324 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1912,
dieselben Abgaben. An Sonn- und Festtagen brauchen keine Kaigelder bezahlt
zu werden, wenn Schiffe nicht laden oder löschen oder von dem Kai abholen.
Schiffe in Havarie können 14 Tage oder auf Nachsuchen auch länger kostenlos
am Kai festmachen. Schiffe, die am Kai Reparaturen ausführen, brauchen erst
nach dem dritten Tage ihrer Liegezeit Kaigelder zu bezahlen; sie können auf
Nachsuchen auch noch länger von den Abgaben befreit werden, aber nicht länger
als für 14 Tage, Ein- und Ausklarieren kostet 10 bis 20 Guineen; Schiffs-
besichtiger 3 £ 3sh, Arbeitslohn 11d per Tonne, Bootmann 15 sh per
Tag. Kapt. W. Hellmich hatte mit seinem 1696 R-T, großen Schiff 1073 £
Unkosten,
Melbourne ist die Hauptstadt des Staates Victoria. Die Stadt wurde im
Jahre 1835 gegründet, zu welcher Zeit ihre Bevölkerung aus 14 Seelen bestand.
Sie nahm aber einen raschen Aufschwung, wie nur wenige Städte, und zählt
jetzt etwa 538 000 Einwohner, Die Stadt ist auf 7 Hügeln errichtet, die vom
Yarra-Fluße aus allmählich ansteigen. Es sind verschiedene hübsche Bauten
vorhanden, und breite gerade Straßen sind rechtwinklig zueinander angelegt.
Die Industrie ist durch eine Anzahl Gerbereien, Maschinen-, Schuh- und Kleider-
fabriken vertreten, Im Innern der Kolonie wird Bergbau, hauptsächlich aber
Schafzucht und Ackerbau betrieben,
Handelsverkehr für das Jahr 1908. Schiffsverkehr. In die Häfen des
Staates Victoria liefen ein:
201 Segelschiffe mit Ladung von 120823 R-T,
2213 Dampfer « « « 4341851 R-T.
Es liefen aus:
147 Segelschiffe mit Ladung von 62578 R-T.
1938 Dampfer « x « 3965757 R-T.
Einfuhr besteht aus Stückgütern,
Ausfuhr besteht aus Wolle, Weizen, Mehl, Hafer, Butter, Talg, Häuten,
Fellen, Fleisch in gefrorenem Zustand.
Der Wert der Einfuhr nach dem Staate Vietoria betrug 27197 696 £ ein-
schließlich des zwischenstaatlichen Handels, der der Ausfuhr einschließlich Gold
and Münzen im Werte von 4363 078 £, insgesamt 27 196 201 £.
Dampferlinien. Deutsche. Die Dampfer des Norddeutschen Lloyd und die
der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft laufen den Hafen regelmäßig
an. Fremde, Englische, französische, österreichische, japanische und schwedische
Dampfer unterhalten 14 tägigen bis vierwöchentlichen Verkehr. Eisenbahn-
verbindung besteht nach allen Kolonien des Festlandes Australien, Telegra-
phische Verbindung nach allen Ländern ist vorhanden, Fischerei versorgt
nur den örtlichen Bedarf.
Schiffsausrüstung. Bunkerkohlen australischen Ursprungs sind immer in
reichlichen Mengen zu haben. Sie kommen auf telegraphische Vorherbestellung
gleich nach Ankunft des Schiffes längsseit. Die Übernahme geschieht aus Kohlen-
hulks mit Dampfwinden durch Arbeiter vom Lande, D, »Seydlitz« nahm 200t in
2 Stunden über. Es sind auch vier Kohlenbrücken von 49 bis 122 m Länge und
6.7 bis 7.0 m Wassertiefe längsseit vorhanden. Der Kohlenpreis beträgt ungefähr
lL6sh für die Tonne. Es ist auch Ölfeuerung zu erhalten. Frischer und Dauer-
proviant sowie andere Ausrüstung sind zu angemessenen Preisen erhältlich,
Wasserversorgung, Das Wasser wird durch Rohrleitung von den städtischen
Wasserwerken an die Kaie und Ladebrücken geleitet. Es wird Schiffen zum Preise
von 3sh per 1000 Gallonen abgegeben. In der Bucht kann man Wasser von
Wasserbooten zum Preise von 5 sh per t bekommen. Das Wasser ist gut. Das
Flußwasser ist jedoch nicht zu gebrauchen. Sandballast ist zum Preise von
3sh 6 d per t zu bekommen; für die Übernahme, ohne Trimmen, sind noch 9 d
per t zu bezahlen,
Auskunft für den Schiffsverkehr. Das deutsche Konsulat befindet sich
in der William-Straße in Melbourne. Agenten aller bedeutenden Seeassekuranz-
Gesellschaften sind am Orte. Ein deutscher Schiffsmakler wohnt in der Market-
Straße 26 in Melbourne. Das Hafenamt hat seine Dienstgebäude in der Flinders-