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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Poppen, H.: Die Sandbänke an der Küste der Deutschen Bucht der Nordsee. 357 
Eigenart mehr über Norden herum zu richten, was zur Folge hatte, daß sie 
durch ihre Flankenangriffe auf den Roten Sand die Angliederung desselben 
an die Tegeler Plate beschleunigte. Jedoch mit der dadurch hervorgerufenen 
Verstopfung der Alten Weser und der Verengung des Neuen Weserbettes steht 
die Vergrößerung der Stoßkraft des Flusses in umgekehrtem Verhältnis. Die 
Strömung hat deshalb 1909 sowohl den Roten Sand wiederum abgesprengt und 
ihm einen Platz zwischen beiden Fahrrinnen angewiesen, als auch die Ver- 
bindungsbrücke zwischen dem Roten Grund und der Mellum Plate stark ver- 
schmälert (vgl. 1899 u. 1909), wodurch sich die Position vorbereitet, die uns 
schon 1859 begegnete. Die schwache Verbindung zwischen dem Roten Grund 
und der Mellum Plate, die 1908 nur noch in einer Untiefe von —8 bis 9m 
besteht, läßt einen völligen Bruch schon in allernächster Zeit. vermuten, so daß 
hier dann die Neue Weser ihren Lauf nehmen wird. ‚Mit der infolge Durch- 
bruchs der Brücke erfolgten Verlegung des Bettes der Neuen Weser südlich des 
Roten Grundes dürfte die endgültige Angliederung des Roten Sandes an die 
Tegeler Plate vollzogene Tatsache geworden sein, worüber jedoch erst die nächsten 
Jahre Klarheit geben können. Im übrigen vollzieht sich nach Loslösung des 
Roten Grundes derselbe Namenstausch wie früher, indem die Namen gleichsam 
eine Station zurückspringen, um den Transport neuer Wanderbänke: durch die 
Weser zu eskortieren. Das Lebensalter des Roten Sandes beläuft sich also 
analog dem des Roten Grundes naturgemäß auf etwa 60 Jahre. — 
Fassen wir zusammen: aus dem Vergleich der Seekarten von der Jade- 
und Wesermündung aus den Jahren 1859 bis 1908 geht mit unzweideutiger Be- 
stimmtheit hervor, daß die Sände von Westen nach Nordosten durch die 
beiden Flußmündungen hindurch verfrachtet werden, und zwar die 
äußere Kette in etwa 60 Jahren, die Innensände in etwa 30jährigen 
Zeiträumen, wobei auch die Rinnen dieselbe Wanderung mitzumachen 
gezwungen sind.!) 
Die Emsmündung. 
Der folgenden Untersuchung lagen neun Seekarten?) zugrunde aus den 
Jahren 1833,°) 1859, 1866, 1874, 1888, 1897, 1901, 1907, 1909. Aus ihrem Ver- 
gleich geht hervor, daß auch die Ems dasselbe Bild größter Veränderung und 
Verwilderung bietet. Die Festpunkte, an die wir unsere Untersuchungen an- 
schließen wollen, sind: die Groninger Watten, Borkum und Juist. An Sand- 
bänken kommen unter anderen in Betracht: Borkum Riff, Juister Riff, Geldsack, 
Ballon Plate, Hubert Plate und Möwen Steert. Auch hier haben wir es wieder 
wie in der Jade zum Teil mit konstanten Sänden zu tun. Wie die Karten 
dartun, gehören wohl das Juister Riff, das Borkum Riff und der Geldsack zu 
dieser Kategorie; denn in den 76 Jahren behaupten sie trotz aller Veränderung 
in den Höhenverhältnissen ihre Lage. Das gewaltigste ist das Borkum Riff. — 
Ferner wollen wir vorausschicken, daß die Ems in zwei Hauptarmen, in der 
Wester- und Osterems, die die Insel Borkum umfassen, sich ins Meer ergießt. 
Die Westerems als das Hauptfahrwasser bietet dem Schiffer drei Tore: Westerems, 
Hubert Gatt und Riff Gatt, von denen erstere mit 7m Tiefe von dem Segel- 
handbuch*) als das günstigste, das Hubert Gatt als dasjenige mit den größten 
Tiefen, die nirgends unter 8 m. betragen, bezeichnet wird. Die Lauwers Gründe, 
die Ballon Plate mit der Rottumer Bült, der Geldsack und das Borkum Riff 
sind die Torpfosten, 
Der Geldsack bedeutet für die Westerems das, was die Jade Plate für 
die Jade ist. Auch bei ihm erkennen wir, daß er bald isoliert auftritt, bald 
Beziehungen zum Borkum Riff, bald mit den Groninger Wattgründen, bald mit 
. 1) Obige Studienergebnisse decken sich zu meiner Genugtuung in der Hauptsache mit den 
im »Vorwort« und »Bericht« der Bodenuntersuchungen in der Jade gemachten Angaben, die mir erst 
nach Abschluß der Studien zu Verfügung standen. 
2) Die Karten wurden mir von der Wasserbauinspektion Emden leihweise überlassen. Ich 
spreche an dieser Stelle dem Herrn Königl. Baurat Zander meinen herzlichsten Dank aus. : 
3) Die Karten von 1833 und 1859 können nicht Anspruch auf absolute Zuverlässigkeit erheben. 
" Segelhandbuch 1906, I, 3, S. 410.
	        
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