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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1912. 
vom 1. bis 3. sowie am 11. nur vereinzelt, an den übrigen Tagen fast an der 
ganzen Küste; sie wehten an den ersten und letzten Tagen aus nördlichen, an 
den übrigen Tagen aus westlichen und nordwestlichen Richtungen. Nebel wurde 
fast gar nicht, Gewittererscheinungen wurden nur äußerst selten, nämlich am 11. 
an der Nordseeküste, beobachtet. 
Vom 1. bis 3. April zog eine Depression mit ihrem Minimum, gefolgt von 
einem Keil hohen Druckes vom Nordwesten her, über das deutsche Küstengebiet 
hin. Hierbei entwickelten sich auf der Rückseite stellenweise steife und stürmische 
meist nördliche Winde, die eine merkliche Abkühlung herbeiführten. . 
Während nun der Hochdruckkeil zurückwich, folgte schnell eine neue 
Depression nach, die von Nordwest- nach Nordosteuropa zog und bis zum 7. an- 
haltendes stürmisches Wetter herbeiführte; die Winde wehten anfangs aus west- 
lichen Richtungen und brachten Erwärmung, späterhin aus nordwestlichen unter 
erneuter Abkühlung. 
Eine neue Depression zeigte sich am 8. über Nordwesteuropa, während 
das Maximum andauernd über Südwesteuropa liegen blieb. Sie brachte erneut 
sehr schweres Wetter, das bis zum 9. bestehen blieb, wo das Minimum von 
725 mm Tiefe über Südschweden lag. Die Winde wehten aus westlichen Rich- 
tungen mit Windstärke 8 und 9 an der ganzen deutschen Küste. Am 10, hatte 
sich das Hauptminimum nach Nordwestrußland entfernt, ein Teilminimum war 
jedoch über der Nordsee erschienen, das ostwärts fortschritt und stellenweise am 
10. und 11. stark böige Winde aus nördlichen Richtungen hervorrief, wobei am 
11. infolge des Einströmens sehr kalter Luft in den Kontinent an der Nordsee- 
küste Gewitter auftraten. Auf Sylt sank an diesem Tage die Temperatur auf den 
tiefsten Stand des Monats, bis auf 61!/%,° unter Null. Auch Hamburg und Wustrow 
hatten am 11. ihre tiefsten Monatstemperaturen. Ein zweites Teilminimum schritt 
vom 11. bis 12. von der nördlichen Nordsee nach der Provinz Brandenburg 
weiter, wobei sich auf seiner Rückseite in größerer Verbreitung an der Nordsee- 
und westlichen Ostseeküste steife und stürmische Winde entwickelten, die fort- 
dauernd sehr kalte Luft aus Nordeuropa herbeiführten; Rügenwaldermünde hatte 
an diesem Tage mit 8.8° unter Null die tiefste Monatstemperatur., 
Noch bis zum 15. blieben die Winde aus nördlichen Richtungen bestehen, 
da das Hochdruckgebiet bis zu diesem Tage über Westeuropa liegen blieb, waren 
aber nur schwach, 
Ein durchgreifender Witterungswechsel trat am 16. ein. Während nämlich 
bisher die Wetterlage fast ohne Unterbrechung zyklonal war mit ihrem charakte- 
ristischen Witterungsverlauf, stellte sich nunmehr eine bis zum 26. anhaltende 
antizyklonale Wetterlage ein. Das mehrfach erwähnte westliche Hochdruckgebiet 
nämlich wanderte am 16. ostwärts und erreichte mit ihrem Maximum am 17. April 
Ostpreußen; dann wandte es sich nordostwärts nach dem Weißen Meere und blieb 
hier bis zum 21. liegen. Am 22. verlagerte sich das Maximum nach Süd- 
skandinavien, um sich bis zum 26. nach Nordwesteuropa zu verlegen. Während 
dieser ganzen Zeit herrschte unter dem Einfluß dieses Hochdruckgebietes bei 
fast andauernd östlichen bis nordöstlichen Winden heiteres, völlig trockenes und 
ziemlich mildes Wetter. 
An den letzten Monatstagen stellten sich, während das Hochdruckgebiet 
über Nordwesteuropa liegen blieb, flache Depressionsausläufer eines über Nord- 
osteuropa erschienenen Tiefdruckgebietes ein, die vom 28. bis 30. an der Ostsee- 
küste mehrfach leichte Niederschläge, aber kein merkliches Auffrischen der Winde 
im Gefolye hatten. 
Druck und Verlag von E. S. Mittler & Sohn, Königliche Hofduchhandlung und Hofbuchdruckerei 
Berlin SW. Kochstraße 68—71.
	        
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