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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

24 Annalen der Hydrographie und Maritimen Metcorologie, Januar 1912, 
Eine gewisse Zeit, nachdem das Salz beigefügt ist, bilden sich fast plötzlich 
rasch größer werdende Flocken, welche wie ein Schnee zu Boden sinken. Die 
Zeit, welche zum Einsetzen der Flockenbildung nötig ist, nimmt mit wachsender 
Verdünnung rasch zu, sie ist für verschiedene Salze verschieden. Schüttelt man, 
nachdem sich die Flocken zu Boden gesenkt haben und die überstehende 
Flüssigkeit völlig klar geworden ist, kräftig um, so ist die Schlämmung wieder 
völlig homogen und von Flocken nichts wahrzunehmen. Es bedarf wiederum 
einer gewissen Zeit, ehe die Flockung plötzlich und in derselben Weise wie das 
erste Mal einsetzt, Die Zeit ist nahezu die gleiche wie zuerst, ob sie vielleicht 
etwas verschieden ist, konnte ich nicht mit Sicherheit feststellen. Die Unter- 
schiede liegen innerhalb der Fehlergrenzen, doch scheint es, als sei die Zeit das 
erste Mal größer als späterhin. 
Während bei den Versuchen der älteren Autoren andere Größen zur Be- 
stimmung der Zunahme der Sinkgeschwindigkeiten dienten, wurde nunmehr die 
Zeit, welche zum Einleiten der Flockenbildung notwendig ist, als unterscheidendes 
Merkmal gewählt. Es war hier eine Grenze zweier Gebiete mit ziemlicher 
Schärfe wahrzunehmen. Es gibt ein Gebiet, innerhalb dessen die Sinkgeschwindig- 
keit von sehr kleinen Werten mit wachsendem Salzgehalt rasch zu großen Werten 
ansteigt, und ein davon ziemlich scharf getrenntes Gebiet, in dem die groß ge- 
wordene Geschwindigkeit nur noch wenig zunimmt. Der hierbei auftretende 
Grenzwert darf nicht verwechselt werden mit Schwellenwerten, auf die 
Schloesing!) und Bodländer aufmerksam gemacht haben. Diese fanden nämlich, 
daß mit abnehmender Konzentration eine Grenze erreicht wird, unterhalb deren 
die Sinkgeschwindigkeit in der Salzlösung nicht mehr merklich verschieden ist 
von der in reinem Wasser, So ruft nach Schloesing ein Gehalt von 0.02%, Kalk 
die Koagulation von Ton fast plötzlich hervor, 0.01%, erzeugt sie erst nach 
einigen Tagen und 0.005%, sind überhaupt unwirksam. Was Bodländer®) unter 
Schwellenwert versteht, ist eine hiervon wohl etwas unterschiedene Erscheinung. 
Seine Beobachtungsmethode war darauf begründet, daß etwa 90 bis 100 Minuten 
nach dem Zusatz des Salzes der Gehalt der überstehenden Flüssigkeit an Ton 
bestimmt wurde. Es zeigte sich hierbei, daß für geringe Gehalte bis dahin eine 
merkliche Klärwirkung noch nicht eingetreten war. Die im folgenden be- 
schriebenen Versuche ergeben nun, daß je nach dem Salzgehalte und der Natur 
des Salzes sehr verschiedene Zeiten notwendig sind, ehe eine merkliche Klär- 
beschleunigung auftritt, daß die Klärung aber dann, wenn sie einmal begonnen 
hat, auch bei geringen Salzgehalten verhältnismäßig rasch fortschreitet. Die 
von Bodländer gewählte Versuchsanordnung enthält also, wenigstens im Hinblick 
auf die Bestimmung des Schwellenwertes, eine gewisse Willkür. 
In einem gewissen Gegensatz hierzu steht es nun, wenn Thoulet bei 
seinen Versuchen, um in destilliertem Wasser überhaupt einen Niederschlag in 
nicht überaus großen Zeiten zu erhalten, einen Tropfen einer 0.01 normalen 
Lösung von H Cl zufügt.®) Es werden dort stets 75 cm? untersucht; nimmt man 
schätzungsweise an, daß jener Tropfen !/„„, cm? groß gewesen sei, so folgt hieraus 
ein Gehalt von 0.000023°%, HCl in dem, was Thoulet als »Schlämmung mit 
reinem Wasser« bezeichnet. Wird nun durch diesen Säuregehalt die zuvor 
praktisch unendlich große Fällungsdauer in eine endliche, d.h. bequem meßbare 
abgeändert, so müßte der Schwellenwert des Einflusses bei geringerem Gehalt 
liegen, Der von Bodländer gefundene Wert beträgt nun aber bei H Cl etwa 
0.001°%,, also etwa das 40fache des Gehaltes, bei dem nach Thoulet zweifellos 
eine Erhöhung der Fällungsgeschwindigkeit wahrnehmbar war. 
Den benutzten Ton verdanke ich der Freundlichkeit von Herrn Bergrat 
Prof. Dr. Steuer, Das Stück stammt aus Krems bei Wien, Seine Dichte wurde 
in einem Pyknometer von 10 cm? Fassungsvermögen an einer Probe von 3.8 gr 
1) Schloesing a. a. O. Seite 63, 
2) G. Bodländer, Versuche über Suspensionen, N. Jahrbuch für Mineralogie, Geolugie und 
Paläontologie, 2 1893, Seite 158, 
3) J. Thoulet, Experiences sur Ja s&limentation. Annales des mines. 8 ser., t. 19. 1891. S. 16.
	        
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