366 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1912,
(Rückseiten-) Geschwindigkeit wird die Verlagerung der vorderen (hinteren)
Ränder in der Fortpflanzungsrichtung bezeichnet, während als Geschwindigkeit
von West- bzw. Ostrand die Größe der Verlagerung in der Richtung der Parallel-
kreise, also die Projektion der Fortpflanzungsgeschwindigkeit auf die Breiten-
grade gilt, die demnach kleiner sein muß als jene. Die Geschwindigkeit von
Spitze und Rückpunkt als den äußersten Teilen eines Regengebietes wurde nur
gemessen, wenn die von Front und Rückseite nicht bestimmt werden konnten,
also an den schnellsten Gebieten, Die Zahlen sind, in km pro Tag für Front 418
(44), Rückseite 399 (28), Spitze 536 (34), Rückpunkt 737 (9), Westrand 273 (31),
Ostrand 344 (34). Die eingeklammerten Zahlen geben die Anzahl der Fälle,
Die Messung von zehn Gesamtgebieten ergab .338 km. Da die Bedingungen für
die Messung der Geschwindigkeit von Ost- und Westrand gleich sind, so läßt
sich aus den verschiedenen Werten (für die Bewegung nach E 1.31 : 1) schließen,
daß die Gebiete sich der geographischen Länge nach mit der Zeit verbreitern
müssen, ein Ergebnis, das auch schon Less fand (7.8°%). Gagelmann stellte
auch noch eine tägliche Zunahme der Geschwindigkeit um 9%, fest, eine Tatsache,
die sich nicht leicht wird erklären lassen, wenn man nicht annimmt, daß der
Wert innerhalb der Fehlergrenzen liegt. Kleinere Gebiete bewegen sich rascher
als größere. c
n . = „ (jesamtregenmenge .
Die Untersuchung der mittleren Regendichte (a. ı Se at die
sich aus 290 verschiedenen Regengebieten im Mittel zu 5.10 mm ergab, führte
zu folgenden Sätzen: »Die Dichte der Regengebiete ändert sich im Laufe ihrer
Lebenstage wenig. Sie steigt bis zum 3. Tage rasch, um dann ungefähr auf
derselben Höhe zu bleiben.« In der nachstehenden Tabelle sind die mittleren
Dichten für die einzelnen Lebenstage zusammengestellt:
1, 2, 3. 4. 5. 6. 7. Tag.
4,35 494 548 552 532 602 4.73 mm
in 59 39 53 42 929 14 9 Fällen.
»Regengebiete von langer Lebensdauer haben eine größere Dichte als die
von kurzer«, »Die Regendichte nimmt durch Teilung der Regengebiete ab«,
»Die Regendichte nimmt durch Vereinigung der Regengebiete zu«. Der erste
dieser drei letzten Sätze stimmt mit dem Lessschen überein, daß die stärksten
Regenfälle sich langsamer verbreiten als mittelstarke, die beiden letzten Sätze
finden wohl darin ihre Erklärung, daß im ersten Falle durch irgend einen
äußeren Einfluß das regenerzeugende Teilminimum (um solche wird es sich wohl
handeln, siehe die späteren Sätze) zerstört wird und mit ihm das Regengebiet
zufällt, während im anderen Falle ein durch neue atmosphärische Störungen er-
zeugtes neues Teilminimum, das rasch fortschreitet seine Regenmengen dem ersten
addiert. »Die Regengebiete haben eine um so größere Dichte, je südlicher sie
liegen«.
Die weiteren Untersuchungen sind der Frage nach dem Zusammenhang
der Regengebiete mit den Luftdruckverhältnissen gewidmet. Auch Gagelmann
kann bestätigen, daß die Depressionsausläufer und Teilminima die Hauptträger
der Regengebiete sind, daß deren Bahnen also die der Regengebiete bestimmen.
Er findet, daß von dem Regengebiete eines Hauptminimums oft die der Teil-
minima durch eine regenfreie Zone getrennt sind, was wohl dann eintreten
kann, wenn das Teilminimum schon stark abgeschnürt ist. Ist diese Abschnürung
allerdings vollständig, so soll die Wassermenge des Regengebietes sinken und
dieses sich zersplittern. Auch wenn ein Hauptminimum selbst der Hauptträger
eines Regengebietes ist, so wird das Regenwetter doch in der Regel durch vor-
ausgesandte Teildepressionen eröffnet. — Die Beziehung zu den barometrischen
Maxima drückt sich in der Bahnbestimmung aus, die dann nach den bekannten
Regeln erfolgt, die zwischen Minimum und Maximum bestehen, Desgleichen
findet er die bekannten Regeln bestätigt, daß ein Teilminimum (Regengebiet)
zwischen zwei Hochdruckgebieten von dem stärkeren Hoch gelenkt wird und daß
eine Zunge hohen Druckes, die von dem Azoren-Maximum nach Mitteleuropa