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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Kleinere Mitteilungen. 
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geordnete Brennstoffkapsel eingespritzte Brennstoff verpufft und dann im Zylinder 
ein Druck von 55 Atmosphären wirksam wird. Der Unterschied gegenüber dem 
ähnlichen Dieselmotor ist der, daß bei diesem die Verbrennung allmählich. bei 
einem dem Verdichtungsdruck annähernd gleichen Druck erfolgt, während der 
Bronsmotor eine Verpuffung mit stark ansteigendem und demnächst jäh ab- 
sinkendem Druck im Zylinder aufweist, Aus diesem Unterschied folgt, daß der 
Bronsmotor verhältnismäßig stärker gebaut sein muß, als ein gleich leistungs- 
fähiger Dieselmotor, Da er aber einfacher ist als dieser, so ist er ihm trotzdem 
bei den eigenartigen Verhältnissen des Seefischereibetriebes vorzuziehen, . 
Wie alle Gasmotoren, verlangen auch die hier erwähnten, daß sie durch 
Andrehen in Gang gesetzt werden, Bei den kleinen Motoren bis 7 P,S, ist dies 
noch von Hand möglich. Größere bedürfen einer Druckluftanlage, doch kann 
diese so klein und einfach ausgeführt werden, daß sie die Anwendung der Ol- 
motoren nicht wesentlich erschwert. 
Wesentlich verschieden liegen nun die Verhältnisse dort, wo es sich darum 
handelt, ob. für einen größeren Schiffstyp der Ersatz der Dampfkraft durch 
einen Ölmotor aus wirtschaftlichen Gründen. angezeigt ist. Es kann für diesen 
Fall von den zur Zeit am Markt befindlichen Motoren überhaupt nur der Diesel- 
motor in Betracht kommen, da er innerhalb der gegebenen Raum- und Gewichts- 
bedingungen allein hohe Leistungen bei geringem Brennstoffverbrauch gewähr- 
leistet. Weil ein ausgebildetes Maschinenpersonal zur Verfügung steht, so fällt 
der Umstand, daß dieser Motor, eine sorgfältigere Wartung erheischt, als die 
früher für die Zwecke der Kleinfischerei angegebenen, hier nicht erschwerend 
in die Wagschale. Für die gleiche Maschinenleistung verbraucht der Dieselmotor 
etwa nur 8/,„ des Gewichtes an Brennstoff wie die mit Kohle beheizte Dampf- 
maschine. Allerdings kann der Preis des Öles je nach den örtlichen Verhält- 
nissen und den Zollsätzen verglichen mit dem der Kohle zwischen dem 1'!/,fachen 
und 4fachen schwanken, 
Je nachdem, ob wirtschaftliche Fragen oder andere, wie z. B. die nach dem 
Aktionsradius oder dem leichteren Übernehmen des Brennstoffes in den Vorder- 
grund treten, muß hier die Dampfmaschine oder der Ölmotor günstiger ab- 
schneiden, Es gibt zweifellos Verhältnisse, in denen bereits heute der Diesel- 
motor zum Antrieb auch größerer Schiffe geeigneter erscheint, wie es solche 
gibt, bei denen die Dampfmaschine nicht nur heute, sondern überhaupt in abseh- 
barer Zeit günstiger wirken muß. Die Wirtschaftlichkeit der Diesel-Motorschiffe 
behandelt Rich, Colell in einem lehrreichen Aufsatz, der in jeder Hinsicht auf- 
klärend wirkt und sich vor allem freihält von unangebrachtem Enthusiasmus 
für das Neue, so sehr er dessen Vorzüge in einzelnen Fällen hervorhebt.!) 
Der Dieselmotor ist für gleiche Leistung schon deshalb, weil die ganze Kessel- 
anlage wegfällt, kleiner und bedarf einen geringeren Raum als die Dampfmaschine. 
Baut man einen Motor statt einer Dampfmaschinenanlage in einen gegebenen 
Schiffskörper ein, so steht bei dem Motorschiff mehr freier Laderaum zur Ver- 
fügung, trotzdem können die für die wirtschaftliche Ausnutzung des Schiffes 
unter Umständen schwer ins Gewicht fallenden Hafen- und ähnlichen Gebühren 
sich weit ungünstiger stellen als bei dem Dampfschiff und den Gewinn an Lade- 
raum hinfällig machen. Die gesetzlichen Bestimmungen für die Berechnung des 
für die Gebühren maßgebenden Nettoraumgehaltes aus dem Bruttoraumgehalt 
sind nämlich so, daß sie für den Reeder ungünstiger werden, wenn der für die 
Antriebsmittel verbrauchte Raum kleiner wird, als es bei den Dampfmaschinen 
arfahrungsgemäß zu sein pflegt. Die letztgenannte erfreut sich also — wenigstens 
heute noch — in dieser Hinsicht vor dem Gesetz einer weit günstigeren Behand- 
lung als ihre jüngere Konkurrentin. ‚Anders liegen die Verhältnisse, wenn der 
besondere Verwendungszweck des Schiffes den ungünstigen Einfluß dieser Ge- 
bühren zurücktreten läßt. So kann bei Personendampfern der Gewinn an ver- 
fügbarem Raum, der Wegfall der großen Hitze im Kesselraum, die leichte und 
saubere Übernahme des Brennstoffes ohne weiteres dem Dieselmotor den Vorzug 
Schiffbau. 13. Jahrgang. 1912. Seite 547 bis 554.
	        
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