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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Mey, A.: Die Vorhersage der Niederschläge. 
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reicht, leicht durch zwei Minima über Nordwesteuropa und dem Mittelmeere, 
die miteinander über Frankreich in Verbindung treten, abgesprengt wird, dann 
rasch ostwärts abwandert, gefolgt von der so entstandenen Druckrinne, die ein 
streifenförmiges Regengebiet über Deutschland hinwegführt. 
In einem letzten Abschnitt „Prognose der Regengebiete“ wird statistisch. 
die Wahrscheinlichkeit untersucht, mit welcher ein im Westen, außerhalb Deutsch: 
lands liegendes Regengebiet, je nach der Gegend seines Eintritts in das Karten- 
gebiet, Deutschland in seinen einzelnen Provinzen überstreichen wird, Die 
Prozentzahlen, die aus der Bewegung von ungefähr 100 verschiedenen Regen- 
gebieten gefunden sind, dürften wohl wenig praktischen Wert haben. Es läßt 
sich aber. erkennen, daß die meisten Regengebiete von ihrem Eintritt in 
den Kartenbereich 2 bis 3 Tage gebrauchen bis sie nach Deutschland kommen, 
und daß natürlich Nordwest-Deutschland am häufigsten von solchen Regen- 
gebieten überzogen wird, .Je größer die N-S-Ausdehnung eines Regengebietes, 
desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß es Deutschland berührt und ebenso 
wächst die Wahrscheinlichkeit mit der südlicheren Lage und der Regendichte 
eines Regengebietes im Westen von Deutschland. 
Während Gagelmann sich hauptsächlich nur mit den von West her- 
kommenden Regengebieten befaßt, behandeln Hellmann und v. Elsner‘) in 
einer großen, durch ein umfangreiches Kartenmaterial unterstützten Abhandlung 
die von Süden und Südosten heraufziehenden Regengebiete, wenigstens soweit 
sie dem Odergebiete Hochwasser gebracht haben, also besonders ergiebig ge- 
wesen sind. Die Untersuchungsmethode ist vorbildlich, besonders in bezug auf 
die Analyse der Wetterlage, die sich auf die Luftdruckverteilung im Meeres- 
niveau und in 2500 m Höhe, die Temperaturverteilung, die Beziehung zwischen 
Luftdruck- und Temperaturverteilung, die Fortbewegung der Minima, sowie auf 
die Einzeluntersuchung der Niederschläge erstreckt. 
Auch sie behandeln in einem besonderen Abschnitte die Frage nach der 
Wanderung der Niederschlagsgebiete und finden zunächst als allgemeines Er- 
gebnis, daß diese Wanderung im engsten Zusammenhange steht mit der Be- 
wegung der Depressionen auf der Zugstraße Vb und in wenigen Ausnahmen 
auf der Zugstraße III. Aber nicht immer können sie ein Fortschreiten der Regen- 
gebiete feststellen und sie finden als Grund dafür einerseits die rasche Wanderung 
der Depressionen, die auf der 24stündigen Regenkarte die Regengebiete als gleich- 
zeitig erscheinen läßt, andererseits den Umstand, daß manche Depressionen sich 
erst in Österreich-Ungarn zu bilden scheinen. So kamen sie zu dem Ergebnis, 
‚daß die Möglichkeit, den Eintritt starker Niederschläge im Odergebiete auf 
Grund des Fortschreitens der Niederschlagszonen von Süden her bei einmaliger 
täglicher Niederschlagsmessung vorauszusagen, eine sehr geringe ist.« Sie finden 
den grundsätzlichen Unterschied zwischen den von W und den von S her sich 
nähernden Depressionen darin, daß jene im allgemeinen auf dem Ozean voll 
ausgebildet sind, während sich die vom Süden herkommenden bei ihrem Er- 
scheinen noch” im Stadium der Entwickelung befinden. Es gilt daher für 
diese Regengebiete aus Süden auch nicht das Gesetz der geringen Dichteänderung, 
wobei die geographischen Verhältnisse jedenfalls eine große Rolle mitspielen, 
Hellmann und v. Elsner betonen, daß nicht schon im Anfang, sondern erst 
später die Regenfälle zu. ihrer bedrohlichen Stärke anwachsen, was besonders 
für die von Südosten kommenden Depressionen zu gelten scheine, bei denen die 
stärkeren Regenfälle erst in der Gegend des Odergebietes beginnen, wenn die 
Isobaren so verlaufen, daß feuchte Winde aus nördlichen Richtungen auf die 
das Oder- und auch das obere Weichselgebiet begrenzenden Gebirge treffen. 
Hier seien aus der großen Abhandlung nur noch die Umstände angeführt, 
die von den Verfassern als besonders wichtig für das Heraufkommen einer De- 
pression von Süden her erkannt wurden. Da steht an erster Stelle die Temperatur- 
verteilung, und zwar eine Zunahme von West nach Ost oder Nordwest nach 
. 1) Hellmann und v. Elsner, Meteorologische Untersuchungen über die Sommerhochwasser 
der Oder. Mit einem Atlas von 55 Foliotafeln. Veröffentlichungen des Kgl. Preuß, Meteorol, Instituts 
Na 2230. Berlin 1911.
	        
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