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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1912. 
Die Sandbänke an der Küste der Deutschen Bucht der Nordsee. 
Von Dr. Harm Poppen-Jena. 
(Hierzu Tafeln 15, 16 und 17.) (Fortsetzung statt Schluß.) 
Wanderung der Bänke. 
Daß die Sandbänke einer starken Umbildung unterworfen sind, haben wir 
bereits verschiedentlich gestreift, Ferner haben wir bei den losen, flüchtigen 
Sandmassen infolge der Einwirkung des Küstenstromes und der Flutströmung 
einen beharrlichen Zug, nach O zu wandern, wahrgenommen. Ob solches 
nun auch bezüglich der Sandbänke der Fall ist? Betrachten wir hierauf hin 
unsere Gestadeinseln, die wir mit gewisser Berechtigung als hypermarine 
Sandbänke anreden dürfen, Als Musterbeispiel kann uns Wangeroog dienen, über 
dessen Kirchturm, den wir als topographischen Festpunkt benutzen wollen, wir 
nach Alter und Lage durch Urkunden genau unterrichtet sind.’) Derselbe wurde 
nach Einsturz des alten, weit nach W gelegenen Turmes auf Vorstellungen der 
Elterleute in Bremen durch den Grafen von Oldenburg aufgeführt in der 
Zeit vom 14. Juli 1597 bis Anfang 1600 und soll nach Angabe des Marine- 
Oberbaurats Krüger noch 1650 seinen Standort in der Mitte der Insel gehabt 
haben. Heute steht er am NW-Strande dicht an der See. Also mehr als die 
Hälfte der Insel, von der wir annehmen dürfen, daß sie der heutigen an Größe 
zum mindesten nicht nachstand, ist innerhalb eines Zeitraumes von 300 Jahren 
nach OSO gewandert, Ein ähnliches Bild bieten die andern ostfriesischen 
Inseln. Juist z. B. mußte in den letzten drei Jahrhunderten dreimal seine Kirche 
versetzen, . 
Dieselbe Wanderung, wenngleich auch in anderer Richtung, zeigen, wie weiter- 
hin des nähern erörtert werden soll, die Sandbänke. Über die Art und Weise, 
unter der sie sich vollzieht, belehren uns die wertvollen Experimente des Franzosen 
Dubuat und des deutschen Strombau-Ingenieurs G. Hagen.?) Dieser berichtet 
darüber: »Zuweilen werden die Erdteilchen und der feine Sand durch Wirbel fortge- 
rissen. Gewöhnlich aber zeigt sich ein mäßigeres und sanfteres Verfahren, Quer durch 
den Fluß bilden sich Rücken. Die stromaufwärts gekehrte Böschung fällt sehr 
sanft ab, die andere sehr steil. Die vom Strom getragenen Körnchen rollen die 
sanfte Neigung der vorderen Fläche heran, über dieselbe hin und fallen am 
steilen Ende ab, wo sie im Stromschatten liegen bleiben. Andere legen den- 
selben Weg zurück, bis der ganze Rücken darüber hingerollt ist. Dann ist das 
erste Körnchen wieder frei und beginnt eine neue Wanderung. Bei mäßiger 
Geschwindigkeit des Wassers dauert es eine volle halbe Stunde, bis der kleine 
Hügel von 4 bis 5 Zoll Breite eine solche Station oder eine Strecke, die seiner 
Breite gleichkommt, zurückgelegt hat. Durchschnittlich würde ein Körnchen 
zwei Jahre zu einer Strecke von */, Meilen gebrauchen.« Auf Grund dieser 
interessanten Experimente glauben wir, wenngleich auch keine Messungen über 
die Sandwanderung in tiefem Wasser vorliegen, annehmen zu dürfen: 1. daß die 
Meereskräfte den Sand zu Haufen, zu Sandbänken, aufschichten, die sich nicht 
unter gleichzeitiger Wahrung der Struktur oder plötzlich verschieben, 
sondern nur allmählich durch Umlagerung, so daß die ganze Masse 
gleichsam umgepflügt wird, 2. daß die Sandbankwanderung sich etwa 
in der Diagonale der Streichrichtung des Flut- und Ebbestromes und 
der Wellen, also in nordöstlicher Richtung, vollziehen muß, wobei den 
Bänken eine steile Frontböschung verliehen wird. — Wesentlich begünstigt wird 
die Bankwanderung dadurch, daß unsere sämtlichen Flüsse durch das Herumbiegen 
ihrer Mündungen, des Hauptreviers der Sandbänke, nach W hin dem Flutstrom und 
den W-Winden eine günstige Operationsbasis im Interesse der Sandumlagerung bieten, 
Von der Bankwanderung machen jedoch die konstanten Bänke bis zu einem ge- 
1) G. Sello, der Jadebusen, 1903, S. 50ff. 
2 G. Hagen. Wasserbau II. SS. 162.
	        
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