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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Mey, A.: Die Vorhersage der Niederschläge, 
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Mitteleuropas liefert, sich viel weniger voneinander unterscheiden als die Regen- 
mengen, die verschiedene Depressionen von ungefähr der gleichen Ausdehnung 
und Tiefe und auch zur gleichen Jahreszeit einer und derselben Stelle bringen«, 
Es besagt dies, daß die allgemeinen atmosphärischen Verhältnisse für die Nieder- 
schlagsmengen maßgebend sind, abgesehen von lokalen, besonders durch Gebirge, 
manchmal auch durch breite Flußtäler verursachten Abweichungen, und daß ein 
Minimum auf seiner Wanderung durch das Kartengebiet überall die Luftmassen 
in einem gleichartigen Zustande antrifft. 
Die Untersuchung der Beziehung der einzelnen Regengebiete zu der je- 
weiligen Wetterlage zeigte auch ihm wieder, daß gerade die sommerlichen Regen- 
gebiete vielfach mit. ganz flachen Teildepressionen in Zusammenhang stehen, 
deren Erkennen auf der Wetterkarte oft gar nicht leicht und deren Veränderlich- 
keit auch groß und schwer vorauszusagen sei, so daß »dadurch die Regen- 
prognose wieder recht wenig aussichtsreich erscheine«. Über die allgemeinen 
Beziehungen der Niederschlagsgebiete zu den Luftdruckverhältnissen kam er zu 
Folgenden wichtigen Sätzen: »Es zeigte sich, daß nur ein einziges Mal eine selb- 
ständige Barometerdepression das Regenwetter unmittelbar einleitete, In allen 
übrigen Fällen geschah dies durch mehr oder weniger gut entwickelte Teilminima. 
Hatte der Regen aber einmal begonnen, so wurde er bald durch selbständige 
Minima, bald durch neue Teilminima fortgesetzt« und zwar »solange bis ein 
intensives Barometermaximum in Mitteleuropa eindringt.« ; 
Über die Regendichte sagt er folgendes: »Mit wachsender Geschwindigkeit 
ihres (der Regengebiete) Fortschreitens nehmen die mittlere Wassermenge, Wasser- 
fläche und Regendichte anfangs zu, später ab.« »Die stärksten Regenfälle ver- 
breiten sich langsamer als Regenfälle mittlerer Stärke.« 
Neuerdings ist nun eine Abhandlung von Friedrich Gagelmann er- 
schienen!): »Die sommerlichen Regengebiete in West- und Mitteleuropa«, die 
durch die Lesssche Abhandlung angeregt ist und ungefähr nach denselben 
Gesichtspunkten wie die vorher besprochene Arbeit die Regenverhältnisse des 
Sommers 1905 untersucht. Sie umfaßt aber ein größeres Gebiet, nämlich den 
ganzen Bereich unserer üblichen Wetterkarte, so daß ihre Ergebnisse eine größere 
allgemeine Bedeutung beanspruchen könnten. Die von Gagelmann gefundenen 
Gesetze bestätigen fast durchweg die von Less und zeigen somit, daß die Schlüsse, 
die in beiden Untersuchungen aus verhältnismäßig recht geringem Material ge- 
zogen wurden, doch eine allgemeine Gültigkeit zu haben scheinen. Natürlich 
muß man den im Nachfolgenden wiedergegebenen Zahlen gegenüber die durch 
die geringe Anzahl der Fälle gebotene Vorsicht walten lassen. Im übrigen 
scheint es angebracht, die Gagelmannschen Ergebnisse etwas. eingehender 
wiederzugeben, . 
Nach einer Darstellung der einzelnen Regengebiete und ihrer Wetterlagen 
werden zunächst die allgemeinen Eigenschaften der Regengebiete behandelt. Für 
die Fortpflanzungsrichtung ergab sich, daß von 266 Gebieten nach 
NW NNW N NNO NO ONO 0 0SO SO SSO S SSW SW WSW.W WNW 
Ri 1 5 NR 64 30) 89 22 23 h_—_ 24 0 7 2 1 10 
zogen. Neunmal wurde ein Stillstehen von Gebieten beobachtet. Es zeigt sich 
also, wie zu erwarten, daß die Verschiebung in östlichen Richtungen bei weitem 
überwiegt, 
Die Bestimmung der Fortpflanzungsgeschwindigkeit stieß auf die schon von 
Less betonte Schwierigkeit, daß verhältnismäßig wenig Gebiete genügend lange 
in ihrem ganzen Umfange im Bereiche der Karte lagen, es wurden deshalb in 
den meisten Fällen die Fortpflanzungsgeschwindigkeiten einzelner Teile (Front, 
Rückseite, Spitze, Rückpunkt, Ostrand, .Westrand) bestimmt. Es ergaben sich 
dabei für die einzelnen Teile verschiedene Geschwindigkeiten, was darauf zurück- 
zuführen ist, daß die einen nur an langsamer wandernden Gebieten, die anderen 
sowohl an diesen wie an schnelleren gemessen werden konnten. Als Front- 
1) Giessener Dissertation, gedruckt bei A. Beck, Frankfurt a. M.. 1912.
	        
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