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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1912 
Die Wesermündung. 
Hier begegnet uns dasselbe Bild. Auch sie hat zwei Ausflußrinnen, die 
Alte Weser im Osten und die Neue Weser, auch kurzweg Weser genannt, im 
Westen, von denen erstere vor Jahren das einzige Fahrwasser zum Einlaufen 
in die Weser war, aber in neuerer Zeit seit der Vertiefung der Neuen Weser 
an Bedeutung verloren hat.!) Wie der Jademündung die Jade Plate, so ist der 
Wesermündung der Rote Sand vorgelagert.‘) Er hat aber nicht die Seß- 
haftigkeit jener, sondern ist eine Wanderbank, jedoch nicht von so großer 
Flüchtigkeit als etwa der Minsener Sand. Infolge seiner durch die beigefügten 
Karten veranschaulichten Wanderung nach Nordosten verwehrt er zunächst der 
Neuen Weser den Ausweg, dann der Alten Weser. 1859°) fristen seine kümmer- 
lichen Überreste nördlich der Alten Weser ihr Dasein; aber schon hat er Ersatz 
gefunden in der Sandbank, die bis vor kurzem den Namen Roter Grund trug 
und deren lose, durch ein Untiefenband von fast —10 m bestehende Verbindung 
mit der Mellum Plate zu zerreißen droht, was bald nach 1859 sich vollzogen 
haben muß, da 1868 der neue Rote Sand uns bereits in stattlicher Gestalt 
entgegentritt. Er ist also der Überrest des Roten Grundes, der infolge seines 
Wanderns nach Osten durch die Flutwelle und Weserströmung, deren Front- 
angriffen er mehr und mehr ausgesetzt war, von dem Mellum-Komplex ab- 
gesprengt wurde und sodann unter Abgabe seines Namens an seine Ersatzbank 
die neue Benennung: Roter Sand annahm, der wiederum gleichzeitig an Stelle 
des sich verflüchtigten bisherigen Trägers dieses Namens trat. Durch die Ab- 
sprengung des neuen Roten Sandes von der Mellum Plate wurde ihm eine 
isolierte Stellung zwischen der Neuen und Alten Weser angewiesen. Aber schon 
1879 ist er unter gleichzeitiger Vermehrung der Sockelmassen weiter nach 
Nordosten gerückt, die Alte Weser zwingend, in einem weiten Bogen nach Osten 
um ihn herumzubiegen, um die See zu erreichen. Seine höher gelegenen Teile 
sind 1889 stark zersprengt; aber die Grundkomplexe haben durch ihre angestrebte 
und nunmehr vollzogene Verbindung mit den Östlich der Alten Weser gelegenen 
Bankmassen, der Tegeler Plate, die Tiefe des Weserarmes wesentlich verringert. 
1898 ist eine starke Höhenzunahme, wie auch ein Vordringen der Tegeler Plate, 
von der eine Stelle von beträchtlichem Umfang seit 1889 zur Watthöhe anuf- 
geschichtet worden ist, zu konstatieren. 
Der Transport und die Angliederung des Roten Sandes an die Tegeler 
Plate dürfte sich dadurch erklären lassen, daß er durch sein beharrliches 
Wandern nach Nordosten der Weser zu nahe kam, wodurch er der einfallenden 
Flut, die ja dem Westhang besonders hart zusetzt, zum Opfer fiel und infolge 
des Bestrebens der Flut, ihr Bett auszuhobeln, in östlicher Richtung fortgestoßen 
wurde, Die Ebbe, die ja in der Tiefe nicht so große Kraft entwickelt, vermochte 
den Sand nicht ganz fortzuspülen, sondern trug ihn nur in ihrer Stromrichtung 
d. h. an der östlichen Böschung nordostwärts, bis er von der nächsten Flut, 
deren Angriffen er jetzt schon mehr ausgesetzt war, weiter nach Nordosten 
verfrachtet wurde. Die Ebbe besorgte dann wieder das Ihrige, und so gelangte 
er nach und nach durch die Alte Weser an die Tegeler Plate, deren Ausläufer 
nach den Angaben des Segelhandbuchs*) meist aus Treibsand bestehen. 
Infolge der Verlandung des Roten Sandes an die Tegeler Plate ist der 
Alten Weser das Ausstoßrohr teilweise verstopft; sie hat sich deshalb, 
wie es scheint, zwischen der Tegeler Plate und dem Wurster Watt 1889 und noch 
besser 1898 einen Notausgang geschaffen, der jedoch 1908 infolge starker Ver- 
sandung an Bedeutung verloren hat. Unterdessen aber kämpfte auch die Neue 
Weser wegen des unaufhaltsamen Vorrückens des neuen Roten Grundes schwer 
um ihre Existenz. Aber gerade das Vordringen desselben gereichte ihr zum 
Vorteil; denn die Flut wurde dadurch gezwungen, ihren Lauf entgegen ihrer 
1) Segelhandbuch 1906, I, 3, S. 318. 
2) Der Rote Sand- Leuchtturm steht in 7 m Tiefe bei Niedrigwasser; das Feuer ist 23.9 m 
über Hochwasser, Segelhandbuch 1906, I, 3, 296, 
3) Siehe die Karten. 
4\ Segelhandbuch 1906, I, 3, S. 293.
	        
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