Poppen, H.: Die Sandbänke an der Küste der Deutschen Bucht der Nordsee. 355
auf der Karte von 1859 als jugendliche Bildung ansprechen dürfen, hat schon
in der Zeit von 1879 bis 1889 seinen Lauf vollendet und vor 1889 seinem Nach-
folger, der bisher den von der östlich von ihm liegenden H-Tonne erhaltenen
Namen H-Plate führte, seinen Namen abtreten müssen. Dieser neue Minsener Sand
aber fristet 1908 nur noch ein höchst bescheidenes Dasein, und schon ist dessen
Nachfolger von Westen her unter der Bezeichnung H-Plate in bedrohliche Nähe
gerückt, für die auch schon wieder an der Westecke Ersatz im Entstehen be-
griffen ist. Die Namen werden dann um eine Station zurückspringen: die H-Plate
wird den Namen Minsener Sand erhalten, während .der Name H-Plate auf die
Ersatzbank an der Ecke des Minsener Old Oog zurückspringt. Der Zwischensand
(ein von Marine-Oberbaurat Krüger geprägter Ausdruck; der Name fehlt zwar auf
den Seekarten, gibt aber seine Bedeutung treffend wieder, so daß ich ihn fest-
halten möchte) scheint als Sammelname für die Überreste des Minsener Sandes
in den letzten Lebensstadien und für andere Bankfetzen aufzutreten. Er wird
nach Abtrennung des alten Roten Grundes als Baumaterial des neuen Roten Grundes
Verwendung finden. Alle diese Sände scheinen also eine Lebensdauer von
bis fast 30 Jahren zu haben, während sich etwa alle 20 Jahre!) eine neue Bank
vom Minsener Old Oog ablöst. — Das Material dieser Sände dürfte teils durch
die Flut aus dem Meere direkt hierher verfrachtet werden, teils durch den
Küstenstrom an der Küste entlang, teils durch den Ebbestrom von den weiten
Watten aus der Blauen Balje;. teils aber dürfte auch der Minsener Old Oog
seinen Beitrag liefern; denn durch die rechtsseitig größere Kraftentfaltung des
Flutstromes wird das Westufer durch die Erosionskraft desselben besonders stark
angegriffen, was sich in dem langsamen Zurückweichen des Minsener Old Oog
zu erkennen gibt. Dieser hat sich nach den Angaben des »Vorwortes« ?) in den
letzten 50 Jahren um 1.8 km nach SSW zurückgezogen, was an der Stellung
der Old Oog-Bake deutlich erkennbar ist, die immer soweit wie möglich nach
NO hinausgeschoben wurde, Die Abkeilung scheint deshalb auch, wie die Karten
vermuten lassen, von Westen her durch den Flutstrom, der die Massen nach links
wirft, zu erfolgen; der Flut- und Ebbestrom im Verein mit den Wellen führen
sie dann schräg rechtsseitig nach NO weiter, — Von allen Sänden dieses Ge-
bietes sind die Wandersände südlich der Jade Plate wegen ihrer Lage in einem
Gebiet, das wohl zu den verwickeltsten gerechnet werden muß, am meisten dem
Widerstreit der verschiedenen Strömungen ausgesetzt, Da sie nämlich unter dem
Einfluß des besonders hier erosionskräftigen. Flutstromes, der um die Fest-
landsecke und um die Jade Plate herumbiegen muß, stehen, da ferner die tiefe
Rinne der Blauen Balje die Gezeitenströmungen stark beeinflußt,?) was zahl-
reiche Interferenzen zur. Folge hat, bieten sie nicht selten ein Bild arger
Zerzausung. Ein gewisser vorübergehender Sammelpunkt der flüchtigen Fetzen,
die vom Hauptkörper abgesprengt werden, scheint das südöstliche Ende
der Jade Plate zu sein, in deren Flutschatten sich die Sände niederlassen, . bis
sie von den Agentien auch von hier wieder fortgetrieben und schließlich, von
dem Flut- und Ebbestrom nordostwärts verfrachtet, dem Mellum-Kompilex an-
gegliedert werden.
Die Bankwanderung verursacht folgerichtig eine Wanderung der
zwischen ihnen liegenden Rinnen, die Wassertiefen bis zu 20 m, meist etwa
14 m bei Niedrigwasser haben, so daß die Meeressohle durch diese Wanderungen
gewissermaßen bis auf 14 m gepflügt wird,*) Vorgänge, die in den Bezeichnungen
»alter« und »neuer« Flußlauf beredten Ausdruck finden. Die Flüchtigkeit, der
die Mündungstrichter unserer Flüsse unterworfen sind, läßt deshalb auch die
auf allen Seekarten wiederkehrende, stereotype Bemerkung erklärlich finden, daß
die Fahrwasser und Sände einer fortwährenden, oft sehr beträchtlichen Ver-
änderung unterworfen seien, ;
)
Siehe »Vorwort zum Bericht über Bodenuntersuchungen in der Jade«
Siehe »Vorwort usw.« 8. 1.
Segelhandbuch 1906, I, 3, S. 353.
„Vorwort usw.« S. 1.
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