360 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1912,
hinüber ist quantitativ zu groß, um sie kurzerhand bewältigen zu können, ein
Umstand, woraus sich die Existenz der gefährlichen Brauer Platen, auf denen
fast immer Brandung steht, erklären läßt; denn sie haben ihren Standort da, wo
die Gegner aufeinanderstoßen. Ebenso verraten die westliche flache und die
östliche steile Böschung die Wanderrichtung nach Osten. Ähnlichen Ursprungs
ist das in der SW-Ecke des Borkum Riffs gelegene Hohe Riff. Einen wie großen
Einfluß diese Sandmassen auf das Areal des Borkum Riffs ausüben, zeigt die
Karte von 1859, die gerade den Zeitpunkt wiedergibt, wo die Bildung einer
neuen Geldsack-Brücke eingesetzt hat, die wahrscheinlich als Nachfolgerin einer
früheren aufzufassen ist, deren Abbruch vor 1833 liegen muß; das Abbruchs-
material der letzteren Brücke scheint nämlich die Vergrößerung des Borkum
Riffs sogar durch die Osterems hindurch bis zum Juister Riff hervorgerufen
zu haben. 1866 hat sich die Osterems wieder einigermaßen gereinigt; die
augenfällige Vergrößerung des Juister Riffs gibt der Annahme Raum, daß es
außer dem Memmert Sand, der Kachelot Plate, dem Lütje Sand u. a. m. als Ab-
nehmer des in die Osterems getriebenen und durch die Gezeitenströme allmählich
hindurchtransportierten Sandmaterials hierbei in Frage kommen dürfte.
Ob der Randzel, dessen größte Ausdehnung über 7 Sm beträgt, in seinem
Grundstock aus alten Landmassen besteht, müssen wir unentschieden lassen, wenn-
gleich auch der Gesamtcharakter dafür spricht. Nur im Osten und Westen be-
streichen ihn die beiden Emsarme und geben ihm meistenteils einen steilen
Abfall. In seinem Stromschatten im Südosten, wo die beiden Flutwellen der
Wester- und Osterems sich begegnen, lassen sich die Sedimente nieder und bilden
eine Barre, die zur Zeit im Minimum 2.1 bis 2.4 m Tiefe hat. —
Also auch bei der Ems haben wir dieselbe Sand- und damit
auch Sandbankwanderung, sowie periodische Verbarrikadierung der
Mündungsrinnen wahrgenommen, bei letzteren jedoch keine auffällige
Verlegung wie bei der Jade und Weser, da ihnen durch die flankierenden,
konstanten Sandbänke die Bewegungsfreiheit wesentlich beschränkt ist. — —
Wo bleibt nun der durch die Emsmündung hindurch verfrachtete
Sand? Ostseits der Mündung wird er nicht seßhaft, wie die Karte lehrt, da hier
keine Sandanhäufungen in entsprechendem Umfange sich zeigen. Daß er‘ ins
Meer zurückgelangt, dürfte bei der Überlegenheit des noch durch die NW-Winde
verstärkten Flutstromes über den Ebbestrom ausgeschlossen sein. Es ist nur
eine Erklärung möglich, nämlich die, daß er durch den Küstenstrom am Fest-
lande nach Osten hin verfrachtet wird, bis er schließlich in die Jade und
Weser gelangt, durch die er auch, wie wir sahen, hindurch wandert, wovon die
westlich vom Lande Hadeln sich ausbreitenden ungeheuren Watten: Scharhörn,
Großer Knechtsand, Wurster Watt usw. Zeugnis ablegen. Die Driftstoffe
scheinen hier Halt zu machen vor dem aus der sonst geraden Küstenlinie
herausragenden Land Wursten und Hadeln, Wenn nicht die Jade- und Weser-
mündung den ruhigen Küstenverlauf unterbrächen, so würde wahrscheinlich die
Küstenlinie von Wangeroog aus in der Richtung auf Scharhörn zu sich hinziehen
und der Mensch die großen, südlich dieser Linie gelegenen Gebiete dem Meere
längst abgerungen haben, Aber trotz der Größe dieser Watt- und Sandbank-
gebiete kann diese Masse doch nur ein Teil des transportierten, gesamten
Materials sein, und zwar namentlich in Anbetracht der langen Zeitperiode,
während welcher derselbe Vorgang sich wiederholt hat, ein nicht nennenswerter
Prozentsatz. Zudem ist laut Mitteilung des Marine-Oberbaurats Krüger festgestellt
worden, daß das Gebiet gegen früher an Höhe abgenommen hat und daß Scharhörn,
Knechtsand, Eversand und der Neuwerk Strand an gewissen Stellen in Abbruch
begriffen sind. Wohin mag der Rest gelangt sein? Ein direkter Rücktransport
ins Meer dürfte, wenn irgendwo, gerade hier gänzlich ausgeschlossen sein, da
hierfür nur die Wattenwässer ohne Stärkung seitens eines Festlandsstromes in
Betracht kommen. Wir müssen also damit rechnen, daß er auch die Elbe durch-
wandert. Untersuchen wir also daraufhin