu können, so kann man wieder
in erster Linie auf die Ekholmschen Fall- und Steiggebiete zurückgreifen. In
einer sich mit der vorliegenden Frage eng berührenden Abhandlung‘) »Über
den Zusammenhang von Gewitterzügen und Niederschlagsgebieten« wurde von
R. Süring und mir gezeigt, daß es nicht angängig ist, für kurze Intervalle
(123 Stunden oder weniger) die Isallobaren zu zeichnen, da bei der im ganzen
sehr geringen Luftdruckänderung‘ die tägliche Periode des Barometerganges
einen zu großen Einfluß hat. Dagegen konnte gezeigt werden, daß 24stündige
Isallobaren. manchmal für die Beurteilung des Weges eines Störungsgebietes von
Nutzen sein können,
Als ein sehr förderliches Mittel für die Erkennung des Zusammenhanges
zwischen Luftdruckverteilung und Niederschlägen wie Gewitterzügen wurden
dagegen Luftdruckkarten für die Höhe von 2500 m benutzt, die nach der von
Köppen?) angegebenen Methode auf Grund der vereinfachten Barometergleichung
entworfen wurden. Die vielfach vorhandene Gleichheit der Entstehungsbedingungen
für sommerliche Regen und für Gewitter läßt von vornherein vermuten, daß
dieselbe Methode auch für die Niederschlagsprognose von Wert sein wird. Sie
hat den Vorzug, daß sie in der Luftdruckkarte von 2500 m den Einfluß der
Temperaturverteilung an’der Erdoberfläche klar vor Augen bringt, die ja bei
der Entstehung der Niederschläge, besonders der in Verbindung mit Gewittern
auftretenden Regen eine ausschlaggebende Rolle spielt. Zur Veranschaulichung
1) R. Süring und A. Mey: »Über den Zusammenhang zwischen Gewitterzügen und Nieder-
schlagsgebieten«. Veröffentl. des Königl. Preuß, Meteorolog. Instituts, Berlin 1910,
2) W. Köppen: Über die Gestalt, der Isobaren in ihrer Abhängigkeit von Sechöhe und
Temperaturverteilung. »Meteorol. Zeitschr.« 5 (1888).
Ann a Hvdr. usw. 19192. Heft VIL