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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

368 Annalen der Hrdrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1912. 
Südost in Mitteleuropa mit Einschluß der angrenzenden östlichen und südöst- 
lichen Gebiete, die meist verursacht ist durch eine Rinne tieferen Druckes 
zwischen einem westlichen und einem östlichen Hochdruckgebiete. In dieser 
Rinne bewegen sich die Minima gern, wobei man annehmen muß, daß im allge- 
meinen das östliche Hoch das stärkere ist in bezug auf die Bahnbestimmung 
der Depression. Eine Verzögerung, ja vollständige Hemmung der Bewegung 
wird besonders eintreten müssen, wenn der Druck auf der linken Seite der Bahn 
so viel steigt, daß er den vorher auf der rechten Seite vorhandenen Überdruck 
teilweise oder ganz aufhebt, Auch hoher Druck auf der Vorderseite kann ein 
Hindernis für das Vordringen der Depression bilden. Die Frage nach der Ent- 
stehung dieser Minima, besonders in Österreich-Ungarn konnte nicht gelöst werden. 
Die im Vorhergehenden besprochenen Untersuchungen geben uns eine 
Reihe von wertvollen Erkenntnissen, mit deren Hilfe man einer erfolgreichen 
Niederschlagsprognose wohl näher kommen kann, Less hat uns gezeigt und 
Gagelmann konnte es bestätigen, daß die Niederschlagsgebiete Gebilde sind mit 
ganz bestimmten, sich meist nur wenig ändernden Eigenschaften, Gebilde, die 
meist aus westlichen Gegenden in Deutschland einbrechen und im Kartenbereiche 
schon mindestens einen Tag bevor sie Deutschland erreichen, beobachtet werden 
können. Es wird also darauf ankommen, die Regengebiete im Westen, und um 
diese handelt es sich ja zumeist, rechtzeitig zu erkennen und dann ihren voraus- 
sichtlichen Weg nach Richtung und Länge zu bestimmen. Da gezeigt wurde, 
daß die Regengebiete ursächlich mit Depressionen, Ausläufern und Teilminima 
zusammenhängen, so lautet also die Aufgabe, die Bahnbestimmung dieser Luft- 
druckgebilde und die Bestimmung ihrer voraussichtlichen Lage nach 24 Stunden 
möglichst genau zu gestalten. Je nachdem man ausgeprägte Minima und Aus- 
läufer oder aber ganz flache Ausläufer und Teildepressionen im Kartengebiete 
hat, werden sich die zu verwendenden Hilfsmittel verschieden gestalten, - 
Für die erste Gruppe kommen in Betracht alle die bekannten Bewegungs- 
regeln der barometrischen Minima, die wir besonders Köppen und van Bebber 
verdanken. Ein weiteres sehr gutes Hilfsmittel liegt in den Sätzen, die Ekholm 
über die Fortpflanzung der barometrischen Fall- und Steiggebiete aufgestellt hat. 
Besonders förderlich aber, auch für die Regenprognose, scheint mir das Prinzip 
über die Verlagerung der Tiefdruckausläufer und Hochdruckkeile zu sein, das 
Grossmann‘) aus den Guilbertschen Wetterregeln, in denen es angedeutet, aber 
in seiner Natur und Bedeutung von Guilbert nicht erkannt worden ist, heraus- 
geschält hat. Der Hauptwert dieses Prinzips liegt, wie Grossmann betont und 
an einer Reihe von Beispielen zeigen konnte, darin, daß es mit seiner Hilfe 
möglich ist, sich in vielen Fällen eine Karte der Luftdruckverteilung für 
24 Stunden voraus zu entwerfen, ohne erst große Berechnungen anstellen zu 
müssen, wie bei dem auf mathematischer Grundlage aufgebauten, an sich ziemlich 
erfolgreichen Versuche von F. M. Exner?), der aber wegen der Rechenarbeit 
für den Wetterdienst kaum in Frage kommt. Das Prinzip von Guilbert- 
Grossmann sei hier wiedergegeben: »Tiefdruckausläufer schreiten mit 
Vorliebe in 24 Stunden nach der Stätte der ihnen vorangehenden 
Hochdruckkeile und diese nach derjenigen des vorangehenden Tief- 
druckausläufers fort; daneben findet sich noch ziemlich häufig eine 
halb und eine doppelt so schnelle Verlagerung, die letztere von Keil 
zu Keil und Tiefdruckausläufer zu Ausläufer. Dasselbe gilt auch für 
das Fortschreiten von Tiefdruck- und Hochdruckgebieten, die nicht 
als Ausläufer auftreten.« In bezug auf die anderen von Guilbert auf- 
gestellten, sich ja gerade mit der Bestimmung der künftigen Luftdruckverteilung 
befassenden Regeln sei hier nur auf die Würdigung hingewiesen, die ihnen 
Grossmann in der mehrfach erwähnten Arbeit zuteil werden läßt. 
Die Tiefdruckausläufer, die wir so häufig über der Biscayasee liegen 
sehen, während ein ausgedehntes Hochdruckgebiet noch den Kontinent bedeckt, 
karten. 
1) Grossmann, Wie steht es um unsere Wettervorhersage? »Ann, d. Hydr. usw.« 1912, S, 1 bis 23. 
3 F, M. Exner, Über eine erste Annäherung zur Vorausbestimmung synoptischer Wetter- 
„Metecrol. Zeitschr.« Bd. 25, 1908.
	        
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