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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1912,
Nur die Tatsache möge noch hervorgehoben werden, daß nicht nur in
allen vorhergehenden acht Wintern die Stationen Helgoland und Jade voll-
kommen eisfrei blieben, sondern daß dies auch wieder im letzten Winter trotz
seiner äußerst tiefen Temperaturen (bis zu 16° unter Null bei Keitum) der Fall
war, so daß es berechtigt erscheint, diese Orte als absolut eisfrei zu bezeichnen.
XI. Die Ostseeküste,
Die Tabelle III gibt eine allgemeine Übersicht über die Eisverhältnisse an
den verschiedenen Punkten und über die Art der durch das Eis bewirkten Störung
der Schiffahrt. Gemäß den sehr viel tieferen Mitteltemperaturen gestalteten sich
auch die Eisverhältnisse und die Schiffahrtsbehinderungen an der Ostseeküste
sehr viel ungünstiger als an der Nordseeküste, und zwar traten wie alljährlich
die mehr geschlossenen Gewässer hinsichtlich der Eisbesetzung stärker hervor,
als die freier am Meere gelegenen, Es erübrigt sich auch hier, die einzelnen
Beobachtungsstationen bezüglich ihrer Eisverhältnisse besonders zu betrachten,
da die Tabelle III alle wünschenswerten Einzelteile in klarer Übersichtlichkeit
leicht erkennen läßt und eine bequeme Vergleichung der verschiedenen Stellen
ermöglicht. Nur einige charakteristische Züge mögen hervorgehoben und zu den
Ergebnissen der Beobachtungen der vorangehenden acht Winter sowie zu denen
des sehr milden Vorwinters in Vergleich gestellt werden,
Um diese Verhältnisse klarer vor Augen zu führen, wird in der Tabelle IV
eine Anzahl Beobachtungsstationen, die alljährlich das gleiche typische Verhalten
zeigten, angeführt und ihre letztjährigen Eisverhältnisse denen des achtjährigen
Zeitraums und des Vorwinters gegenübergestellt. Hierin bedeuten die Zahlen der
Spalte a die Summe der Tage des ganzen Winters, an denen die Segelschiffahrt
behindert war, jedoch ebenso wie die Dampfschiffahrt möglich blieb; die mit b
überschriebene Spalte enthält die Zahl der Tage, an denen die Segelschiffahrt
geschlossen war; jede dieser Zahlen setzt sich aus der Summe der in den Hori-
zöntalreihen 3 und 4 der Tabelle III angeführten Zahlen zusammen, da an den
Tagen mit geschlossener Dampfschiffahrt naturgemäß auch die Segelschiffahrt
geschlossen war. Diese, durch fetten Druck in der Tabelle IV hervorgehobenen
Werte erscheinen für die Beurteilung der Eisbesetzung als die wichtigsten; denn
sie bilden ein Maß für die Dauer sowohl als auch für die Stärke des Eises.
Solcher mit a, b, ce bezeichneten Zahlengruppen sind drei nebeneinander gestellt;
die erste bezieht sich auf den letzten Winter, die zweite gibt die Durchschnitts-
werte (die »angenäherten Normalverhältnisse«) der. Winter 1903/04 bis 1910/11,
die letzte endlich enthält die entsprechenden Zahlen des Winters 1910/11.
Tabelle IV.
Kisverhältnisse an einzelnen Orten der Ostseeküste.
Beobachtung sstationen
1911/12
a hl oo
1903/04 his 1910/11
a
h
cc
1910/11
a ll bb le
Memel (Revier) . . 12 65 ı 4
Brüsterort. . 2. 2.0.0... 8 ‘ J Ü 0
Frisches Haff bis Königsberg . 8 | 33 79 113} 0 88
Neufahrwasser bis Danzig . 56 1 15 ‚u 7
Stettiner Haff . , . .. 65 | 19 39 61| 15 | 2
Arkona. . 0.0.0.0... 24 2 417 0 9
Travemünde bis Lübeck, , 2 47 3 1 14 24 1 0
Kaiser-Wilhelm-Kanal . , ... 41 0 45 a 8 20 | 0 0
Hierin bedeutet: a die Zahl der Tage mit behinderter Segelschiffahrt,
b die Zahl der Tage mit Schluß der Segelschiffahrt.
e die Zahl der Tage mit Eis überhaupt.
Diese Tabelle erscheint aus dem Grunde besonders lehrreich, weil man in
der Lage ist, aus ihr mit einem Blick die starken Abweichungen vom Durch-
schnitt einerseits bei sehr strengem, anderseits bei sehr mildem Winter zu erkennen.
Da beispielsweise die Haffe mehr geschlossene Gewässer darstellen, die
mit dem warmen Seewasser nur schwach kommunizieren können, so zeigt sich
zunächst, daß sie hinsichtlich ihrer Eisbesetzung am ungünstigsten gestellt sind;
das Frische Haff bis Königsberg (3) hatte wie auch das Stettiner Haff (5) die